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Arbeitsmarkt Jubeln oder nicht jubeln?

Vom Arbeitsmarkt erreicht uns derzeit eine positive Nachricht nach der anderen. Doch wie gut läuft es historisch gesehen tatsächlich?

28.01.2018 15:18
Lehrlinge in einem Ausbildungsbetrieb
Am Lehrstellenmarkt hat sich die Lage nur leicht verbessert. Foto: epd

Gegen den Strom zu schwimmen, ist quasi Heinz-Josef Bontrups Schicksal. In der Blütezeit des Neoliberalismus kämpfte der Wirtschaftswissenschaftler gegen die besinnungslose Deregulierung an und behielt mit vielem recht. Nun, da die Entwicklung des Arbeitsmarkts von allen Seiten bejubelt wird, hält Bontrup erneut dagegen. Für Jubelmeldungen gebe es keinen Grund, schrieb der 64-Jährige kürzlich in einer Kolumne für die FR, und piekste damit in die allgemeine Euphorie. Millionen Arbeitslose würden in der Arbeitslosenzahl schlicht nicht erfasst, in Deutschland liege seit Mitte der 1970er Jahren eine chronische Massenarbeitslosigkeit vor, daran habe sich nichts geändert, kritisiert der Wissenschaftler von der Westfälischen Hochschule, der auch Sprecher der Arbeitsgruppe Alternative Wirtschaftspolitik ist. „Ein völliges System- und Politikversagen in einer angeblich sozialen Marktwirtschaft!“ Bontrup befeuert damit eine Debatte darüber, als wie gut der Arbeitsmarkt derzeit tatsächlich bewertet werden kann.

Seit inzwischen sechs Jahren kennt der FR-Arbeitsmarktindex (FRAX) nur einen Trend: nach oben. Regelmäßig bricht das Barometer, das den Arbeitsmarkt so differenziert erfasst wie kein anderer Index, Rekordwerte. So auch in seiner neuesten Ausgabe für das dritte Quartal 2017 wieder: Mit 106,4 Punkten liegt es deutlich über dem Wert (100 Punkte) des Basisjahres 2007. Die Situation hat sich seither also verbessert, und das auf breiter Front: Alle FRAX-Kategorien – Beschäftigung, Einkommen, Ausbildung, Arbeitsbedingungen und Zugangschancen benachteiligter Gruppen zum Arbeitsmarkt – stehen besser da als vor zehn Jahren.

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