Lade Inhalte...

Personal-Suche „Standard-Anzeigen bringen nichts“

Unternehmer Jochen Kalz über die Suche nach Fachkräften und die Konkurrenzkämpfe um geeignete Bewerber und Bewerberinnen.

30.07.2018 21:52
Feueralarm
In der Elektrotechnik ist es vor allem für kleine und mittelständische Unternehmen schwierig Fachkräfte für sich zu gewinnen, berichtet Jochen Kalz. Foto: imago

Herr Kalz, im Februar haben Sie mit einer Stellenanzeige „unkreative, unmotivierte Taugenichtse“ gesucht, die mit „viel Engagement für eine minimale Entlohnung schuften. Wenn ihr euch mit nichts auskennt, außer mit Elektrik oder Mechanik, dann seid ihr bei uns richtig.“ Waren Sie erfolgreich?
Das kann man durchaus so sagen, ja. Wir haben für zwei offene Stellen rund 25 ernsthafte Bewerbungen bekommen. Am Ende haben sich vier Kandidaten herauskristallisiert, zwei davon haben wir genommen. Einer der beiden hat leider schon wieder aufgegeben. Im Nachhinein waren wohl unsere Ansprüche zu hoch. 

Und wie läuft es mit dem zweiten Mitarbeiter?
Der arbeitet seit Mai bei uns, ein anerkannter Kriegsflüchtling aus Syrien. Er ist 23 Jahre alt und hatte in Syrien eine Ausbildung im IT-Bereich angefangen. Wir wollten ihn sehr gerne einstellen. Also haben wir extra für ihn bei uns im Betrieb einen Ausbildungsplatz geschaffen. Damit wir ihn ordentlich ausbilden können, habe ich einen pensionierten Elektromeister eingestellt. Der arbeitet in Altersteilzeit bei uns und arbeitet sogar auch aktiv auf der Baustelle mit. Wenn man die guten Leute haben will, muss man da eben auch die entsprechenden Möglichkeiten schaffen. 

Wie sind Sie auf die Idee zu der Stellenanzeige gekommen?
Das hat sich aus einem hitzigen Gespräch mit meiner Partnerin entwickelt. Wir wollten einfach mal einen anderen Weg gehen und irgendwie auf uns als Arbeitgeber aufmerksam machen. In den letzten Jahren haben wir immer Standardanzeigen geschaltet, in sämtlichen Print-Produkten von der Tageszeitung bis zum Anzeigenblättchen. Wir haben die Jobangebote auf unserer Internetseite veröffentlicht und bei Facebook. Ohne Erfolg.

In der Stellenanzeige haben Sie sich selbst auch als „inkompetenten“ und „planlosen“ Chef eines „Möchte-Gern-Unternehmens“ bezeichnet. Hatten Sie keine Bedenken, dass das beispielsweise Kunden falsch aufnehmen könnten?
Bedenken hatten wir schon, wir haben zwei Wochen hin und her überlegt und die Formulierungen entschärft. Letztendlich waren die meisten Reaktionen aber sehr positiv. Glücklicherweise, denn das war ein Tanz auf Messers Schneide. Aber wir wussten irgendwann auch nicht mehr weiter, weil wir auf unsere Jobangebote keine brauchbaren Bewerbungen bekommen haben. Diese Standard-Anzeigen bringen nichts.

So geht es auch vielen anderen kleinen und mittleren Betrieben. Geeignete Bewerber zu finden ist offenbar schwer. Woran liegt das Ihrer Einschätzung nach?
In unserer Gegend hier sind wir umzingelt von BMW-Werken, außerdem gibt es mit Wacker Chemie ein weiteres großes Unternehmen in der Nähe. Der Flughafen München ist auch im Einzugsgebiet. Sobald große Arbeitgeber in der Nähe sind, haben kleinere Betriebe wenig Chancen. Die Großen saugen die guten Fachkräfte vom Markt. 

Warum? Gerade kleinere Unternehmen könnten die Bewerber doch mit etwas locken, das die großen Unternehmen nicht bieten können. Eine familiäre Arbeitsatmosphäre zum Beispiel.
Das ist leider nicht so einfach. Das Problem ist, dass eigentlich alles übers Gehalt läuft. Damit bekommen Sie die Leute. Die großen Unternehmen können da natürlich viel zahlen und richtig punkten. Kleine Betriebe, wie wir einer sind, müssen versuchen, irgendwie den Spagat hinzubekommen und dem Bewerber einerseits genug Gehalt zu bieten, andererseits den eigenen Betrieb aber nicht zu sehr zu belasten. Finanziell wirklich mithalten können wir mit den Großen aber nicht. Wir können auch keinen Fitnessraum oder ähnliches anbieten. Wir brauchen Leute mit Enthusiasmus, die gerne und ganz bewusst zu den kleineren Betrieben gehen. Die müssen wir auf uns aufmerksam machen.

Wie wollen Sie in Zukunft nach Fachkräften suchen? Nur noch mit ungewöhnlichen Stellenanzeigen?
Im Moment suchen wir niemanden. Aber wenn es wieder so weit ist, dann greifen wir wieder auf die etwas andere Art der Stellenausschreibung zurück. Der Text liegt schon fertig formuliert in meiner Schublade.

Interview: Ruth Herberg

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen