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FR-Arbeitsmarktindex Geldbeutel werden dicker

Höhere Einkommen und mehr Jobs – der FR-Arbeitsmarktindex steigt. Im Vergleich zum Frühsommer 2014 hat sich die Einkommenssituation auf breiter Front verbessert.

25.10.2015 14:35
Luftiger Arbeitsplatz: Dachdecker im Einsatz. Foto: Michael Schick

Mindestlohn, hohe Tarifabschlüsse und ein glückliches Händchen bei Lohnverhandlungen spülen den Beschäftigten mehr Geld aufs Konto und machen das Arbeiten attraktiver. Wirtschaftsminister und SPD-Chef Sigmar Gabriel liegt richtig, wenn er sich wie vergangene Woche auf dem Gewerkschaftstag der IG Metall in Frankfurt darüber freut, dass die Zeiten der Lohnzurückhaltung überwunden seien. Mit einem kräftigen Plus von 2,5 auf 101,5 Punkte war die verbesserte Einkommenssituation einer der starken Gründe für die weitere Aufwärtsentwicklung des Arbeitsmarktindex FRAX im Frühsommer.

Damit stellt sich die Einkommenssituation nun wieder besser dar, nachdem sie trotz wirtschaftlichen Aufschwungs lange unter dem Niveau des Jahres 2008 lag. Seit dem Tiefpunkt Mitte des Jahres 2010 zeigt der Trend nun nach oben. Dass die Einkommenssituation eine für die Arbeitnehmer deutlich günstigere Entwicklung eingeschlagen hat, zeigt auch die Tatsache, dass die Kategorie diesmal im Frühsommer einen neuen Bestwert erreicht hat. Üblicherweise ist das Jahresende besonders stark, wenn die Unternehmen das Weihnachtsgeld auszahlen. „Wir erwarten deshalb, dass sich die Einkommenssituation zum Jahresende noch einmal deutlich verbessern wird“, sagt die Arbeitsmarktexpertin des Wirtschaftsforschungsinstituts Wifor, Sandra Hofmann.

Im Vergleich zum Frühsommer 2014 hat sich die Einkommenssituation auf breiter Front verbessert: Die Reallöhne und der Anteil der Arbeitnehmer am Volkseinkommen sind gestiegen; der Abstand zwischen unteren und oberen Einkommensgruppen wurde etwas kleiner; und die Zahl der Aufstocker, also der Menschen, die von ihrem Einkommen nicht leben können, ist um über fünf Prozent auf 1,24 Millionen gesunken (liegt damit allerdings immer noch höher als im Jahr 2007).

Die Arbeitnehmer mit kleinen Einkommen hatten in den vergangenen Jahren zunehmend den Anschluss an die allgemeine Lohnentwicklung verloren. Laut dem Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung verzeichnete das oberste Zehntel der Beschäftigten von 1999 bis 2009 einen Reallohnzuwachs von 16,6 Prozent, während die Löhne des untersten Zehntels um 9,6 Prozent geschrumpft sind. Nun zeigen Zahlen des Statistischen Bundesamtes, dass geringfügig Beschäftigte und ungelernte Arbeitnehmer im zweiten Quartal sogar stärkere Lohnzuwächse hatten als andere Beschäftigtengruppen.

Der zum Jahresanfang eingeführte gesetzliche Mindestlohn scheint sowohl ein Treiber dafür zu sein, dass die untersten Einkommensgruppen mit den Einkommen insgesamt mithalten, als auch dafür, dass wieder mehr Menschen von ihrer Arbeit leben können.

Die Unternehmen scheinen den Mindestlohn einigermaßen verdaut zu haben, anders als von manchen Ökonomen vorhergesagt. Im Frühsommer dieses Jahres gab es mehr Erwerbstätige, weniger Arbeitslose und es wurde in Arbeitsstunden gemessen mehr gearbeitet als vor einem Jahr. Allerdings verbesserten sich die Erwerbstätigkeit und das Arbeitsvolumen nur leicht.

Die Arbeitslosigkeit ging jedoch deutlich zurück und der Anteil der hochwertigen sozialversiche-rungspflichtigen Arbeitsverhältnisse stieg zulasten geringfügiger Tätigkeiten. In Summe stellt das trotz – oder gerade wegen – des Mindestlohns eine klare Verbesserung der Beschäftigungsentwicklung dar. Die Kategorie legte denn auch im Jahresvergleich um 2,3 auf 111,4 Punkte zu. Damit hat sie sich im Vergleich zum Basisjahr 2007 so stark verbessert wie keine andere Kategorie im FR-Arbeitsmarktindex.

Mehr Beschäftigung, bessere Löhne erlauben den privaten Haushalt mehr zu konsumieren und zu investieren. Damit wird die wirtschaftliche Entwicklung des Landes unabhängiger vom Export. „Es ist äußerst positiv, dass das heimische Wachstum maßgeblich durch das Binnenwachstum getragen wird“, sagt der Chefökonom der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi, Dierk Hirschel. In den kommenden Tarifverhandlungen müsse nun erreicht werden, dass sich die positive Lohnentwicklung fortsetze. „Vor dem Hintergrund der weltwirtschaftlichen Unsicherheiten müssen wir dafür sorgen, dass wir die Binnenkonjunktur am Laufen halten.“

Besonders gute Lohnzuwächse hatten neben den geringfügig und den ungelernten Beschäftigten im zweiten Quartal Arbeitnehmer, die nach Tarifvertrag bezahlt werden. Sie verzeichneten von April bis Juni ein Plus von durchschnittlich 2,7 Prozent. Der Reallohnindex des Statistischen Bundesamtes legte so stark zu wie noch nie seit seiner Einführung im Jahr 2008. Besonders stark profitiert haben Menschen, für die der Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst gilt.

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