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Drei Jahre Diesel-Skandal Die Politik hat versagt

Die Besitzer von Diesel-Fahrzeugen werden im Regen stehengelassen.

21.09.2018 15:19

Es fällt schwer, beim Gedanken an den mittlerweile schon drei Jahre schwelenden Abgasskandal optimistisch zu sein. Nachdem im September 2015 bekannt wurde, dass Volkswagen in den USA die Abgasreinigung bei Dieselmotoren manipuliert hat, entspann sich ein bis dahin nicht vorstellbarer, inzwischen herstellerübergreifender Autoskandal.

Allein in Deutschland zwang das Kraftfahrt-Bundesamt den Volkswagen-Konzern, rund 2,4 Millionen Fahrzeuge der Marken VW, Audi und Škoda zurückzurufen. Weitere Rückrufe von Dieselfahrzeugen anderer Hersteller folgten. Die Autoindustrie geriet wegen Betrugs und Trickserei bei Verbrauchern zu Recht in Verruf, doch auch die Politik hat versagt. Und das rächt sich nun.

Eine aktuelle forsa-Umfrage im Auftrag des Verbraucherzentrale Bundesverbands (vzbv) zeigt sehr deutlich, wie stark das Vertrauen der Menschen in die Politik gelitten hat: Vier von fünf Verbrauchern in Deutschland meinen, dass die Politik im Abgasskandal vor allem die Interessen der Autoindustrie vertritt. Drohende Fahrverbote und der Wertverlust von durchaus teuer gekauften und als umweltfreundlich angepriesenen Autos tun ihr Übriges.

Der vzbv fordert daher, und das nicht zum ersten Mal, schnellstmöglich Unterstützung für die vielen tausend von Fahrverboten betroffenen Dieselbesitzer. Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer muss den Verbraucherschutz bei verkehrspolitischen Entscheidungen in den Fokus rücken und seine Kontrollfunktion gegenüber der Autoindustrie ausüben.

Die von ihm vorgeschlagene Umtauschprämie muss deutlich mehr sein, als ein Programm zur Absatzankurbelung. Alle Dieselbesitzer, die wegen Fahrverboten ihr Auto nicht mehr nutzen können, sollten ein Angebot von den Autoherstellern erwarten können. Angemessen wäre aus Sicht des vzbv der Rückkauf ihres Fahrzeugs und zusätzlich 1000 Euro.

Was Volkswagen anbelangt, so ist zumindest auf eine für die Verbraucher positive Rechtsprechung im Rahmen der neu eingeführten Musterfeststellungsklage zu hoffen. Am 1. November wird der vzbv mit Unterstützung des ADAC klagen. Volkswagen und alle anderen Autohersteller müssen endlich Verantwortung übernehmen. Recht zu haben muss auch heißen, Recht zu bekommen!

Der Autor ist Vorstand des Verbraucherzentrale Bundesverbands (vzbv).

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