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Wifor-Chef Ostwald zum FRAX „Intuitiv verständlich und differenziert“

Wifor-Chef Dennis A. Ostwald erläutert FRAX - den neuen Arbeitsmarktindex, den die Frankfurter Rundschau und das Wifor gemeinsam entwickelt haben.

24.04.2015 19:22
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FRAX. Der Arbeitsmarktindex setzt neue Maßstäbe. Foto: FR

Herr Ostwald, über den deutschen Arbeitsmarkt wird gerade eine Jubelmeldung nach der anderen verbreitet. Wie beurteilen Sie die Diskussion, die wir in Deutschland über arbeitsmarktpolitische Themen führen?
Es ist richtig – der Arbeitsmarkt eilt von Rekord zu Rekord, zumindest was die Anzahl der Beschäftigungsverhältnisse und die Arbeitslosenzahlen anbelangt. Die aktuelle Situation ist für den deutschen Wirtschaftsstandort überaus begrüßenswert. Allerdings täuschen diese Ergebnisse darüber hinweg, dass hinsichtlich vieler Aspekte weiterhin Dunkelheit auf dem Arbeitsmarkt herrscht.

Warum empfinden Sie die Arbeitsmarktberichterstattung als undifferenziert?
Die positiven Nachrichten überschlagen sich, wenn die Zahl der Arbeitslosen unter drei Millionen sinkt. Alles was darüber liegt, wird oftmals per se als schlecht angesehen. Rekordbeschäftigung empfindet jeder als gute Nachricht. Kaum jemand fragt nach der Qualität der Beschäftigungsverhältnisse, wie zum Beispiel die Anzahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten, die Durchschnittslöhne oder die Arbeitsbedingungen.

Der Arbeitsmarktindex Frax versucht nun einen anderen Blick. Was sind seine Stärken?
Der Index ist intuitiv verständlich und zugleich differenziert. Er umfasst neben einer Vielzahl gängiger Arbeitsmarktkennzahlen weitere Kategorien, wie etwa die Arbeitsbedingungen und die Einkommensverteilung.

Was waren die größten Herausforderungen bei der Entwicklung des Index?
Forschung ist natürlich immer mit besonderen Herausforderungen verbunden. Neben der wissenschaftlichen Herleitung von relevanten Indikatoren sowie deren Kategorisierung, war die Auswahl und Aufbereitung der Daten mit großem Aufwand verbunden. Auch deren Zusammenstellung mit ausschließlich öffentlich verfügbaren Daten ist etwas Besonderes. Letztlich haben wir zur Gewichtung der einzelnen Indikatoren eine repräsentative Umfrage durchgeführt, bei der uns über 1500 Bundesbürger Auskunft gegeben haben, was ihnen am Arbeitsmarkt wichtig ist. Damit bilden wir die Perspektive der Arbeitnehmer im Frax ab, was mit Sicherheit eine weitere Besonderheit ist.

Das klingt nach einem perfekten Index?
Perfektionismus und Wissenschaft lassen sich selten vereinbaren. Dies gilt auch für den Frax. Er kann nur den aktuellen Stand der wissenschaftlichen Diskussion abbilden. Unser Ziel war es nie einen „perfekten“ Index zu konzipieren. Selbstverständlich muss der Frax fortlaufend weiterentwickelt werden und da der Disput der Vater des wissenschaftlichen Fortschritts ist, freuen wir uns über Anregungen und konstruktive Kritik.

Welche Frax-Ergebnisse haben Sie am meisten überrascht?
Zum einen ist das hohe Niveau des Frax vor der Wirtschaftskrise bemerkenswert. Zum anderen zeigt sich in der Krise ein relativ geringer „Einbruch“ – mit minus 0,6 Punkten – im Vergleich zum Startjahr 2007. Es wird aber auch deutlich, dass die Krise auf dem Arbeitsmarkt länger spürbar war als in der Entwicklung der Wirtschaft. So lässt sich erst ab dem 1. Quartal 2012 ein deutlicher Anstieg des Frax feststellen. Die Stärken des Frax liegen aber nicht nur in der Analyse des Hauptindex ...

... sondern auch in der Analyse der einzelnen Kategorien?
Ja, die einzelnen Kategorien und Indikatoren haben sich im Zeitverlauf deutlich unterschiedlich entwickelt. Hinsichtlich der Zugangschancen zum Arbeitsmarkt zeigt sich beispielsweise, dass in Summe die Arbeitslosigkeit zwar deutlich gesunken ist. Dennoch gibt es heute mehr Arbeitslose im Alterssegment der über 54-Jährigen als im Jahr 2007. Und mit Blick auf die Kategorie Einkommensverteilung zeigt sich, dass wir erst jetzt wieder das Vorkrisenniveau erreicht haben. Allerdings hat die Lohnspreizung über die Jahre zugenommen.

Geht es beim Frax eigentlich darum, die Erfolge bei den Arbeitslosen- und Beschäftigtenzahlen schlechtzureden?
Keineswegs. Aber wir sollten die sehr gute Beschäftigungssituation nutzen, um neben der Quantität auch die Qualität der Beschäftigungsverhältnisse zu verbessern. Mit dem Frax liefern wir einen Beitrag, damit die Arbeitsmarktpolitik die Weichen für die Zukunft richtig stellen kann. (FR)

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