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Frauen in der IT Die Frage nach dem Gehalt

Frauen verdienen in der IT hierzulande ein Viertel weniger als Männer. Bewerberinnen sollten sich besser aufs Pokern bei Lohnverhandlungen vorbereiten, raten Expertinnen.

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IT-Unterricht in einer reinen Mädchenklasse. So kann früh das Selbstbewusstsein auch für spätere Bewerbungsgespräche gefördert werden. Foto: Imago

Informationstechnik – das ist die Branche der Zukunft mit Monstergehältern und Aufstiegschancen für jedermann. So jedenfalls inszenieren sich Start-ups und Tech-Unternehmen nur zu gerne. Ob Stubenhocker oder Kids mit Migrationshintergrund – sie alle sollen reich werden können. Das Silicon Valley als Ideal.

Nur gilt das nicht für alle gleichermaßen. In Deutschland verdienen Frauen in IT- und Kommunikationsberufen laut einer Berechnung des Jobportals Honeypot im Schnitt 25 Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen. Während das Durchschnittsgehalt der Studie zufolge 47 835 Euro beträgt, nehmen Frauen im Schnitt nur 35 876 Euro mit nach Hause. Das sind noch einmal vier Prozentpunkte mehr in Richtung Ungleichheit als über alle Branchen hinweg (21 Prozent). In Belgien, Frankreich und den USA sind es nur rund zwölf Prozent. Deutschland bildet mit diesem Wert das Schlusslicht in Westeuropa.

Was aber sind die Gründe für die große Lohnlücke zwischen den Geschlechtern – ausgerechnet in einer der modernsten Branchen?

Hört man sich unter Frauen in der IT um, gibt es dafür vor allem zwei Gründe. Der erste, sehr einfache: Frauen verhandeln schlechter. Marie-Louise Sadakane war Vorstandschefin bei der schwedischen Digitalagentur B-Reel und Marketingleiterin beim Streamingdienst Spotify. In ihrer Karriere hat die 37-Jährige ungezählte Bewerbungsgespräche mit beiden Geschlechtern geführt. Obwohl sie sich gegen Verallgemeinerungen verwahrt, sind ihrer Erfahrung nach einige Unterschiede auffällig.

Viele Männer seien sehr gut im Netzwerken, oft wüssten sie dadurch schon im Vorfeld genau, welches Gehalt man mindestens verlangen könne. Ein selbstbewussteres Auftreten sei die Folge und die Nennung von höheren Preisklassen – unabhängig von der Qualifikation des Bewerbers. Frauen hingegen seien auf die Standard-Frage nach dem Gehalt oft gänzlich unvorbereitet. Überrumpelt griffen viele dann zu tief, sagt Sadakane. „Man muss sich auf das Pokern vorbereiten, mitspielen und genau wissen, was man sich selbst wert ist. Viele Frauen haben sich mit dieser Frage offensichtlich noch nie beschäftigt.“

Ein weiterer Nachteil im Jobgespräch: „Frauen sind oft ehrlicher und selbstkritischer.“ Sie gestünden ein, wenn sie von zehn geforderten Kriterien nur drei erfüllten. Als zukünftiger Chef könne man diese Ehrlichkeit zwar schätzen, schließlich werde man so nach Vertragsunterzeichnung nicht von Defiziten des Bewerbers überrascht. Für die Kandidatin aber hat sie einen entscheidenden Haken: „Oft erhalten Frauen dadurch trotz gleicher Qualifikation keine gleichberechtigte Startposition.“

In einer repräsentativen Befragung von Unternehmen aus dem Jahr 2016, durchgeführt für den Branchenverband Bitkom, gab jede zweite Firma an, dass weibliche IT-Freiberufler einen niedrigeren Stundensatz erhalten als Männer. Zwölf Prozent davon gestanden ein, dass Männer „deutlich mehr“ Geld bekommen. Als Hauptgründe für die ungleiche Bezahlung nannten die Führungskräfte, dass Frauen in Verhandlungen eher nachgeben (37 Prozent) oder von vornherein weniger fordern (33 Prozent).

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