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Rente in Deutschland „Es geht nicht ohne die Älteren“

Die Grünen-Politikerin Brigitte Pothmer kritisiert Arbeitsministerin Andrea Nahles. Die Rente mit 63 sende ein falsches Signal an ältere Arbeitnehmer. Dabei brauche der Arbeitsmarkt auch die Erfahrung der älteren Arbeitnehmer um dem Fachkräftemangel zu trotzen.

25.10.2015 14:47
Hoffnungslose Fälle? Ältere Arbeitslose werden in den Jobcentern kaum durch Weiterbildungsangebote unterstützt, kritisieren die Grünen. Foto: Imago

Frau Pothmer, trotz Beschäftigungsbooms haben wir heute mehr ältere Arbeitslose als noch 2007. Wie erklärt sich das?
Das lässt sich vor allem damit erklären, dass Arbeitsministerin Nahles ältere Arbeitslose als hoffnungslose Fälle abschreibt. Sie werden in Arbeitsagenturen und Jobcentern kaum durch Qualifizierungs- oder Weiterbildungsmaßnahmen unterstützt. Dabei sind gerade die Älteren auf diese Unterstützung angewiesen. Denn ihre Chancen, aus der Arbeitslosigkeit heraus wieder einen Job zu finden, sind nach wie vor um ein Vielfaches geringer als die der Jüngeren. Viele Arbeitgeber lassen sie bei der Stellenbesetzung immer noch links liegen.

Welche Fehler wurden in der Arbeitsmarktpolitik gemacht?
Die Politik hat jahrelang eine Frühverrentungsstrategie verfolgt. Anstatt dafür zu sorgen, dass Ältere länger am Arbeitsleben teilhaben können, wurden sie möglichst früh in den Ruhestand aussortiert. Nahles wiederholt diesen Fehler jetzt mit der Rente mit 63. Damit sendet sie ein verheerendes Signal. Nämlich: Wir brauchen euch nicht mehr auf dem Arbeitsmarkt. Aber das ist falsch. Die Betriebe verlieren jetzt auf einen Schlag einen Großteil ihrer Fachkräfte und damit Kompetenz. Sie wissen nicht, wie sie die Lücke stopfen sollen, die die Rente mit 63 in ihrer Belegschaft hinterlässt.

Wenn sich nichts ändert, was bedeutet das mit Hinblick darauf, dass wir künftig mehr ältere Menschen haben werden?
Wir haben nicht nur mehr ältere Menschen, sondern auch weniger junge. Wenn der wachsende Fachkräftemangel gedeckt werden soll, dann geht es nicht ohne die Erfahrung und Fähigkeiten die Älteren.

Was muss sich ändern?
Wir brauchen einen radikalen Kurswechsel. Ältere Arbeitslose dürfen nicht länger aufs Abstellgleis geschoben werden. Das fängt schon bei der Statistik an. Ein eigener Paragraph verhindert bisher, dass Langzeitarbeitslose über 58 in der offiziellen Arbeitslosenstatistik auftauchen. Mit dem Verschwinden aus der Statistik schwindet meist auch das Engagement für diese Gruppe in den Jobcentern. Wir müssen aber in sie investieren. Dafür muss die Arbeitsministerin ihre Prioritäten überdenken. Das Geld, das in die Rente mit 63 fließt, wäre bei Weiterbildungsmaßnahmen für Ältere viel besser aufgehoben.

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