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Demografischer Wandel Deutschland sieht älter aus

Mit ein Prozent Bevölkerungsschwund ist Japan Vorreiter in Sachen demografischer Wandel und hält sich dennoch erstaunlich gut. Was macht Japan so stabil?

18.06.2018 16:49

Wer an Japan denkt, denkt in Kategorien der Krise. Erst jüngst machte eine Schreckensmeldung die Runde: Der Anteil an Singlehaushalten liegt in Japan bei 40 Prozent. Dass er in Deutschland fast genauso hoch ist und in Schweden noch höher, wurde nicht erwähnt.

Der demografische Faktor ist in Japan ein erstaunlich schwer zu bewertender Faktor. Mit ein Prozent Bevölkerungsschwund ist Japan Vorreiter in Sachen „Demografischer Wandel“ und hält sich dennoch erstaunlich gut. Die Wirtschaft ist aus dem langen Tief heraus. Nur wegen der Sonderkonjunktur „Olympiade 2020“, wie viele vermuten?

Was macht Japan so stabil? Ein wesentlicher Aspekt ist die Disziplin, mit der die Bevölkerung die Probleme angeht. Japan wirkt jünger, aktiver und attraktiver als Deutschland. Alt aussehen mag hier niemand. Ein erstaunlich hoher Anteil bleibt weit über das Rentenalter aktiv. Die Silver Human Ressource Center spielen eine wichtige Rolle. Sie stellen Senioren an und „verleihen“ sie an Arbeitgeber. Senioren sind im Service zu finden, fahren Taxi, sind Schülerlotsen und betreuen den Nachwuchs. Sie arbeiten in der Altenbetreuung und gehen aufs Land, züchten Blumen oder bauen Gemüse an.

Dabei geht es vor allem um Teilhabe. Manchmal auch ums Geld. „Nicht dazugehören“ wird in der kollektivistisch fühlenden japanischen Kultur als sehr schmerzhaft empfunden. Dass selbst die chronisch gesunden Japaner gegen Altersleiden nicht immun sind, beweist der doppelt so hohe Prozentsatz an Demenzerkrankungen. Verglichen mit dem OECD-Durchschnitt beschreiben nur halb so viele Japanerinnen ihren Gesundheitszustand als gut.

Obwohl sich der Mangel an Pflege-Fachkräften - wie in Deutschland - jetzt deutlich bemerkbar macht, gibt es keine ernsthaften Anstrengungen, das Problem durch Zuwanderung zu lösen. Migranten aus Asien zu finden wäre einfach möglich. Aber die Barrieren sind extrem hoch. Die kulturelle Homogenität Japans erweist sich als eine bemerkenswerte Ressource, wenn es darum geht, Probleme zu lösen – oder einfach nur zu ertragen. Die Jugend stellt sich derweil auf goldene Zeiten ein: Steigende Gehälter, sichere Jobs und sinkende Immobilienpreise. Den Rest sollen Digitalisierung und Automation erledigen. Das Experiment geht in die nächste Runde. Deutschland sieht derzeit älter aus.

Die Autorin ist Ökonomin und Philosophin.

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