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Arm und Reich Erben ist politisch

Wer etwas zu vererben hat, kann mit seinem Vermächtnis auch einen sozialen Wandel anstoßen.

04.06.2018 17:04

In Deutschland werden in den nächsten Jahren jährlich rund 400 Milliarden Euro vererbt. Für alle, die etwas von dem Geldsegen abbekommen, ist das erfreulich. Für die Gesellschaft als Ganzes weniger. Denn die Erbschaftswelle verstärkt die Kluft zwischen Arm und Reich in diesem Land. Eine Hälfte der Bevölkerung erbt gar nichts, während acht Prozent der Erben 40 Prozent des deutschen Vermögens erhalten werden.

Hinzu kommt, dass diese Riesensummen fast steuerfrei weitergereicht werden. Der Staat gewährt hohe Freibeträge und verzichtet darauf, einen Teil des Wohlstands, der ja auch dank eines stabilen Staatssystems mit guter Bildung, Infrastruktur und verlässlichem Rechtssystem erwirtschaftet werden konnte, zur Finanzierung von Gemeinwohlaufgaben heranzuziehen.

Sie finden das ungerecht? Dann können Sie auf die Parteien setzen, die sich für höhere Erbschaftssteuern einsetzen. Sie können aber zusätzlich selbst aktiv werden – vorausgesetzt, Sie haben etwas zu vererben – und ein politisches Testament machen, um mit Ihrem Vermächtnis sozialen Wandel anzustoßen. Denn damit können Sie festlegen, dass nicht nur die nächsten Angehörigen, sondern auch Organisationen, die für soziale Gerechtigkeit, Frieden oder Klimaschutz streiten, etwas von Ihrem Nachlass erhalten.

Wer ein solches politisches Testament aufsetzen möchte, sollte sich vorher überlegen, welche Werte und Themen ihm besonders am Herzen liegen. Was sind die Probleme, die unsere Gesellschaft am meisten bedrohen? Was gibt es für Organisationen, die zur Lösung beitragen und die ich unterstützen möchte? Was ist meine Vision von einer besseren Welt?

Das sind große Fragen und sicherlich fällt die Auseinandersetzung mit dem Thema Testament und Erbschaft nicht leicht. Schließlich denkt niemand gerne an das eigene Ende. Doch wer seinen Nachlass geregelt hat, verschafft sich Klarheit und bestimmt selbst darüber, was mit seinem Lebenswerk passieren soll.

Und es ist schließlich auch ein inspirierender Gedanke, dass man mit einem Teil seines Vermächtnisses dazu beitragen kann, die Welt ein wenig gerechter, demokratischer und friedlicher zu machen.

Die Autorin ist Mitarbeiterin der Bewegungsstiftung.
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