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Fusion auf dem Mobilfunk-Markt O2 darf E-Plus übernehmen

Der Mobilfunk in Deutschland wird umgekrempelt. Telefónica/O2 darf den Rivalen E-Plus übernehmen. Die EU-Kommission hat die Fusion unter Auflagen genehmigt. Experten befürchten, dass der Wettbewerb hierzulande nun an Intensität verliert. Steigende Preise könnten die Folge sein. 

8,7 Milliarden Euro lässt sich Telefónica/O2 die Übernahme des kleineren Konkurrenten E-Plus kosten. Foto: dpa

Mit knapp 45 Millionen Kunden liegt der neue Marktführer nun deutlich vor der bisherigen Nummer eins, der Deutschen Telekom, und vor Vodafone. Der Deal hat ein Volumen von  rund 8,7 Milliarden Euro. Er gilt als wegweisend für die gesamte Telekommunikationsbranche in Europa. Die Kartellwächter in Brüssel haben die Transaktion fast neun Monate lang geprüft.

Der drittgrößte schließt sich mit dem viertgrößten Anbieter zusammen. Nur noch drei Betreiber von Mobilfunknetzen bleiben übrig.  In den vergangenen Monaten hatten das Bundeskartellamt und auch die Wettbewerbsbehörden anderer EU-Staaten vor der Fusion gewarnt. Die Experten erwarten, dass die Verringerung der Anbieter dazu führt, dass die Zeit der immer neuen Billigangebote bald vorbei sein könnte. Dabei wird immer wieder auf das  Beispiel Österreich verwiesen, wo im vorigen Jahr die Zahl der Netzbetreiber ebenfalls von vier auf drei schrumpfte. Die dortige Aufsichtsbehörde  stellte Ende 2013 deutliche Preiserhöhungen fest.       

In Deutschland  spielte E-Plus vor allem mit den Marken Base und Simyo bislang die Rolle des Preisbrechers. Die Tochter der niederländischen KPN  konnte mit attraktiven Angeboten in den vergangenen Jahren neue Kunden in großem Stil gewinnen, obwohl sie mit dem schwächsten Netz operiert. Zugleich wurden Telekom, Vodafone und die Telefónica-Marke O2 zu Preissenkungen gezwungen. Ilja Braun vom Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV) befürchtet nun, dass Marken von E-Plus verschwinden könnten. Auch die Schließung von Shops sei denkbar. Denn es mache keinen Sinn mehr, einen O2-Laden neben einem von E-Plus-Laden zu haben. 

EU macht eine Reihe von Auflagen

Die EU-Kommission hofft indes,  durch eine Reihe von Auflagen den Konkurrenzkampf erhalten. „Verbraucher werden weiterhin in den Genuss der Vorteile eines wettbewerbsorientierten Marktes kommen“, sagte EU-Kommissar Joaquin Almunia. Unter anderen muss die deutsche Tochter der spanischen Telefónica  Kapazitäten abgeben.

Diese Bedingung ist bereits erfüllt, da das Unternehmen schon vorige Woche mit dem Dienstleister Drillisch einen Vertrag abgeschlossen hat. Die Vereinbarung sieht vor, dass Drillisch zunächst einmal 20 Prozent der Funkkapazitäten von Telefónica langfristig zu einem günstigen Großhandelspreis zur Verfügung gestellt bekommt. Drillisch hat die Möglichkeit weitere zehn Prozent hinzuzukaufen.

Damit soll ein neuer starker Anbieter aufgebaut werden. Allerdings verfügt Drillisch über keinerlei eigene Netze und über eine erheblich geringere Finanzkraft als die großen Drei. Das könnte es nach Einschätzung von Experten schwer machen, mit  Telekom und Co mitzuhalten. Telefónica hat sich unter anderem auch bereit erklärt, die Lizenzen zur Nutzung bestimmter Funkfrequenzen und Sendestationen an einen neuen Anbieter abzutreten.

Bislang ist aber kein Unternehmen in Sicht, das  in den deutschen Markt einsteigen will. Enorme Summen wären für einen Newcomer nötig, um in der hart umkämpften Branche Fuß zu fassen. Der Telekommunikationswissenschaftler Torsten Gerpott sagte dieser Zeitung: „Die Auflagen sind lediglich ein Feigenblatt. Sie sollen den Bürgern die Angst vor der Fusion nehmen.“ Der EU gehe es darum, eine Industriepolitik zugunsten der großen Konzerne durchzusetzen. 

Telekom begrüßt den Zusammenschluss

Die Deutsche Telekom begrüßte denn auch den Zusammenschluss. Auf dem zersplitterten Markt in Europa sei eine weitere Bereinigung nötig, sagte Deutschland-Chef Niek Jan van Damme. Unternehmen müssten ihre Größe nutzen können, um den teuren Bau von schnellen Netzen voranzutreiben. Almunia betonte, dass „weitere Schritte zur Konsolidierung“  der Branche nötig seien.  Van Damme übte indes Kritik an den Auflagen der EU: Die Stärkung von Anbietern ohne eigene Netze sei ein falsches Signal. Aus seiner Sicht muss der Fokus einer Industriepolitik in der Telekommunikationsbranche  auf der Infrastruktur liegen.

Hauptgründe  für den Deal sind laut Telefónica laut Einsparungen vor allem beim Ausbau der Netze. Die Infrastruktur muss in den nächsten Jahren von den Netzbetreibern massiv erweitert werden. Es geht vor allem darum, schnelle Internetverbindungen für Smartphones und Tabletrechner zu ermöglichen.  „Das neue Unternehmen werde erhebliche Effizienzvorteile erzielen“, sagt Rachel Empey, Finanzchefin von Telefónica Deutschland.Sie hofft, die Kosten alles in allem um bis zu 5,5 Milliarden Euro zu drücken. Es müssen nicht mehr  zwei, sondern nur noch ein Netz betrieben werden. Das macht auch die Wartung der Infrastruktur erheblich billiger. Chef des neuen Unternehmens soll Thorsten Dirks werden,

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