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Frauenanteil in Vorständen Männliche Monokulturen

Der Anteil der Frauen in den Vorstandsetagen steigt nur langsam. Nur in jedem vierten Führungsteam arbeitet mindestens eine Frau.

Angela Titzrath hat zum Jahresanfang den Chefsessel bei der Hamburger Hafen und Logistik AG übernommen. Foto: rtr

Es tut sich was, allerdings nur sehr langsam: Im vergangenen Jahr ist der Anteil von Frauen in den Vorstandsetagen von Deutschlands börsennotierten Unternehmen leicht gestiegen. Zu diesem Ergebnis kommt eine neue Analyse der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young (EY), die zweimal jährlich durchgeführt wird.

Dafür wurde der Frauenanteil in den Vorständen der 30 Konzerne des Deutschen Aktienindex (DAX), der 50 mittelgroßen Werte des M-Dax, den 50 Firmen des S-Dax sowie den 30 technikgetriebenen Betrieben des Tec-Dax analysiert. Dort arbeiteten zum 1. Januar 2017 insgesamt 630 Männer. Ihnen gegenüber saßen insgesamt 45 Vorstandskolleginnen. Das ist immer noch wenig, aber zumindest sind es sechs Frauen mehr als noch im Jahr zuvor und elf mehr als zu Beginn des Jahres 2015.

Die Vorstandsebene bleibt damit – vorerst – weiterhin eine Männerdomäne: Derzeit sind drei von vier Vorstandsgremien der börsennotierten Unternehmen ausschließlich mit Männern besetzt – nur in jedem vierten Führungsteam arbeitet mindestens eine Frau. Nur drei Unternehmen werden von einer Frau geführt: Angela Titzrath hat zum Jahresanfang den Chefsessel bei der Hamburger Hafen und Logistik AG (S-Dax) übernommen. Dolores Schendel ist mit der von ihr geführten Pharmafirma Medigene in den Tec-DAX eingezogen. Nach wie vor ist zudem Anke Schäferkordt Co-CEO bei der Mediengruppe RTL.

Vor allem in den 30 DAX-Unternehmen konnte der Frauenanteil gesteigert werden. Inzwischen bekleiden dort 22 Frauen Vorstandsposten, vor einem Jahr waren es noch 18 Frauen. In 13 DAX-Konzernen sitzt allerdings immer noch keine Frau.

In den M-DAX-Vorständen stieg die Zahl der weiblichen Vorstandsmitglieder um zwei – von sieben auf neun. Im Tec-DAX sowie im S-DAX hat sich hingegen nichts getan. Steigt die Zahl weiterhin so langsam an, dauert es noch 30 Jahre, bis ein Drittel der Vorstandsposten mit Frauen besetzt sind.

„Bei der gesamtgesellschaftlichen Aufgabe, mehr Frauen an die Spitze zu bringen, kommen wir nach wie vor nur mühsam voran“, kommentierte Hubert Barth, Vorsitzender der Geschäftsführung von EY in Deutschland, die Resultate. Der Befund sei noch immer der gleiche: Deutsche Vorstandsetagen seien nach wie vor mehrheitlich männliche Monokulturen. „Zwar sehen wir gerade bei großen deutschen Konzernen erhebliche Bemühungen, in Sachen Vielfalt Fortschritte zu erzielen. Aber die konkreten Ergebnisse dieser Anstrengungen sind insgesamt derzeit noch zu wenig sichtbar“, erklärte Barth.

„Genug qualifizierte Frauen“

Anders sah es zuletzt beim Frauenanteil in den Aufsichtsräten aus. Dort ist der Anteil der Frauen im vergangenen Jahr von 23,3 auf 27,5 Prozent gestiegen, ließ das Familienministerium im Dezember wissen. Das passierte jedoch nicht freiwillig: Seit dem 1. Januar 2016 sind börsennotierte und voll mitbestimmte Unternehmen dazu verpflichtet, bei einer Neubesetzung 30 Prozent der Aufsichtsratsposten mit Frauen zu besetzen. Passiert das nicht, müssen die Stühle leer bleiben. Diese feste Quote gilt nach derzeitigem Stand für 106 Unternehmen in Deutschland.

Die von der Quote betroffenen Unternehmen und 3500 weitere kleinere Unternehmen sind außerdem verpflichtet, sich eigene Zielgrößen und Fristen zur Erhöhung des Frauenanteils in Aufsichtsräten, Vorständen und obersten Management-Ebenen zu setzen. „Die Entwicklung bei den Aufsichtsräten zeigt: Es ist keine Frage des Könnens der Frauen, sondern eine Frage des Wollens der Unternehmen“, betonte Ana-Cristina Grohnert, Mitglied der Geschäftsführung bei EY. „Es gibt genug qualifizierte Frauen für Vorstandsposten. Und es hat sich längst herausgestellt, dass gemischte Teams aus Männern und Frauen bessere Leistungen bringen.“

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