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Digitalisierung Die Katastrophe als Katharsis

Die digitale Zeitenwende ist unausweichlich und exponentiell schnell. Wir sind nicht Opfer, sondern können zu entschiedenen Tätern werden.

28.08.2018 16:04
Karl-Heinz Land

Klimakatastrophe oder einfach nur Sommer? Moralische Insolvenz Europas oder offene Grenzen? Shareholder Value oder Sinn-Ökonomie? Massenarbeitslosigkeit und gesellschaftliche Depression oder bedingungsloses Grundeinkommen? Populismus und Protektionismus oder Demokratisierung und Diversität? Fake-News oder Fakten? Untergang oder Überleben?

Die Katastrophe ist in der antiken griechischen Tragödie der dramaturgische Kunstgriff, die entscheidende Wende einzuleiten: Entweder löst der Held die Krise – als Katharsis des Publikums – oder er wird getötet, seine Gefolgsleute vernichtet und die Gesellschaft geht unter.

Der Held von heute ist unser wunderbarer, ausgelaugter und geplünderter Planet. Der Kunstgriff, ihn zu retten, kann gelingen – und zwar mithilfe der Digitalisierung und des technologischen Fortschritts.

Wir können künstliche Intelligenz (KI) strategisch in den Dienst von Umweltschutz und Gesundheit, von effizienter Wasser- und Nahrungsmittelversorgung stellen. Wir können mit einer radikal neuen Infrastruktur des Wohlstands den Zugang zu Information, Kapital und Wertschöpfung demokratisieren. Wir können mit einer Service-Ökonomie zur Nachhaltigkeit erziehen. Wir können mit einer Sharing-Ökonomie unsere Ressourcen schützen. Wir können über die Zirkulär-Ökonomie Abfall vermeiden. Wir können mithilfe der Blockchain für Daten-Souveränität bürgen. Wir brauchen für all das den Internetzugang als Menschenrecht.

Die digitale Zeitenwende ist unausweichlich und exponentiell schnell. Wir sind nicht Opfer, sondern können zu entschiedenen Tätern werden.

„Die alte Welt liegt im Sterben, die neue ist noch nicht geboren“, kommentiert der Philosoph Antonio Gramsci 1937 den Faschismus in Europa, „es ist die Zeit der Monster.“ Heute werden sie genährt von visionslosen Debatten und schlafwandlerischen Heilsversprechen vieler Politiker über Vollbeschäftigung und Wirtschaftswachstum. Nicht nur deshalb bedarf es dringend einer zukunftsprovozierenden, transparenten Diskussion über Chancen und Risiken der Transformation.

Der zweite Planet ist digital. Es liegt an uns, die Zwillingshelden, den blauen und virtuellen Planeten, in einen menschenwürdigen Lebensraum zu wandeln.

Der Autor ist Investor, Redner und Insider der digitalen Transformation. Zum Thema siehe sein aktuelles Buch „Erde 5.0 – Die Zukunft provozieren“.

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