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Frauenquote Frauen mit Vorstandsposten immer noch selten

Trotz Selbstverpflichtung der Wirtschaft erobern weibliche Führungskräfte nur zäh Vorstands - und Aufsichtsratsposten. Laut einer Studie ist ihr Anteil an Spitzenpositionen in deutschen Unternehmen 2012 leicht gestiegen.

16.01.2013 13:21
Karin Billanitsch
Vorstandsposten waren laut der DIW-Studie zu einem Anteil von vier Prozent mit Frauen besetzt - das ist ein Anstieg von gerade mal einem Prozentpunkt gegenüber dem Vorjahr. Foto: dpa

Frauen sind nach wie vor zu selten in Top-Positionen deutscher Unternehmen zu finden. Nach einer neuen Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin ist der Frauenanteil in Aufsichtsräten und Vorständen trotz der Selbstverpflichtung der Wirtschaft in den 200 größten Firmen 2012 nur etwas gestiegen. Vorstandsposten waren laut der DIW-Studie zu einem Anteil von vier Prozent mit Frauen besetzt - das ist ein Anstieg von gerade mal einem Prozentpunkt gegenüber dem Vorjahr. Das DIW beobachtet seit 2006 regelmäßig die Trends bei der Besetzung von Spitzenpositionen durch Männer und Frauen.

"Überwältigende männliche Dominanz"

„Insgesamt waren die Zuwächse zu gering, fanden bei zu wenigen Unternehmen statt und basierten auf zu geringen Ausgangswerten, um etwas an der überwältigenden männlichen Dominanz in Vorständen und Aufsichtsräten zu ändern“, sagte DIW-Forschungsdirektorin Elke Holst. Insgesamt müsse sich die Kultur für Frauen in Führungspositionen weiter verbessern. Die Wissenschaftlerinnen forderten verstärkte Anstrengungen von den Unternehmen.

Öffentlicher Druck bei Dax-30-Unternehmen

Seit dem vergangenen Jahr werden auch Dax, M-Dax- und S-Dax-Unternehmen in die Untersuchung miteinbezogen. Bei den Dax-30-Unternehmen sieht die Lage der Top-Managerinnen etwas besser aus: dort verdoppelte sich der Frauenanteil im Vorstand fast von 3,7 auf 7,8 Prozent. Schnelle Schlüsse darf man daraus jedoch nicht ziehen. Denn mit der allgemeinen Entwicklung dürfe man diese Zahlen nicht gleichsetzen, warnten die Studienautorinnen. Es handele sich nur um 30 Unternehmen, und geringe Veränderungen seien dort natürlich mit größeren prozentualen Anteilen verbunden. "Zum anderen stehen diese Unternehmen auch verstärkt im Fokus der Öffentlichkeit und sehen sich so mit einem höheren Handlungsdruck konfrontiert."

Zu den Frauen, die den Aufstieg in einen Dax-Vorstand geschafft haben, zählen beispielsweise Elke Strathmann, Personalvorstand bei der Continental AG, Christine Hohmann-Dennhardt (Daimler), Kathrin Menges (Henkel) oder Margret Suckale (BASF). Bei der Deutschen Post ist Angela Titzrath Personalvorstand, Regine Stachelhaus ist im Top-Gremium des Energieriesen Eon.

Der Anteil der Frauen, die in Aufsichts? und Verwaltungsräten sitzen, ist vergleichsweise höher. In den Aufsichtsräten der Dax-30-Firmen lag die Frauenquote laut DIW bei gut 19 Prozent - ein Plus von 3,7 Prozentpunkten. Bei den meist kleineren Unternehmen mit Bundesbeteiligung lag der Anteil mit gut elf Prozent Frauen in den Vorständen und fast 20 Prozent in den Aufsichtsräten etwas höher. Bei den Top?200?Unternehmen waren vergangenes Jahr 12,9 Prozent der Aufsichtsgremien weiblich besetzt. Dass hier die Quote vergleichsweise hoch ist, liegt weniger am Umdenken in den Firmen, sondern daran, dass die Arbeitnehmervertretungen "häufiger als die Eigentümerseite" Frauen in Aufsichtsräte entsenden", erläuterte Holst.

Männerdomäne Vorstandsvorsitz

Seit Jahren wird kein einziges deutsches Dax-30-Unternehmen von einer Frau geführt, das hat sich auch 2012 nicht geändert. Im internationalen Vergleich liegt Deutschland in der Rangliste der Mitgliedsländer der Europäischen Union auf Rang 6, knapp über dem Durchschnitt. Das Land mit dem größten Frauenanteil in den höchsten Entscheidungsgremien, Norwegen, realisierte eine annähernd drei Mal so hohe Frauenquote wie Deutschland, so die Wissenschaftlerinnen.

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