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FR-Arbeitsmarktindex Die Einkommensungleichheit steigt weiter

Löhne der Gutverdiener steigen schneller als die der Menschen mit niedrigen Verdiensten.

31.07.2017 11:41
Umverteilung
Wer wenig hat, bekommt weniger - wer mehr hat, bekommt mehr: Umverteilung funktioniert in Deutschland nicht besonders gut. Foto: dpa

Die Löhne in Deutschland steigen. Doch sie steigen ungleich. „Der Lohnzuwachs für Gutverdiener war zum Jahresauftakt höher als der für Geringverdiener“, sagt der Chef des Wirtschaftsforschungsinstituts Wifor, Dennis A. Ostwald. „Das bedeutet, dass die Einkommensungleichheit im Vergleich zum Vorjahresquartal gestiegen ist und sich die Einkommensschere weiter geöffnet hat.“

Was Ostwald beschreibt, ist ein langfristiger Trend. Die Lücke zwischen den niedrigsten und den höchsten Einkommen ist heute größer als vor zehn Jahren. Im Durchschnitt hatte die unterste Lohngruppe im Jahr 2007 in jeder Arbeitsstunde brutto 24,20 Euro weniger verdient als die oberste Lohngruppe. Inzwischen liegt der Verdienstabstand bei 31,27 Euro.

Mindestlohn kann das Öffnen der Lohnschere nicht stoppen

Binnen Jahresfrist konnte die Gruppe der leitenden Arbeitnehmer ihr Einkommen um 2,9 Prozent steigern – und damit mit Abstand stärker als alle anderen Gruppen. Die herausgehobenen Fachkräfte kamen auf 1,8 Prozent, die Fachkräfte auf 1,9 Prozent, die angelernten Beschäftigten auf 1,4 Prozent und die ungelernten auf noch 1,0 Prozent. Dabei gilt es zu beachten, dass sich prozentuale Steigerungen bei hohen Einkommen stärker auswirken als bei niedrigen.

Der 2015 eingeführte gesetzliche Mindestlohn scheint nicht ausreichend zu sein, um das Öffnen der Lohnschere zu stoppen. Zum Jahresanfang wurde die Lohngrenze von 8,50 auf 8,84 Euro angehoben. Zusätzlich gab es Lohnerhöhungen bei einer Reihe von allgemeinverbindlichen Branchenmindestlöhnen. Beides reichte nicht, um die unteren Lohngruppen näher an die höchste heranzuführen.

Der Markt produziert also immer ungleichere Ergebnisse. Damit steigt die Bedeutung des Staates für den Zusammenhalt der Gesellschaft. Wenn die Lebensverhältnisse nicht zu ungleich werden sollen, muss er die Marktmechanismen entweder so korrigieren, dass bereits der Markt weniger Ungleichheit produziert, oder aber nachträglich Geld umverteilen.

UN-Ziel wird wohl verfehlt

Diese Umverteilung funktioniert in Deutschland im langfristigen Vergleich nicht besonders gut. Seit 1991 sind die verfügbaren Einkommen (sämtliche Haushaltseinkünfte nach Steuern, Sozialabgaben und Transferzahlungen) der obersten zehn Prozent der Haushalte laut dem Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung um knapp 27 Prozent gestiegen. Die ärmsten zehn Prozent der Haushalte mussten dagegen Einkommensverluste von acht Prozent hinnehmen.
Damit verfehlt die Bundesrepublik voraussichtlich eines der Millenniumsziele der Vereinten Nationen, wonach der Einkommenszuwachs der ärmsten 40 Prozent einer Bevölkerung höher sein sollte als das durchschnittliche Einkommensplus der Bevölkerung. „Seit 1999 ist das reale verfügbare Einkommen dieser 40 Prozent in Deutschland sogar zurückgegangen“, konstatiert das DIW.

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