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Frankreich Bahnstreik schadet der Wirtschaft

Das Reiseland Frankreich leidet unter den Folgen und die öffentliche Unterstützung bröckelt.

Montparnasse-Station
Alle fünf Tage legen die Eisenbahner ihre Arbeit für zwei Tage nieder. Foto: rtr

Frankreich erlebte einen zermürbenden April: Alle fünf Tage legen die Eisenbahner ihre Arbeit für zwei Tage nieder. „Grève perlée“, „Perlenstreik“, nennen sie dieses neuartige Vorgehen. Die Gewerkschaften wollen auf diese Weise bis Ende Juni durchhalten, um die Verabschiedung der Bahnreform von Präsident Emmanuel Macron durch die Nationalversammlung zu verhindern. Die 140.000 „cheminots“ (Eisenbahner) müssen ihre Streiktage selbst zahlen und haben im  April rund 600 Euro weniger verdient. 

Wohl aus diesem Grund ist die Streikbeteiligung rückläufig: Am Sonntag, dem bisher letzten Ausstand, verkehrte erstmals wieder die Hälfte der TGV-Züge. Laut der Staatsbahn SNCF sind noch 49,6 Prozent der Lokführer im Ausstand. Anfang April waren es noch 70 Prozent gewesen. Laut der neusten Meinungsumfrage halten nur noch 41 Prozent der Franzosen den Streik für „gerechtfertigt“. 62 Prozent wünschen die Inkraftsetzung der Reform, die das günstige Eisenbahnerstatut (Rente mit 52, lebenslanger Kündigungsschutz, 50 Frei- und Urlaubstage) für Neuangestellte ab 2020 abschafft.

Die Gewerkschaften, die getrennte Erste-Mai-Umzüge organisierten, streiten sich derweil, ob der „Perlenstreik“ eine gute Idee war. Die radikale SUD-Rail war von Anfang gegen den Rhythmus von zwei Streik- und drei Ruhetagen. „Wenn man einen Hungerstreik macht, aber nach allen zwei Tagen wieder drei Tage isst, wirkt das höchstens wie eine Diät“, erklärte ein SUD-Vertreter. Die tonangebende CGT und ihr Vorsteher Philippe Martinez halten am Vorgehen fest: „Unsere Gegner erklären uns bereits für tot. Für einen Toten bewegen wir uns aber noch erstaunlich gut.“ Damit meint er die Beteiligung der Lokführer, die im Vergleich zu früheren Streiks in der Tat auf einem hohen Niveau bleibt.

Entsprechend massiv sind die Streikschäden für die französische Wirtschaft. Im Bausektor warten laut dem Branchenverband zwei Millionen Tonnen Material auf den Gütertransport per Bahn oder per Ersatzlastwagen. In der Landwirtschaft sind die Weizenlieferungen um 15 Prozent zurückgegangen. Das Brot ist noch nirgends knapp, doch in der Nachschubkette mehren sich die Ausfälle. Nicht nur die Autohersteller erarbeiten Kurzarbeitspläne: 74 Prozent der Klein- und Mittelunternehmen leiden nach Branchenangaben unter dem Bahnstreik.

Hart getroffen ist auch das Reiseland Frankreich. Die Reservierungen in den Hotels und Restaurants sind schon im April um zehn Prozent zurückgegangen, was einer Einbuße von 150 Millionen Euro entspricht. Die SNCF selbst verliert an jedem Streiktag 20 Millionen Euro, wie ihr Vorsteher Guillaume Pepy vorrechnete. Zusammen mit der Industrie dürften die Verluste bereits eine Milliarde Euro übersteigen.

Für den französischen Fremdenverkehr ist vor allem der Imageverlust gravierend.  Die Tourismusberaterin MKG rechnet damit, dass in der aktuellen Buchungsphase für die Sommerferien Destinationen wie Spanien, Italien oder Kroatien dem streikversehrten Frankreich vorgezogen werden. Denn auch die Belegschaft der Fluggesellschaft Air France streikt seit Wochen periodisch, um höhere Löhne durchzusetzen. 

Ähnlich wie in der Reisebranche droht der ganze Energieschub, den Macrons Amtsantritt der französischen Wirtschaft verliehen hat, verloren zu gehen, wenn der Streik noch lange anhält. Das Wirtschaftswachstum hat sich in Frankreich im ersten Quartal verglichen mit Ende 2017 auf 0,3 Prozent halbiert. Der Einfluss des Bahnstreiks darauf ist umstritten. Langfristig wird er aber konjukturell zweifellos zu spüren sein. Das schwächt letztlich doch die Position Macrons, so entschlossen und gelassen er auch an der Bahnreform festhält. Und darauf setzen die Gewerkschaften: Ein streikbedingter Konjunktureinbruch würde seinen ganzen Reformelan zum Erliegen bringen.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Frankreich

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