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Auslandsgeschäfte Diplomatie gefragt

Es ist eine Herausforderung für Global Player, sich richtig zu verhalten, wenn die Landespolitik an einzelnen Standorten fragwürdig und mit westlichen Werten nicht vereinbar ist.

Als sich jüngst Top-Manager von 16 ausländischen Unternehmen, die in der Türkei tätig sind, mit Pro-Türkei-Aussagen an einer internationalen Imagekampagne der türkischen Exportvereinigung TIM beteiligten, stieß das in den Heimatländern durchaus auf Kritik. Ausgerechnet jetzt für ein Land werben, in dessen Gefängnissen mehr Journalisten sitzen als in jedem anderen Staat? Dessen geplante Verfassungsänderung tiefe Einbußen für die Demokratie bedeutet?

Es ist eine Herausforderung für Global Player, sich richtig zu verhalten, wenn die Landespolitik an einzelnen Standorten fragwürdig, unklar oder mit unseren westlichen Werten nicht vereinbar ist. Sich allein auf wirtschaftliche Abwägungen zu beschränken, reicht in einer Welt globaler Wahrnehmung und Wertung nicht mehr aus. Hier ist Diplomatie gefragt.

Klar ist, dass Kooperationen vor Ort nicht den eigenen Ethik-richtlinien widersprechen dürfen. Doch ebenso klar ist, dass Unternehmen wirtschaftliche Interessen vor gesellschaftliche stellen. Sie wirken weder als moralischer Wächter vor Ort noch mischen sie sich in interne Angelegenheiten ihres Gastlandes ein. Der Respekt vor dem Hoheitsgebiet des anderen ist für den Diplomaten gängiges Geschäft.

Und genauso weiß er um die Konsequenzen, wenn er auf Rückzug statt auf Austausch setzt. Sämtliche Investitionen waren dann vergebens. Das mühsam erworbene Vertrauen ist mit einem Schlag zunichte gemacht. Auch ein erfolgreiches Business baut man nicht an einem Tag auf und wieder ab. Verlässlichkeit und Verbindlichkeit sind diplomatische Tugenden, die auch Unternehmen gut zu Gesicht stehen.

Ein Diplomat setzt auf Langfristigkeit, ob bei Beziehungen oder beim Verfolgen seiner Ziele. Langfristige Beziehungen kennen nicht nur den Gipfel der Glückseligkeit, sondern auch das Tal der Tränen. Sie wachsen daran, auch schwere Zeiten zu überstehen. Bei Krisen davonzurennen, zeugt von mangelnder Bereitschaft, sich Herausforderungen zu stellen. Bei Geschäftspartnern erweckt solches Verhalten kein Vertrauen ins wirtschaftliche Engagement. Zudem trifft der Rückzug häufig jene, die ohnehin schon unter dem umstrittenen Regime leiden.

Manch einer mag den Testimonials einen Annäherungsversuch zu Erdogan unterstellen, doch vor allem ordnen sie das Schicksal ihres Standorts nicht dem Meinungsdogma anderer unter. Das zeugt von Unabhängigkeit.

Die Autorin ist Keynote Speaker, Kommunikationsberaterin und -Coach.

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