Lade Inhalte...

Arbeitsmarkt Manche haben es schwerer

Junge und Alte profitieren vom Rückgang der Arbeitslosigkeit weniger als andere.

02.05.2017 13:54
Agentur für Arbeit
Die Arbeitslosigkeit sinkt - doch die Teilhabe an diesem positiven Trend fällt sehr unterschiedlich aus. Chance zu haben. Foto: dpa

Für die Beschäftigten war das vergangene Jahr das beste seit vielen Jahren. Das zeigen die neuen Ergebnisse des FR-Arbeitsmarktindex (FRAX), den die Frankfurter Rundschau in Zusammenarbeit mit dem Darmstädter Wirtschaftsforschungsinstitut Wifor herausgibt. Dafür wird der Arbeitsmarkt in seiner ganzen Breite analysiert - vom Stellenangebot über die Löhne bis zu den Arbeitsbedingungen. Nun liegen die Daten für das vergangene Jahr vollständig vor.

Im Jahresdurchschnitt notierte der FRAX bei 104,9 Punkten und damit 1,2 Punkte über dem Wert für das Jahr 2015. Dafür sorgten die gute Beschäftigungsentwicklung, bessere Einkommen und Arbeitsbedingungen. Die Ausbildungssituation verharrte insgesamt auf dem Vorjahresniveau. Trotz der guten konjunkturellen Lage sank die Zahl der neuen Lehrlinge. Leicht negativ entwickelten sich die Zugangschancen benachteiligter Gruppen am Arbeitsmarkt. Insgesamt stellt sich die Arbeitsmarktlage aber deutlich besser dar als vor zehn Jahren, im Jahr 2007, dem Basisjahr des FRAX.

Dazu passte ein starker Jahresabschluss. Im letzten Quartal 2016 machte das Arbeitsmarktbarometer einen Sprung auf den Rekordwert von 105,7 Punkten und zog damit den Jahresdurchschnittswert in die Höhe. "Beschäftigung, Bezahlung und Zufriedenheit mit dem Arbeitsplatz sind weiter gestiegen", sagt Wifor-Chef Dennis A. Ostwald. "Jedoch ist keine positive Entwicklung bei den Zugangschancen zu sehen. Daher ist nun die dringendste Aufgabe, jede Personengruppe in den Aufwärtstrend einzubeziehen."

In der Tat zeigt sich in diesem Bereich eine der größten Baustellen auf dem Arbeitsmarkt. Zwar ist die Arbeitslosigkeit seit dem Jahr 2007 stark gesunken. Doch die Teilhabe an diesem positiven Trend fällt sehr unterschiedlich aus. Junge und Alte finden schwerer einen neuen Job als andere Arbeitslose. Erkennbar wird das daran, dass ihr Anteil an allen verbliebenen Arbeitslosen wächst. Für die Betroffenen ist es oft eine demütigende Erfahrung, selbst in guten konjunkturellen Zeiten keine Chance zu haben.

Die Zahl der Langzeitarbeitslosen bleibt zudem hoch. Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) hat deshalb kürzlich einen Plan vorgestellt, mit dem 100 000 Langzeitarbeitslose in Arbeit gebracht werden sollen. Das entspräche einem doppelt so hohen Rückgang der Langzeitarbeitslosigkeit wie im Schnitt des vergangenen Jahres (46 000), aber nur einem Zehntel aller Langzeitarbeitslosen. Von der Opposition erntete die Ministerin zur Vorstellung ihres Programms Kritik. "Wenn Frau Nahles als verantwortliche Ministerin auch nur die Hälfte dessen geschafft hätte, was sie jetzt als Wahlkämpferin verspricht, dann wären wir bei der Bekämpfung der Langzeitarbeitslosigkeit heute weiter", sagt die arbeitsmarktpolitische Sprecherin der Grünen, Brigitte Pothmer. Die Ministerin habe statt verlässlicher und ausfinanzierter Strukturen nur zwei bürokratische und befristete Sonderprogramme mit 43 000 Jobs für Langzeitarbeitslose aufgelegt. Davon seien am Ende ihrer Amtszeit gerade einmal die Hälfte besetzt, so Pothmer.

Der Chef der Bundesagentur für Arbeit, Detlef Scheele, will bei der Bekämpfung der Langzeitarbeitslosigkeit künftig verstärkt auf öffentlich geförderte Jobs setzen. Dabei werde es sich um ganz normale Arbeitsplätze handeln. Die Betroffenen seien sozialversichert, sagte Scheele Mitte April. "Dann darf man auch am Markt tätig sein." Nur so hätten Menschen, die derzeit objektiv keinen Zugang zum Arbeitsmarkt hätten, eine Chance. Er gehe davon aus, dass bis zu 200 000 Arbeitslose für eine öffentlich geförderte Beschäftigung infrage kämen.

Auch den Randaltersgruppen wird sich die Politik zuwenden müssen, wenn diese Menschen nicht den Anschluss verlieren sollen. Zwar ging die Arbeitslosigkeit der Jungen und Alten im vergangenen Jahr um zwei Prozent zurück, blieb damit aber deutlich unter dem Rückgang der Arbeitslosigkeit insgesamt, die um 3,7 Prozent sank. Da die Erwerbsbevölkerung immer älter wird, und damit tendenziell auch die Gruppe der älteren Arbeitslosen, ist aus Sicht von Wifor-Chef Ostwald aber durchaus positiv zu vermerken, dass die Anzahl der Arbeitslosen über 55 Jahren immerhin um 3,3 Prozent gesunken ist.

Negativ überrascht hingegen, dass es 2016 mehr jüngere Arbeitslose gegeben hat. "Während sich ihre Anzahl bis zum Jahr 2015 stets verringerte, ist vom Jahr 2015 auf 2016 erstmals seit dem Krisenjahr 2009 ein Anstieg zu erkennen", so Ostwald. Dies sei bemerkenswert, da die Erwartungen andere waren. "Aufgrund der demografischen Entwicklung in Deutschland wäre eine Abnahme an jungen Arbeitslosen und eine Zunahme an älteren zu erwarten gewesen."

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
  • Nutzungsbasierte Onlinewerbung
  • Mediadaten
  • Wir über uns
  • Impressum