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Frankfurter Messe-Konzern Das Heil liegt im Ausland

Bald beginnt wieder die größte Bücherschau. Mit prestigeträchtigen Gast-Events wie „Buchmesse“ oder der Automesse „IAA“ alleine lässt sich das weitläufige Gelände aber nicht finanzieren. Der Frankfurter Messe-Konzern setzt deshalb auf Marken-Export.

01.10.2010 20:47
Peter Dietz
Fahnen unterm Frankfurter Messe-Turm. Der Konzern ist stark international ausgerichtet. Foto: dpa

Ab Mittwoch strömen wieder die Massen. Es ist „Buchmesse“ in Frankfurt, und knapp 300.000 Besucher werden erwartet. Für den Frankfurter Messe-Konzern ist der Börsenverein des Deutschen Buchhandels als Veranstalter wichtiger Kunde. Schließlich zahlt der gutes Geld für Hallen und Dienste.

Mit prestigeträchtigen Gast-Events wie „Buchmesse“ oder der Automesse „IAA“ alleine lässt sich aber das weitläufige Gelände nicht finanzieren. Gewinn macht die weltweit drittstärkste Messe-Gesellschaft vor allem mit selbst entwickelten und in die Welt exportierten Fachausstellungen für Industrie und Handel. Mehr als 440 Millionen Euro will der Konzern 2010 umsetzen. Messe-Chef Wolfgang Marzin ist optimistisch, das Anfang des Jahres ausgegebene Planziel übertreffen zu können. „Es läuft gut“, sagt Marzin.

Im vergangenen Jahr hat auch die Messewirtschaft die Krise hart zu spüren bekommen – Firmen sagten Veranstaltungen ab, infolge von Fusionen und Pleiten sank zudem die Zahl potenzieller Aussteller. Zwar schrieben die Frankfurter auch 2009 schwarze Zahlen. Der Überschuss schmolz jedoch um ein Drittel auf 23 Millionen Euro zusammen.

Gewinnprognosen mag Marzin nicht abgeben. Er verweist auf hohe Investitionen in Immobilien, die das Ergebnis drücken. Für 250 Millionen Euro hat die Messe unter anderem die neue Halle 11 aufs Gelände gestellt. Schwarz blieben die Zahlen unterm Strich auch 2010, versichert Marzin. „Wir sind der gewinnstärkste Messeplatz auf deutschem Boden.“

Der Wettbewerb unter den Standorten ist hart. Das Angebot an Fläche ist in den vergangenen Jahren gestiegen: 2,75 Millionen Quadratmeter Hallenfläche müssen an 22 deutschen Messeplätzen unterhalten und gefüllt werden – drei Prozent mehr als 2006. Zugleich ist Zahl der Aussteller und Besucher jedoch bundesweit deutlich geschrumpft.

Der Besucher-Rückgang und die Krise bleiben nicht ohne Folgen

Dieser Trend und die Krise blieben für die mehrheitlich der öffentlichen Hand gehörenden Gesellschaften nicht ohne Folgen. Die Messe Essen etwa hat im vergangenen Jahr mit 12 Millionen Euro Miesen einen doppelt so hohen Verlust eingefahren wie ursprünglich prognostiziert. Kooperationen mit den Messenachbarn Köln und Düsseldorf sind laut Medienberichten schon angedacht. Auch die Frankfurter klagen über Schwund an der Heimatbasis. Vor allem Konsumgütermessen wie die „Tendence“ schwächelten zuletzt arg.

Das Heil sucht – und findet – der Konzern schon seit Jahren im Ausland. So exportiert die Gesellschaft eigene Ausstellungen wie die „Automechanika“ und die „Paperworld“ in andere Länder. Läuft es gut, bringen die im Ausland veranstalteten Messen sogar neue Firmen und Besucher nach Frankfurt. Übers Ausland kommt inzwischen ein Fünftel des Konzernerlöses. „Wir müssen global denken, um die Heimatbasis abzusichern“, sagt Marzin.

Vor allem Asien gilt als Wachstumsmarkt. So hat die Messe Frankfurt mit Stephan Burma den Chef ihrer Asia-Holding in die erweiterte Geschäftsleitung berufen. Der soll nicht vom Stammsitz Frankfurt, sondern von Hongkong aus Fäden ziehen. Ein Novum für die Messebranche und ein Signal für die 28 internationalen Töchter des Konzerns. In China etwa ist die Messe Frankfurt einer der größten ausländischen Veranstalter. Und der Marktanteil dort soll weiter wachsen.

In Frankfurt kreiert derweil eine Ideenschmiede neue Marken. Sicherheit ist ein Thema, in dem Marzin Stoff für neue große Messen erkennt. Die Frankfurter haben mit der „Intersec“ eine Fachveranstaltung entwickelt, die in Dubai und Buenos Aires stattfindet. Ein Import nach Frankfurt wäre nicht ohne Risiko.

Denn in Deutschland gibt es bereits eine etablierte Messe zum Thema Sicherheit, und die Unternehmen der Branche können oder wollen nicht auf zwei Messen ausstellen. Am 5. Oktober startet die „Security“ zum 19. Mal in Essen. Ein Abwerbeziel? Marzin hält sich bedeckt. Frankfurt locke und buhle nicht, sagt er. „Wir stehen aber als Partner mit unserer Kompetenz in dem Feld weltweit für Interessierte bereit.“

Letztlich entscheiden die Hersteller und deren mächtige Branchenverbände, wohin sie wollen. Eine solche Entscheidung steht etwa in Sachen IAA an. September 2011 wird die Auto-Schau sicher in Frankfurt stattfinden. Doch für die Folgejahre muss ein Vertrag mit dem Verband der Automobilindustrie (VDA) ausgehandelt werden. „Wir sprechen miteinander“, sagt Marzin. Mehr will er nicht sagen, das sei guter Stil während Verhandlungen. Auch beim VDA will man zum Stand der Gespräche derzeit nichts sagen. Ein Ergebnis werde Ende 2010, Anfang 2011 verkündet, heißt es.

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