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Arbeitsmarkt So viele Beschäftigte wie noch nie

Arbeitslosigkeit erreicht niedrigsten Stand seit der Wiedervereinigung.

31.10.2018 13:29
Agentur für Arbeit
Der übliche saisonale Aufschwung im Herbst hat dem Arbeitsmarkt in Deutschland Bestwerte beschert. Foto: dpa

Die Rekorde fielen fast wie angekündigt: Der übliche saisonale Aufschwung im Herbst hat dem Arbeitsmarkt in Deutschland Bestwerte beschert. Mit 2,202 Millionen Arbeitslosen registrierte die Bundesagentur für Arbeit im Oktober den niedrigsten Stand seit der Wiedervereinigung. Die Arbeitslosenquote fiel auf 4,9 Prozent. Zudem waren zum ersten Mal mehr als 33 Millionen Menschen sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Und 45 Millionen Menschen waren im September erwerbstätig, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Auch das ein Rekordwert.

Der Chef der Bundesagentur für Arbeit (BA), Detlef Scheele, zeigte sich zuversichtlich, dass sich der Aufschwung auf dem Arbeitsmarkt bis in das Jahr 2019 fortsetzt. Er erwartet aber nicht, dass 2019 erstmals die Marke von zwei Millionen Arbeitslosen unterschritten wird: „Aber erst mal können wir uns doch über das freuen, was da ist.“ 

Die Zahl von 2,202 Millionen Arbeitslosen entspricht einem Rückgang von 185 000 binnen zwölf Monaten. Auch die Unterbeschäftigung ging zurück. Im Vergleich zum Oktober 2017 sank sie um sieben Prozent auf 3,142 Millionen Menschen. In dieser Zahl sind auch all jene Arbeitslosen erfasst, die den Unternehmen kurzfristig nicht zur Verfügung stehen, weil sie krank sind oder an Programmen der Arbeitsagenturen teilnehmen. Kritiker wie der Wirtschaftswissenschaftler Heinz-Josef Bontrup halten die tatsächliche Arbeitslosigkeit aufgrund statistischer Mängel sogar noch für deutlich höher.

Der Hauptgeschäftsführer der Arbeitgebervereinigung BDA, Steffen Kampeter, forderte angesichts der Rekordwerte, mehr für Langzeitarbeitslose zu tun. „Diese historisch starken Zahlen müssen Ansporn sein, mit Schwung vor allem die Bekämpfung der verfestigten Arbeitslosigkeit in Angriff zu nehmen“, sagte Kampeter am Dienstag. „Wir sollten uns ganz gezielt auf Langzeitarbeitslose mit Kindern und besonderen Hemmnissen konzentrieren, etwa auf Menschen ohne Schul- und Berufsabschluss.“

Im Oktober war rund ein Drittel aller Arbeitslosen bereits länger als ein Jahr ohne Arbeit, also langzeitarbeitslos. Diese Menschen benötigen oft spezielle Unterstützung, damit es mit einem Job klappt. Diese Unterstützung können die Arbeitsvermittler meist nur in guten Zeiten leisten, da sie nur dann die Zeit dafür haben. Sie funktioniert aber noch immer nicht: Erst vor kurzem hat der Bundesrechnungshof bemängelt, dass jeder dritte Arbeitslose eine Fortbildung besucht habe, in der die für ihn sinnvollen Kenntnisse gar nicht vermittelt würden. 

Auch die Bundesagentur für Arbeit hält die bisherigen Herangehensweisen für unzureichend. Um Menschen mit „multiplen Vermittlungshemmnissen“ zu erreichen, „braucht es mehr als Jobangebote, da brauchen wir ganzheitliche Ansätze, die das ganze Lebensumfeld und die Familien in den Blick nehmen“, sagte BA-Vorstand Valerie Holsboer kürzlich der FR.

Gleichwohl werden die Pläne der Bundesregierung, für 150 000 Langzeitarbeitslose geförderte Arbeitsplätze zu schaffen und ihnen so eine Chance auf Wiedereingliederung zu geben, weithin als überfällig begrüßt.

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