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Frauen-Quote Gewerkschaft baut Führung um

An der Gewerkschaftsspitze von Verdi ist eine Frauen-Mehrheit geplant. Bankenexperte Uwe Foullong tritt freiwillig zurück, um seiner Nachfolgerin Platz zu machen. Acht von 14 Vorstandsposten sind somit weiblich.

Foto: dapd

Ein Mann verzichtet freiwillig auf seinen Führungsjob, um einer Frau Platz zu machen. Gibt’s nicht? Gibt’s doch, sagt Uwe Foullong. Der 53-Jährige ist Mitglied des Bundesvorstands der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi. Auf dem Gewerkschaftskongress im September werde er nicht mehr für diesen Posten kandidieren, und zwar freiwillig, sagt der Bankenexperte der Frankfurter Rundschau. Er wolle ein Versprechen einhalten, dass er bereits 2004 gegeben hatte. Damals versicherte er, nicht mehr anzutreten, wenn dies nötig sein sollte, um die Verdi-Frauenquote einzuhalten.

Die Verdi-Satzung schreibt vor, dass „Frauen in allen Organen mindestens entsprechend ihres Anteils an der jeweils repräsentierten Mitgliedschaft vertreten sein“ müssen. Seit 2009 ist gut die Hälfte der Mitglieder weiblich. Im Bundesvorstand beträgt der Frauenanteil derzeit exakt 50 Prozent. Wenn Foullong abtritt und für ihn eine Frau gewählt wird, dann sind auch an der Spitze Frauen in der Mehrheit, dann sind acht der 14 Vorstandsmitglieder weiblich.

Foullong ist im Verdi-Vorstand für die Finanzbranche zuständig, wo derzeit 57 Prozent der Gewerkschaftsmitglieder Frauen sind. Man habe lange nach einer geeigneten Kandidatin gesucht, die auch den Spitzenjob übernehmen will, erzählt Foullong – und sei nun fündig geworden: Die Verdi-Funktionärin Beate Mensch ist als neues Vorstandsmitglied nominiert und will sich auf dem Gewerkschaftstag zur Wahl stellen. Mensch hat sich bisher in Nordrhein-Westfalen um die Postdienste gekümmert, seit kurzem arbeitet sie dort im Bereich Finanzdienstleistungen. Bereits im Frühjahr werde sie für Verdi die Tarifverhandlungen für die Versicherungsbranche führen, erzählt Foullong.

Mensch übernimmt einen schwierigen Job: In Banken, Sparkassen und Versicherungen verliert Verdi mehr Mitglieder als in anderen Branchen, im vorigen Jahr schrumpfte die Zahl der Anhänger um drei Prozent. Und dann haben im November auch noch ein paar enttäuschte Verdianer eine neue Gewerkschaft für die Versicherungsbranche gegründet: die Neue Assekuranz Gewerkschaft.

Auch IG Metall auf Reformkurs

Neben Foullong verlässt eine Kämpferin für Frauen- und Arbeitnehmerrechte den Verdi-Vorstand: Die 62-jährige Margret Mönig-Raane tritt aus Altersgründen ab, was seit längerem klar ist. Jetzt ist auch ihre Nachfolgerin bekannt: Stefanie Nutzenberger, Vize-Chefin von Verdi im Saarland sei für den Vorstand nominiert worden, sagt ein Sprecher.

Mönig-Raane war sieben Jahre lang Vorsitzende der Gewerkschaft Handel, Banken und Versicherungen (HBV), die 2001 in Verdi aufgegangen ist. Seither ist Mönig-Raane dort Vize-Chefin. In den vergangenen Jahren ist sie zur Grande Dame des Einzelhandels avanciert, die für die Gründung von Betriebsräten, mehr Geld für Verkäuferinnen und den Erhalt von Jobs gestritten hat, etwa bei der Insolvenz des Handelskonzerns Arcandor. Ihre designierte Nachfolgerin Beate Mensch ist bei Verdi-Saarland für den Einzelhandel zuständig, die 47-Jährige führt dort auch die Tarifverhandlungen.

Auch in der IG Metall bahnt sich eine Änderung in der Führungsetage an: Der geschäftsführende Vorstand soll von sieben auf fünf Mitglieder verkleinert werden. Gestern diskutierte darüber der Gesamtvorstand, dem auch ehrenamtliche Mitglieder angehören. Insider vermuten, dass er sich für eine Verkleinerung aussprechen wird. Spekuliert wird, dass Wolfgang Rhode und Regina Görner dann nicht mehr nominiert werden.

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