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Beruf Flexibel im Berufsleben

Optimierung und permanenter Wandel sind Schlagworte, die als unbedingte Garanten für individuellen Erfolg gelten. Doch die Selbstoptimierung hat ihre Grenzen.

04.07.2015 13:17
Viele Berufstätige fühlen sich wie in einem Hamsterrad ihrer Erwerbsbiografie. Foto: imago/bonn-sequenz

Ein Blick in wöchentliche Stellenanzeigen genügt, um zu sehen, wie sehr für viele Arbeitsplätze laufende Veränderungsbereitschaft und stetige Verbesserung beschworen werden. Optimierung und permanenter Wandel – Schlagworte, die als unbedingte Garanten für individuellen Erfolg gelten. Ganze Abteilungen werden an ihrem Beitrag für Unternehmen gemessen. Und mehr Verantwortung erhalten dabei besonders die Beschäftigten, die – in der Sprache der Managementwelt – dynamischer und flexibler arbeiten sollen.

Ohne Frage, der rasante Wandel der Technologien und neuen Medien sowie veränderte Formen der Arbeitsgestaltung erklären zu einem Gutteil immer schneller wechselnde Anforderungen. Doch bei näherem Hinsehen fällt auf, wie sehr sich viele Berufstätige wie in einem Hamsterrad ihrer Erwerbsbiografie fühlen.

Es scheint paradox: Statistisch hatten Beschäftigte nie zuvor soviel freie Lebenszeit und dennoch fühlen sich viele stärker denn je fremdbestimmt. Ungeschriebene Gesetze der ständigen Verfügbarkeit trüben den Glanz der modernen Arbeitswelt. Betrachtet man aber die Personalentwicklung in Betrieben, so scheinen immer mehr Möglichkeiten zu bestehen, die eigene Laufbahn in die Hand zu nehmen.

Mehr Wahlfreiheit fordert mehr Entscheidungen

Doch mehr Wahlfreiheit fordert auch mehr Entscheidungen. Eigene Individualität wird zunehmend äußeren Anforderungen und den Plänen für das berufliche Weiterkommen untergeordnet. Das Problem dieser ständigen Selbstoptimierung liegt nicht nur in den so wieder weniger werdenden Freiheiten. Auch überschätzen Unternehmen und Mitarbeiter ihre Fähigkeiten, sich langfristig auf zumeist völlig unbekannte Veränderungen präventiv einstellen zu können. Es ist nicht mehr als eine Fiktion, individuellen Berufserfolg als straff getakteten Masterplan zu beschreiben.

Natürlich bedeutet dies keinesfalls, ambitionierte Weiterqualifizierungen sein zu lassen. Im Gegenteil, ein souveräner Umgang mit beruflichen Anforderungen und Offenheit für Überraschungen können durchaus dabei helfen, der Vielzahl an Ansprüchen angemessen zu begegnen.

Dem heute so angesagten Fetisch, das Berufsleben vorwiegend als eine Art Fitnessprogramm zu gestalten, müsste dazu allerdings abgeschworen werden. Im Strudel des permanenten Wandels fände sich dafür eine „Kompetenz“ wieder, die in Zeiten des Hochleistungskults beinahe utopisch erscheint: Gelassenheit.

Der Autor ist Doktorand der Sozial- und Wirtschaftswissenschaften an der Universität Oldenburg. Sein Schwerpunkt ist die Organisationsforschung.

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