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Altersvorsorge Noch ohne Pepp

Die neuesten Pläne der EU-Kommission für ein europaweites privates Altersvorsorgeprodukt können nur ein erster kleiner Schritt auf einem langen Weg sein.

03.08.2017 17:19
Benoît Lallemand

Die Finanzkrise von 2007/08 hatte viele katastrophale Folgen für die Gesellschaft, doch am härtesten traf es wohl die jungen Arbeitslosen in Südeuropa sowie die Pensionäre in Griechenland, auf die im Zuge der Sparpolitik eine harte Rentenkürzung nach der anderen zukam – und noch zukommt.

Die Zahlen sind schockierend: 75 Prozent der griechischen Rentner sind bereits heute nicht in der Lage, für grundlegende Lebenskosten, Medikamente oder Nahrungsmittel aufzukommen.

Was das Schicksal der beiden Gruppen vereint: Unsere Rentensysteme und das europäische Sozialmodell stecken in einer tiefen Krise.

Wie sollen die größtenteils arbeitslosen jungen Menschen die Renten für die ältere Generation finanzieren? Und wie sollen sie erst ihre eigenen Renten finanzieren, wenn die private Altersvorsorge zunehmend wichtiger wird?

In Griechenland hat sich der Generationenvertrag oft bereits umgekehrt: Nicht die arbeitende Bevölkerung unterstützt die Rentner, sondern die pensionierten Eltern greifen ihren arbeitslosen erwachsenen Söhnen und Töchtern finanziell unter die Arme, wo sie nur können.

Doch nicht nur den Griechen, sondern Millionen anderen Europäern droht aufgrund massiver wirtschaftlicher und sozialer Umwälzungen die Altersarmut. Niedrige Geburtenraten, eine höhere Lebenserwartung, eine alternde Bevölkerung, die Automatisierung der Arbeit, die immer weiter auseinanderklaffende Wohlstands- und Gehaltsschere und eine unkonventionelle Geldpolitik – all diese Faktoren schwächen unser heutiges gesetzliches Rentensystem wie auch die kapitalgedeckte private Altersvorsorge massiv.

Die neuesten Pläne der EU-Kommission für ein europaweites privates Altersvorsorgeprodukt, dem „Pan-European Pension Product“, kurz „PEPP“, können daher nur ein erster kleiner Schritt auf dem langen Weg sein, bis die Rentenlücke geschlossen und das europäische Sozialmodell gerettet ist – wenn überhaupt.

Denn einzig auf die private Altersvorsorge zu setzen, wird nicht ausreichen, um den enormen Herausforderungen zu begegnen, vor denen die Rentensysteme in ganz Europa stehen.

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