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FRAX Qualität der Jobs verbessert sich

Des FR-Index FRAX bewertet den Arbeitsmarkt nach fünf Kategorien. Er zeigt eine positive Entwicklung auf breiter Front.

31.01.2016 18:52
Spätestens 2017 werden mehr Zuwanderer – wie dieser zum Schweißer ausgebildete Somalier – auf den Arbeitsmarkt kommen. Foto: picture alliance / dpa

Andrea Nahles ist zufrieden. Aus Sicht der Bundesarbeitsministerin ist das heiß diskutierte „Experiment“ gesetzlicher Mindestlohn geglückt. „Er schafft Dynamik von geringfügiger Beschäftigung hin zu sozialversicherungspflichtiger Arbeit – und das besonders häufig in Niedriglohnbranchen“, erklärte Nahles Anfang Januar. Sprich: Nicht nur die Quantität der Beschäftigung steigt, auch die Qualität verbessert sich.

Diesen Trend bestätigt nun auch der FR-Arbeitsmarktindex (FRAX), der eine umfassende Bewertung der Arbeitsmarktlage in Deutschland ermöglicht. Die Zunahme der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung im Verhältnis zu den geringfügig bezahlten Jobs war demnach die markanteste positive Entwicklung im dritten Quartal des vergangenen Jahres. Sie trug mit einem Plus von einem Punkt auf Jahresfrist stärker zum Anstieg des FRAX bei als die Beschäftigungszunahme (+0,3 Punkte) oder der Rückgang der Arbeitslosigkeit (+0,7). Nun stellt sich das Verhältnis von sozialversicherungspflichtiger zu geringfügiger Beschäftigung so gut dar wie noch nie seit dem Basisjahr für die FRAX-Berechnung 2007.

Zugleich zeigt sich, dass die ehemaligen Minijobber vielfach nicht einfach arbeitslos geworden sind, sondern in eine reguläre Beschäftigung wechseln konnten. Und noch ein unerwartet positiver Effekt des Mindestlohns: Gerade in den Branchen und Regionen, in denen der Mindestlohn die Löhne besonders stark angehoben hat, nahm die Beschäftigung deutlich zu. Das hebt das Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Institut (WSI) der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung hervor. Das ostdeutsche Gastgewerbe verzeichnete zum Beispiel im dritten Quartal ein Plus der Bruttostundenverdienste von 8,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum, während die Beschäftigung im Oktober 6,7 Prozent höher lag. Das war mehr als im Westen, wo der Mindestlohn deutlich geringere Auswirkungen auf die Löhne hatte.

In Stunden gemessen gibt es mehr Arbeit

Gestützt wird diese Entwicklung durch das steigende Arbeitsvolumen. Es gibt also nicht nur mehr Arbeitsverhältnisse, es gibt in Stunden gemessen tatsächlich auch mehr Arbeit. Der Indikator steigt zwar nur sehr langsam, im dritten Quartal um 0,1 Punkte im Vergleich sowohl zum Vorquartal als auch zum Vorjahresquartal. Aber er steigt. Das war viele Jahre lang nicht der Fall gewesen. 2014 hatte das Arbeitsvolumen nach Angaben des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung in Nürnberg nur 0,6 Prozent über dem Niveau von 1995 gelegen. Das heißt, der Beschäftigungsaufbau funktionierte lange Zeit über die Umwandlung von Vollzeitarbeit in Teilzeitarbeit.

All diese Entwicklungen tragen dazu bei, dass insbesondere die Beschäftigungssituation den FR-Arbeitsmarktindex nach oben treibt. Seit 2007 hat die Kategorie von 100 auf 112,6 Punkte zugelegt. In den anderen Kategorien fällt das Plus deutlich geringer aus. Dennoch liegen zum ersten Mal in einem dritten Quartal alle Kategorien im Vergleich zu 2007 im positiven Bereich. Die Ausbildungssituation, die Arbeitsbedingungen und die Chancen von benachteiligten Gruppen wie Älteren und Langzeitarbeitslosen, einen Job zu finden, haben sich also verbessert. Erstmals haben zudem auch die Einkommen im dritten Quartal den Sprung über den Ausgangswert von 2007 geschafft, wenn auch mit 100,1 Punkten nur hauchdünn. Die Entwicklung der Zugangschancen benachteiligter Gruppen auf lediglich 101 Punkte lässt angesichts des Beschäftigungsbooms zudem zu wünschen übrig.

Langfristig betrachtet besteht also noch Verbesserungspotenzial. Der Trend jedoch stimmt: Der FRAX ist auf Rekordkurs.

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