Lade Inhalte...

Arbeitsmarkt Der Nachwuchs droht auszugehen

Der Präsident des Bundesinstituts für Berufsbildung warnt Firmen vor den Folgen mangelnder Ausbildung.

30.01.2018 12:14
Großküche
Großküche der Kantine in einem Berufskolleg in Düsseldorf, Azubis bewirtschaften im Rahmen ihrer Ausbildung die Gastronomie der Schule, praktischer Unterricht in der Großküche der Mensa. Foto: Imago

Der verkümmernde Ausbildungsmarkt hat im vergangenen Jahr mit einem Lichtblick aufgewartet. Erstmals wurden wieder mehr Lehrverträge abgeschlossen. Doch eine Trendwende sieht der Präsident des Bundesinstituts für Berufsbildung (Bibb), Friedrich Hubert Esser, noch nicht. „Langfristig ist nicht davon auszugehen, dass sich die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge stark erhöht“, sagte er der Frankfurter Rundschau. Dafür müssten weit mehr Jugendliche im ausbildungsfähigen Alter zuwandern oder die Studierneigung zurückgehen, was nicht zu erwarten sei. Esser warnt, dass diese Entwicklung dazu führen wird, „dass das Angebot an Fachkräften langfristig nicht ausreichen wird, um die Nachfrage nach fachlich qualifizierten Tätigkeiten zu stillen“. Die deutschen Unternehmen steuern auf ein Personalproblem zu.

Im vergangenen Jahr wurden nach Angaben des Bundesinstituts für Berufsbildung in Deutschland 523 290 Ausbildungsverträge unterzeichnet. Das entspricht einem leichten Plus von 3000 im Vergleich zum Vorjahr. „Dass 2017 mehr Ausbildungsverträge neu abgeschlossen wurden, ist zum einen darauf zurückzuführen, dass die Betriebe und Unternehmen in Deutschland aufgrund der positiven wirtschaftlichen Entwicklung mehr Ausbildungsplätze angeboten haben als im Vorjahr“, erläutert Esser. „Zum anderen ist auch die Nachfrage nach Ausbildung erstmals seit 2011 wieder gestiegen.“ Dies liege vor allem daran, dass Flüchtlinge zunehmend auf dem Ausbildungsstellenmarkt ankommen.

Ein langfristiger Vergleich zeigt allerdings, wie sehr das Ausbildungswesen in Deutschland erodiert ist. 2007 wurden hierzulande noch 625 884 Lehrverträge unterzeichnet – über 100 000 mehr als im vergangenen Jahr. Im Zeitraum von 1992 bis 2012 lag die Zahl der Vertragsabschlüsse im Durchschnitt pro Jahr jeweils um 60 000 höher als 2017.

Dabei leidet der Ausbildungsmarkt unter einem scheinbar widersprüchlichen Phänomen: Es gibt seit Jahren mehr Bewerber als Lehrstellen. Und es gibt mehr Lehrstellen, als besetzt werden können. 80 000 suchende Jugendliche hatten zum Stichtag im September noch keinen Ausbildungsplatz gefunden. Gleichzeitig blieben 49 000 Lehrstellen offen.

 

Angebot und Nachfrage finden nicht zusammen. Ein Grund dafür ist die unterschiedliche regionale Verteilung von Schulabgängern und Lehrstellen: In 52 von 154 Arbeitsagenturbezirken gibt es entweder deutlich mehr Ausbildungsplätze als Nachfrager oder deutlich mehr Nachfrager als Ausbildungsplätze. Ein weiterer Grund ist, dass die Ausbildungswünsche der Schulabgänger nicht zu den angebotenen Lehrstellen passen. Wer Bankkauffrau werden will, entscheidet sich eben nicht für den Metzgerberuf, und wer studieren will, ist für die Ausbildung ohnehin verloren. Und schließlich entsprechen die Bewerber auch nicht immer den Vorstellungen der Arbeitgeber.

„Überhaupt einen geeigneten Auszubildenden zu finden, stellt häufig bereits große Anforderungen an Unternehmen“, heißt es in der Ausbildungsumfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK). „Sie müssen zum Beispiel leistungsstarken Jugendlichen gute Argumente für eine betriebliche Ausbildung liefern. Leistungsschwächere Jugendliche brauchen Förderung, um die Ausbildungsprüfung bestehen zu können.“ Bei der Ausbildungsreife, insbesondere bei Mathe- und Deutschkenntnissen sowie bei sozialen Kompetenzen, sehen 91 Prozent der Betriebe Mängel. Besonders große Probleme, ihre Lehrstellen zu besetzen, haben das Bau- und Gastgewerbe.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen