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Fehlzeiten Zahl der Krankheitstage steigt

Arbeitnehmer melden sich immer häufiger krank - im Durchschnitt inzwischen fast 19 Tage pro Jahr. Eine der Hauptursachen sind laut einer Studie psychische Erkrankungen.

Die These, dass bei einer besseren Wirtschafts- und Beschäftigungslage auch die Fehlzeiten zunehmen, weil die Arbeitnehmer eher mal zu Hause bleiben, lässt sich aus den Daten nicht herauslesen. Foto: Imago

Die Veränderungen sind so gering, dass sie kaum auffallen. Aber bekanntlich höhlt steter Tropfen den Stein. Und so wird aus vielen kleinen Veränderungen irgendwann eine große Veränderung, in diesem Fall ein nicht unerheblicher Anstieg der krankheitsbedingten Fehlzeiten: Immer häufiger fehlen die Arbeitnehmer am Arbeitsplatz. Im Durchschnitt nun 18,9 Tage pro Jahr, wie aus dem Fehlzeiten-Report des Wissenschaftlichen Instituts der Allgemeinen Ortskrankenkassen hervorgeht. Der entsprechende Indikator des Arbeitsmarktindex FRAX ist nun 27 Quartale in Folge gefallen – fast sieben Jahre lang.

Die These, dass bei einer besseren Wirtschafts- und Beschäftigungslage auch die Fehlzeiten zunehmen, weil die Arbeitnehmer eher mal zu Hause bleiben, lässt sich aus den Daten jedoch nicht herauslesen. Denn dann hätten die Fehlzeiten in den Jahren der krisenbedingten Unsicherheit (2007 bis 2009) nicht weiter steigen dürfen. Woran also liegt es, dass der Krankenstand langsam, aber stetig zunimmt?

Helmut Schröder, Autor des Fehlzeiten-Reports, nennt die psychischen Erkrankungen als Hauptursache. Sie sind seit Jahren auf dem Vormarsch. Gründe dafür können zum Beispiel Arbeitsverdichtung, Flexibilisierung oder schwierige Führungskräfte sein. Da psychische Erkrankungen in der Dienstleistungsbranche häufiger vorkommen, kann auch der Strukturwandel der deutschen Wirtschaft eine Rolle spielen. In der Dienstleistungsbranche sind in den vergangenen Jahren Millionen Arbeitsplätze entstanden.

Im vergangenen Jahr nahmen die psychischen Erkrankungen dem langjährigen Trend folgend um 9,7 Prozent zu. Inzwischen sind sie so verbreitet, dass sie auch die Fehlzeiten insgesamt nach oben treiben können. Das hängt auch entscheidend damit zusammen, dass psychisch kranke Menschen besonders lange am Arbeitsplatz fehlen. Zum Vergleich: Dauert eine Krankschrei-bung üblicherweise im Schnitt 11,9 Tage, so liegt sie bei psychischen Erkrankungen im Durchschnitt mit 25,2 Tagen mehr als doppelt so hoch.

Experte Schröder zufolge haben die Firmen psychische Erkrankungen inzwischen als besonderes Problemfeld erkannt. „In vielen Betrieben ist die Erkenntnis angekommen, dass im betrieblichen Gesundheitsma-nagement auch psychische Erkrankungen vermieden werden sollten“, so Schröder.

Ein weiterer Grund dafür, dass die Fehlzeiten steigen, kann die Alterung der Arbeitnehmerschaft sein. Ältere Beschäftigte werden zwar seltener krank als jüngere, aber wenn sie krank werden, fehlen sie länger. Schröder geht davon aus, dass eine um die Alterung bereinigte Statistik einen etwas geringeren Anstieg der Fehlzeiten zeigen würde.

Auch wenn die Fehlzeiten seit 2007 wieder steigen – was nach einem jahrelangen Rückgang eine Trendumkehr ist –, die Höchststände der Jahre 1996 und 1997 sind noch nicht wieder erreicht. Damals waren die Beschäftigten im Schnitt an 5,9 Prozent ihrer Arbeitstage krankheitsbedingt abwesend, auch zur Jahrtausendwende lagen die Abwesenheiten mit 5,4 Prozent noch höher als heute (5,2 Prozent). Allerdings könnte letztere Marke schon bald wieder er-reicht werden, wenn sich der Trend fortsetzt.

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