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Fraport Von Frankfurt in die ganze Welt

Der Flughafenbetreiber Fraport verfügt über viele lukrative Auslandsbeteiligungen – und hält Ausschau nach weiteren.

Fraport
Hochbetrieb am Frankfurter Flughafen. Foto: Christoph Boeckheler

Wer an Fraport denkt, denkt an den Frankfurter Flughafen. Doch der Full-Service-Anbieter im Airport-Management ist längst über seinen Heimatstandort hinausgewachsen. Mit 24 Flughafen-Beteiligungen auf drei Kontinenten gehört Fraport zu den international führenden Flughafenbetreibern. Jüngste Tochter ist die Fraport Brasil, die ab 2018 die beiden brasilianischen Flughäfen Fortaleza und Porto Alegre betreiben wird.

Das neue Auslandsengagement ist ein weiterer Beleg für das wachsende Auslandsgeschäft von Fraport. Wie erfolgreich das Unternehmen dabei agiert, zeigt etwa das Beispiel Lima. Der Flughafen der peruanischen Hauptstadt ist schon lange eine Wachstumsperle, seit Übernahme der Konzession vor 16 Jahren konnte die Passagierzahl verfünffacht werden, das durchschnittliche Passagierwachstum in dieser Zeit lag bei 10,6 Prozent. Ab 2018 wird Fraport in Lima 1,5 Milliarden US-Dollar ausgeben, um eine zweite Start- und Landebahn, ein neues Terminal und weitere Infrastruktur zu bauen. Damit will der Flughafenbetreiber auch in Zukunft „dem wachsenden Verkehrsaufkommen gerecht werden“, wie das Unternehmen mitteilte.

Übernahme von 14 griechischen Regionalflughäfen

In Brasilien plant Fraport nun eine ähnliche Erfolgsstory. Fortaleza und Porto Alegre stehen auf Platz sechs und acht der Liste der größten Flughäfen des größten Landes Südamerikas. Rund 560 Millionen Euro haben sich die Frankfurter die beiden Konzessionen zusammen kosten lassen und nun sollen an beiden Standorten Terminals und Landebahnen erweitert, neue Gepäckfördersysteme eingebaut und zahlreiche weitere Modernisierungsarbeiten durchgeführt werden. Motivation ist dabei das jährliche durchschnittliche Wachstum bei den Passagierzahlen von jeweils rund sieben Prozent.

Über Erfolg oder Misserfolg eines weiteren Auslandsprojekts ist dagegen bislang noch nicht entschieden: die politisch stark kritisierten Übernahme von 14 griechischen Regionalflughäfen. Diese wurde, mit einiger Verzögerung durch die Finanzierungsverhandlungen, im April wirksam. Lokale Gewerkschaften und das globalisierungskritische Netzwerk Attac hatten die Privatisierung vehement kritisiert, an verschiedenen Flughäfen gab es Demonstrationen. ´Grund für die Vorbehalte sind unter anderem die Streichung kostenloser Parkmöglichkeiten für Beschäftigte, die Planung von Hotelkomplexen auf dem Flughafengelände, aber auch eine ungerechte Risikoverteilung zu Ungunsten des griechischen Staats sowie erst jüngst die Umgehung von Zertifizierungen bei der Ausbildung von Sicherheitspersonal.

Diesen Vorwurf konterte Fraport aber mit der Feststellung, dass die Durchführung der Flugverkehrskontrollen und die Ausbildung von Fluglotsen überhaupt nicht in ihrem Verantwortungsbereich liege, sondern beim griechischen Staat. Ebenso reagiert der Konzern schon seit längerem auf die Vorwürfe, Fraport sichere sich in Griechenland Gewinnchancen, wälze aber zugleich viele Risiken auf den Staat ab: Die Bedingungen der Ausschreibung, in deren Rahmen Fraport die Konzession gewonnen habe, seien von Griechenland festgelegt worden.

Wie dem auch sei: Der operative Betrieb läuft seit der Übernahme im April laut Fraport sehr stabil und die Passagierzahlen seien erfreulich. Alle 14 griechischen Flughäfen zusammen hätten im Juli ein Passagierwachstum von 9,7 Prozent gehabt. Fraport hat sich zur Modernisierung und Erweiterung der Infrastruktur verpflichtet und zur Investition von rund 400 Millionen Euro bis 2021 – unter anderem in den Bau von fünf neuen Passagierterminals. Insgesamt soll sich die Terminalfläche aller 14 Flughäfen um 50 Prozent auf 300 000 Quadratmeter vergrößern. Das dürfte dann auch für einen Schub bei den Einnahmen aus dem Handel sorgen.

Fraport hat seinen Auslandsfokus in den vergangenen Jahren verstärkt, denn es handelt sich laut dem Vorstandsvorsitzenden Stefan Schulte um ein äußerst ertragsstarkes und wachsendes Geschäftsfeld. „Die breite internationale Aufstellung hilft, um Schwächephasen in einzelnen Märkten wie zum Beispiel in der Türkei durch Zuwächse in anderen Regionen auszugleichen. Diesen Weg der Risikostreuung werden wir konsequent weitergehen“, sagte Schulte auf der Fraport-Hauptversammlung im Mai dieses Jahres. Aktuell kommen aus dem Auslandsgeschäft über 20 Prozent des Umsatzes und mehr als ein Drittel des Ergebnisses. 2016 waren es noch mehr, weil Fraport im Auslandssegment Sondereinnahmen aus dem Verkauf der Beteiligung in St. Petersburg und eine hohe Entschädigung für das gescheiterte Terminal-Projekt auf den Philippinen verbuchen konnte.

Nicht nur Manila, auch Antalya in der Türkei und die US-Geschäfte zeigen, dass das Auslandsgeschäft auch Risiken birgt. In der Türkei fehlten 2016 die Touristen, vor allem die reichen aus Russland. Und Fraport USA hatte im Geschäftsjahr 2016 einen Verlust verbucht, der auf außerplanmäßige Abschreibung in Höhe von 7,4 Millionen Euro zurückging. Grund der Abschreibungen war der Verlust der Konzession für den Flughafen Boston. Operativ allerdings sei auch die US-Tochter profitabel gewesen und im ersten Halbjahr 2017 mit einem Nettoergebnis von 2,1 Millionen Euro auch wieder unter dem Strich.

Der Standort Boston wurde im Rahmen einer Ausschreibung der US-Behörden im April 2017 an einen Mitbewerber von Fraport vergeben. Der Konzern plant aber, sich in den USA an weiteren Ausschreibungen zu beteiligen.

Und damit soll noch lange nicht Schluss sein mit dem Expansionskurs: Laut einer Aussage von Fraport-Finanzvorstand Matthias Zieschang aus dem Frühjahr hält das Unternehmen nicht nur in den USA nach weiteren Übernahmen Ausschau. Dafür sei trotz der bereits hohen Verschuldung der Frankfurter auch ein ausreichender Finanzierungsspielraum vorhanden, so Zieschang.

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