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ALTERSARMUT Alle in die Pflicht nehmen

Es ist alarmierend, wenn 80 Prozent der Bürger sich Sorgen um ihre Absicherung im Alter machen. Das Vertrauen der Menschen in die gesetzliche Rente muss wieder gestärkt werden.

12.06.2018 17:19
Verena Bentele

Deutschland geht es wirtschaftlich gut, aber man darf darüber nicht vergessen, dass viele Menschen hierzulande arm sind – obwohl sie arbeiten oder gearbeitet haben. Altersarmut ist eines der großen Probleme unserer Gesellschaft und wird es auch in Zukunft sein, wenn Politik und Wirtschaft nicht endlich handeln.

Ein wichtiges Mittel im Kampf gegen Altersarmut ist eine Rente, die alten Menschen ein ausreichendes Auskommen sichert. Dass das nicht immer der Fall ist, beschäftigt nun auch die große Koalition. Diese hat eine Rentenkommission eingerichtet und sich zum Ziel gesetzt, die gesetzliche Rentenversicherung zu sichern und fortzuentwickeln. Nun gilt es kritisch die Arbeit der Rentenkommission zu begleiten.

Wie muss nun das Rentensystem reformiert werden? Zunächst gilt es, das Vertrauen der Bevölkerung in die gesetzliche Rentenversicherung zu stärken. Dies ist ein hohes Gut. Es ist alarmierend, wenn 80 Prozent der Bürger sich Sorgen um ihre Absicherung im Alter machen. Deshalb ist eine Anhebung des Rentenniveaus auf 50 Prozent wichtig, damit nicht immer mehr Menschen auch nach jahrzehntelanger Arbeit in Altersarmut abrutschen und zum Sozialamt gehen müssen. Und falls sie im Alter dennoch auf Grundsicherung angewiesen sind, darf wenigstens ihre gesetzliche Rente nicht vollständig auf diese angerechnet werden.

Außerdem sollte die Rentenversicherung sich langfristig zu einer Erwerbstätigenversicherung fortentwickeln, bei der die Versicherungspflicht alle Selbstständigen, Vorstandsmitglieder von Aktiengesellschaften, Beamten und Politiker einschließt. Die positive Folge: Die Finanzierung der gesetzlichen Rente würde auf eine breitere Basis gestellt und langfristig eine gerechtere Alterssicherung für alle Generationen erreicht. Klar ist, dass eine solche Systemumstellung nicht von heute auf morgen funktioniert. Deshalb braucht es dafür eine lange Übergangszeit. Auch muss der verfassungsrechtliche Grundsatz des Vertrauensschutzes berücksichtigt werden. Die Bürger dürfen nicht rückwirkend benachteiligt werden. Eine solche Erwerbstätigenversicherung würde nur für die „neuen“ Erwerbstätigen gelten, die aktuell noch keinem Sicherungssystem angehören. Langfristig leistet ein solches Solidarsystem einen wichtigen Beitrag zu mehr sozialer Gerechtigkeit im Land und führt dazu, dass die Menschen eine auskömmliche Rente erhalten.

Die Autorin ist Präsidentin des Sozialverbandes VDK.

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