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Digitalisierung Planetare Grenzen

Wirtschaftswachstum ist keine Antwort auf die Frage, wie die Folgen der Digitalisierung kompensiert werden können. Eine zukunftsfähige Analyse muss auch den ökologischen Rahmen mitdenken.

03.07.2018 17:19

Menschliche Arbeitskräfte werden langfristig überflüssig, weil intelligente Maschinen billiger und effektiver sind“, diese These steht häufig im Zentrum der öffentlichen Diskussion über die Auswirkungen der Digitalisierung. Ökonomen zeigen sich dieser Prognose gegenüber hingegen unbeeindruckt und betonen, dass technischer Wandel historisch zwar zur Vernichtung von Arbeitsplätzen beigetragen hat, doch diese letztlich immer durch die Schaffung neuer Stellen kompensiert wurde.

Die Dominanz der „Kompensationsthese“ in der Mainstreamökonomik sollte jedoch dringend hinterfragt werden, da die positiven Beschäftigungseffekte der Vergangenheit nicht einfach auf die Digitalisierung übertragen werden können. Vielmehr lässt sich zeigen, dass die zugrundeliegenden Annahmen für die Digitalisierung im 21. Jahrhundert nicht gelten.

So wird davon ausgegangen, dass Produktivitätssteigerungen zu sinkenden Preisen und steigender Nachfrage führen. Dabei bleibt unbeachtet, dass digitale Märkte aufgrund von Netzwerkeffekten starke Monopolisierungstendenzen aufweisen, weshalb Kostenersparnisse nicht zwingend an die Konsumentinnen weitergegeben werden müssen. Auch die steigende Nachfrage kann in Zeiten von zunehmender Ungleichheit und sinkender Lohnquote nicht als gegeben angenommen werden: Wie soll eine Wirtschaft funktionieren, wenn sich kaum jemand die produzierten Güter leisten kann?

Doch selbst wenn diese ökonomischen Punkte in den Griff zu bekommen wären, ist es längst an der Zeit zu fragen, ob unsere Umwelt einen starken Anstieg der Arbeitsproduktivität kompensieren kann oder ob hier nicht längst planetare Grenzen erreicht und überschritten werden. Demnach ist es höchst bedenklich, dass Wirtschaftswachstum auch in der Diskussion über die Zukunft der Arbeit als dauerhafte Lösungsstrategie herangezogen wird.

Eine zukunftsfähige Analyse sollte die ökonomischen und ökologischen Rahmenbedingungen der heutigen Zeit integrieren, statt Erfahrungen und Annahmen aus der Vergangenheit einfach zu übertragen. Demnach ist es nicht nur fragwürdig, ob die Digitalisierung die erwarteten Beschäftigungseffekte mit sich bringen wird. Vielmehr ist es fahrlässig, die Kompensationsthese als gegeben zu akzeptieren und dadurch politische Gestaltungsmöglichkeiten zu versäumen.

Die Autorin studiert Volkswirtschaftslehre und ist Mitglied im Netzwerk Plurale Ökonomik.

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