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Freitod von Ehepaar Brauchitsch Heftige Kritik an Sterbehilfeorganisationen

Der ehemalige Industrieberater Eberhard von Brauchitsch (Bild) und seine Frau Helga haben den Freitod gewählt. Das bestätigte deren Tochter Bettina von Brauchitsch dem Magazin Focus.

12.09.2010 20:55
ddp

„Mit fortschreitender Verschlechterung ihres gesundheitlichen Zustandes haben meine Eltern diesen Schritt in Erwägung gezogen und dann zum für sie geeigneten Zeitpunkt diesen Schritt getan. Aufgrund ihrer schweren Krankheit wären sie zu dem von ihnen gefassten Entschluss später nicht mehr in der Lage gewesen“, sagte Brauchitsch nach Angaben des Magazins.

Das Ehepaar ist laut Focus am vergangenen Dienstag im Alter von 83 Jahren in Zürich gestorben. Eberhard von Brauchitsch, der frühere Vertraute des Großindustriellen Friedrich Karl Flick, war die Schlüsselfigur in der Flick-Spendenaffäre und wurde infolge der Affäre wegen Steuerhinterziehung verurteilt. Er galt in den 70er und 80er Jahren als einer der einflussreichsten Manager Deutschlands. Brauchitsch beriet Unternehmen wie Krupp oder Henkel, war Generalbevollmächtigter des Axel-Springer-Verlages und geschäftsführender Gesellschafter des Düsseldorfer Flick-Konzerns. In den 80er Jahren wurden verdeckte Spenden des Flick-Konzerns an Politiker und Parteien bekannt. Der Konzern erhoffte sich im Gegenzug für die Geldzuwendungen von der Bundesregierung eine Steuerbefreiung in Millionenhöhe im Zusammenhang mit einem milliardenschweren Aktiengeschäft. Brauchitsch war bei Flick für die Lobby-Arbeit zuständig, die Geldgeschenke an die Politik nannte er „Landschaftspflege“. Infolge der Affäre wurden auch die vormaligen Bundeswirtschaftsminister Hans Friderichs und Otto Graf Lambsdorff (beide FDP) wegen Steuerhinterziehung verurteilt.

Die Deutsche Hospiz Stiftung kritisierte im Zusammenhang mit dem Suizid der Eheleute von Brauchitsch die Praxis der Schweizer Sterbehilfeorganisationen. Verbandsvorstand Eugen Brysch rügte: „Der Wettbewerb Schweizer Suizidorganisationen um Auflagenstärke und Einschaltquoten ist unerträglich.“ So versuchten die Tötungshelfer, durch Prominente eine Öffentlichkeit herzustellen. Brysch betonte, eine solche Tötungsbegleitung sei keine Fortführung der menschenwürdigen Sterbebegleitung. Erforderte Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger auf, derlei Praktiken strafrechtlich zu ahnden. Das Ehepaar Brauchitsch soll beim Suizid die Hilfe der Schweizer Sterbehilfeorganisation Exit in Anspruch genommen haben. ( dapd)

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