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Arbeit Vollzeit statt Vollwäsche?

Lasst uns über die Männer und ihre Chefs reden, damit Teilzeit auch für sie gesellschaftsfähig wird.

03.11.2017 17:04

Frauen, die hierzulande Teilzeit arbeiten, empfinden das meist als Höchststrafe: Sie schuften mit doppelter Kraft, um annähernd die gleiche Arbeit zu schaffen wie in Vollzeit. Belohnt werden sie mit verschwindend geringen Aufstiegschancen und karger Bezahlung. Sind sie dann zuhause, erwartet sie auch dort der Großteil der Arbeit. Frust pur!

Nach einer „Brigitte“-Studie sind lediglich 24 Prozent der Frauen in Teilzeit zufrieden mit ihrer Lebenssituation. Über 70 Prozent klagen, dass sie mit dem Löwenanteil der Hausarbeit sowie der Kinderbetreuung allein gelassen werden.

Als Beraterin, die Frauen in Führung bringen will, frage ich mich: Fühlen sich die Männer nicht zuständig für die Familienarbeit? Lieber mit einem gut bezahlten Vollzeitjob die Rente aufbessern und zu Hause die Hände in Unschuld waschen statt die Schmutzwäsche ihrer Kinder?

Aber halt, der Eindruck kann täuschen: Tatsächlich möchte heute etwa die Hälfte der Väter nur noch 30 Wochenstunden arbeiten, um mehr Zeit für ihre Familie zu haben. Doch lediglich zehn Prozent wollen oder können das auch umsetzen.

Es wird ihnen schwer gemacht, in Teilzeit zu gehen. So urzeitlich es anmutet: Gesellschaftlich ist es bei uns längst nicht akzeptiert, dass auch Väter beruflich kürzer treten. Gerade Industrieunternehmen, so hat es der „Spiegel“ recherchiert, tun sich schwer, auf Wünsche nach einer besseren Work-Life-Balance flexibel zu reagieren.

Beide sitzen fest – Männer in der Vollzeitfalle, Frauen in der Teilzeitfalle. Letzteres wollte Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles mit einem Gesetz zum Rückkehrrecht in Vollzeit beenden. Doch im April wurde der Gesetzentwurf beerdigt. Was für eine vertane Chance! Die Aussicht, ihre Wochenstunden später womöglich nicht wieder aufstocken zu können, schreckt nicht zuletzt auch Väter ab, die mit Teilzeit liebäugeln.

Lasst uns also über die Männer und ihre Chefs reden, damit Teilzeit auch für sie gesellschaftsfähig wird. Nur dann wird sich auch an den Bedingungen für die Frauen etwas ändern. Bis dahin gilt, was die Grünen-Politikerin Waltraud Schoppe schon vor 30 Jahren sagte: „Hinter jedem erfolgreichen Mann steht eine Frau, die ihn stützt. Und hinter jeder erfolgreichen Frau stehen drei Männer, die sie zurückhalten wollen.“

 

Die Autorin ist Karriereberaterin und Trainerin.

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