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Datenschutz Risiko Profilbildung

Die europäische Datenschutzgrundverordnung ist eine Chance für Nutzer, wieder mehr Kontrolle über ihre Daten zu gewinnen. Dem Problem uferloser Profilbildung setzt sie aber keine ausreichende Grenze.

22.05.2018 17:04

Das Vertrauen in die digitale Wirtschaft ist angekratzt: 60 Prozent der Internetnutzer in Deutschland sorgen sich laut einer Umfrage des Digitalverbands Bitkom aus dem Jahr 2017, dass persönliche Daten ohne ihr Wissen genutzt und weitergegeben werden. Der Facebook-Datenskandal mit Millionen Betroffenen zeigte, dass dies keine grundlose Befürchtung ist. Das Risiko wächst mit den Datenmengen, die durch das Tracking jeglicher Bewegungen im Netz angehäuft und zu Nutzerprofilen verknüpft werden. Digitalunternehmen haben ein System geschaffen, in dem Datenflüsse kaum noch zu kontrollieren sind.

Auf dem 25. Mai liegt deshalb eine große Hoffnung: Endlich wird die europäische Datenschutzgrundverordnung verbindlich. Sie ist eine Chance für Nutzer, wieder mehr Kontrolle über ihre Daten zu gewinnen. Auch wenn sie in weiten Teilen bestehendes Recht fortschreibt, gibt es doch Neuerungen, die einen Gewinn für Nutzer und Unternehmen darstellen.

Allen voran die EU-weite Harmonisierung des Rechts und das Marktortprinzip. Alle Unternehmen, die auf dem europäischen Markt tätig sind, egal, ob sie ihren Sitz in Europa haben oder nicht, müssen sich an europäisches Recht halten. Die fragwürdige Taktik mancher Konzerne, ihren Sitz in EU-Länder mit niedrigem Datenschutzniveau zu verlegen, hat zum Glück ausgedient.

Positiv ist zudem, dass Internetnutzer mehr tatsächliche Wahlfreiheit erhalten sollen: Ein Dienst darf künftig nicht mehr an die Einwilligung in die Datenverarbeitungen gekoppelt werden, die für die Erfüllung des Vertrages nicht notwendig sind.

Dem Problem uferloser Profilbildung setzt die Datenschutzgrundverordnung keine ausreichenden Grenzen. Doch noch ist es nicht zu spät: Aktuell verhandelt die EU über die E-Privacy-Verordnung, die Vertraulichkeit und Privatsphäre in der elektronischen Kommunikation sicherstellen soll.

Die digitale Privatsphäre ist ein schützenswertes Gut, für das sich die Bundesregierung vehement einsetzen muss. Das Erfassen von Nutzerinteressen und Erstellen von Profilen muss klar reglementiert werden. Die Datenschutzgrundverordnung ist gut, aber erst mit einer starken E-Privacy-Verordnung hätten Verbraucher wirklich Grund, wieder mehr Vertrauen in die digitale Wirtschaft zu haben.

Der Autor ist Vorstand der Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV).

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