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Frankreich Russischer Oligarch im Visier der Steuerfahnder

Dem Milliardär und Senator Suleiman Kerimow droht in Frankreich eine Gefängnisstrafe, die Moskauer Wirtschaftselite ist alarmiert.

Suleyman Kerimov
Gegen eine Kaution von fünf Millionen Euro hat die französische Justiz Suleyman Kerimov vorerst auf freien Fuß gesetzt. Foto: dpa

Kerimow ist reich, aber nicht geizig. „Ihr liebt Geld, ich habe viel und trenne mich gerne davon“, soll er sehr oft gesagt haben. „Der Mensch geht immer volles Risiko“, charakterisierte ihn ein Freund, der russische Vizepremier Igor Schuwalow. Tatsächlich fährt Suleiman Kerimow, 51, nicht nur als Unternehmer gern volles Risiko. 2008 knallte sein Ferrari Enzo in Nizza gegen einen Baum. Kerimow erlitt schwere Verbrennungen, ließ sich mit dem Hubschrauber erst nach Marseille dann nach Brüssel fliegen, wurde dort operiert – und spendete hinterher einer belgischen Stiftung für Verbrennungsopfer eine Million Dollar.

Jetzt ist Kerimow in Nizza wieder in Schwierigkeiten geraten. Vergangene Woche wurde er dort festgenommen, gegen eine Kaution von fünf Millionen Euro wieder auf freien Fuß gesetzt, aber unter der Auflage, die Region nicht zu verlassen: Die Anklage gegen ihn lautet auf Steuerhinterziehung und Geldwäsche, dafür drohen in Frankreich bis zu zehn Jahre Gefängnis. Und diesmal ist fraglich, ob er das Schicksal mit viel Geldausgeben wieder günstig stimmen kann.

Ein lächelndes Raubtier

Kerimow, Sohn eines sowjetischen Kriminalbeamten und einer Buchhalterin aus der dagestanischen Provinzstadt Derbent, machte zu Beginn der „wilden Neunziger Jahre“ Karriere als Fabrikmanager, dann als Bankier. Ein schlanker, charmanter, junger Mann, der sehr viel lächelt, dem aber in Moskauer Geschäftskreisen bald der Biss eines Raubtieres zugeschrieben wird. Zu Beginn der Putin-Ära kaperte Kerimow diverse Großbanken und Bauunternehmen, „Krieg ist Kerimows Element“, schreibt die russische Ausgabe der Zeitschrift Forbes. Feindliche Übernahmen in Moskau, Wohltätigkeitsgalas und Villen an der Côte d’Azur – Kerimow ist ein nicht untypischer russischer Oligarch.

2017 schätzte Forbes sein Vermögen auf 6,3 Milliarden Dollar. Laut seiner russischen Steuererklärung verdiente er im Vorjahr allerdings umgerechnet nur 170 000 Euro. Kerimow sitzt als Senator im russischen Föderationsrat, seit 2013 aber verbietet das Gesetz Staatsbediensteten den Besitz von Auslandsaktiva. Laut Forbes lässt er deshalb seinen persönlichen Besitz von der Schweizer Swiru Holding verwalten, andere Aktiva überschrieb er laut der Zeitung Wedomosti der Wohltätigkeitsstiftung „Suleyman Kerimov Foundation“, die er vor zehn Jahren in Luzern gründete. Ihrem Stiftungsrat sitzt der Schweizer Alexander Studhalter vor, französische Zeitungen behaupten, Studhalter gehörten als Strohmann auch einige Villen, die die Ermittler Kerimow zuschreiben.

Wen erwischt es als nächsten?

Valentina Matwijenko, Vorsitzende des Föderationsrats, fürchtet nun, im Westen habe eine Jagd auf russische Politiker begonnen. Auch das Außenministerium ist empört, weil die französischen Behörden ignorierten, dass Kerimow als Senator einen diplomatischen Pass besitzt. Und die Profis des Fußballklubs Anschi Machatschkala, in den Kerimow 450 Millionen Dollar steckte, liefen am Sonntag zum Punktspiel gegen Rostow in Trikots mit dem Schriftzug auf: „Wir stehen dir bei, Suleiman!“

In der Staatsduma wird bereits diskutiert, welchen russischen Milliardär mit parlamentarischer Immunität es als nächsten erwischen könnte. Zumal viele Moskauer Oligarchen ihr Geld offen oder verdeckt in westliche Immobilien investieren. Der Wirtschaftsexperte Dmitri Trawin schließt im Gespräch mit der FR nicht aus, dass Europas Fahnder russische Geldleute künftig aufmerksamer beobachten. „Russlands Ruf hat im Westen sehr gelitten.“ Das gilt auf jeden Fall für Suleiman Kerimow.

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