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Frank Thelen „Irgendwann läuft es“

Start-up-Investor Frank Thelen über seine Rolle in der TV-Sendung „Die Höhle der Löwen“, seinen Weg aus der Verschuldung und seinen Hang zu Regelbrüchen.

Höhle der Löwen
Frank Thelen (4. von links) zusammen mit Carsten Maschmeyer, Judith Alexis Stecher-Williams, Georg Kofler, Dagmar Wöhrl und Ralf Dümmel (von links nach rechts) beim Photocall zur neuen Staffel von „Die Höhle der Löwen“. Foto: Imago

Eine Woche vor dem Start der neuen Staffel „Die Höhle der Löwen“ empfängt Frank Thelen im Büro seiner Investment-Firma Freigeist Capital in Bonn zum Interview. Am Tag zuvor hat er seine Autobiografie „Startup-DNA – Hinfallen, aufstehen, die Welt verändern“ vorgestellt. In dem Buch nennt er das Duzen seinen „Signature move“, sein Markenzeichen. Auch im Gespräch mit dem Reporter besteht er auf das Du.

Frank, Du schreibst in deinem Buch: „Ich komme gerne zum Punkt und verschwende ungerne meine Zeit.“ Kommen wir mal auf den Punkt: Wie groß ist das Vermögen, das Du mit dem Gründen von und Investieren in Start-ups gemacht hast?
Was ich persönlich auf dem Konto habe, reicht vollkommen aus, um ein sorgenfreies Leben zu führen. Mir ist wichtig, dass wir in meiner Investment-Firma Freigeist Capital nur unser eigenes Geld investieren. Am Anfang waren das 100.000 Euro pro Start-up, langsam hangeln wir uns Richtung eine Million. Es ist mein Traum, dass wir irgendwann mehrere Millionen Euro pro Start-up investieren können und damit kluge Köpfe in Deutschland mit Kapital voranbringen.

So weit zu sein, war mit Mitte Zwanzig kaum denkbar, Du hattest knapp eine Millionen Mark Schulden.
Ich habe die Dummheit begangen, privat für das Risiko meines Technologie-Start-ups zu haften. Das Kreditvolumen war bereits ausgeschöpft, als ich die Bürgschaft unterschrieben habe. Das hätte ich gar nicht machen müssen, aber das wusste ich nicht. Mir war das total egal, ich dachte, es geht immer weiter. Wenn man vor Millionenschulden steht, wird Geld doch wieder relevant. Ich konnte aber zum Glück einen Vergleich abschließen, der meine Insolvenz verhindert hat.

Du hast die Schulden bei der Bank inzwischen abgestottert, oder?
Bis vor wenigen Jahren habe ich jeden Monat die Raten überwiesen. Klar, das hätte ich irgendwann auch auf einen Schlag machen können, aber das wollte ich nicht. Ich will mich immer daran erinnern, wo ich herkomme.

Wie schwer war es, über das Scheitern zu schreiben?
Zu sagen, ich bin gescheitert, ist einfach. Aber beim Schreiben tief reinzugehen, tat weh. Mein ehemaliger Vorstandskollege Severin hat mir geholfen, und wir mussten überlegen, wie es damals wirklich war: Wann haben wir den Leuten gekündigt, wer hat geschrien, wer hat geweint, wie habe ich mich gefühlt? Das war nicht leicht.

Was bedeutet für Dich Erfolg?
Die Essenz des Erfolgs ist innere Zufriedenheit, wenn du morgens aufwachst und dich auf den Tag freust. Manche sind zufrieden, weil sie mit ihren Hunden spazieren gehen, andere weil sie eine Rakete starten, die sie über Jahre entwickelt haben. Mein Glück liegt im Schaffen von guten Technologien, ich will daran mit intelligenteren Menschen arbeiten, als ich es bin.

Bei der Zulassungsprüfung zur Informatik-Schule hast du von einem anderen Prüfling abgeschrieben, der überhaupt nicht einverstanden war. Du schreibst nun: „Manchmal gibt es im Leben diese Gelegenheiten, die man einfach beim Schopf packen muss.“ Findest du es okay, Regeln zu brechen?
Keiner hat Schaden genommen und ich habe Recht behalten, indem ich später Klassenbester war. Ethik ist manchmal eine Grauzone und ich freue mich, wenn meine Geschichte ein Anstoß ist, darüber zu reden, wann es okay ist, das System herauszufordern.

Für Dein erstes Geld hast Du den Kopierschutz von Software geknackt und sie für 100 Mark pro CD verkauft. War das okay?
Steve Jobs, eines meiner großen Vorbilder, hat Chips geklaut und damit seinen Mac gebaut. Ich wollte von dem Geld keinen BMW kaufen, sondern eigene Software entwickeln. Da finde ich es in Ordnung, denn ich hatte die richtige Intention.

Schafft man es nur nach oben, wenn man Regeln bricht?
Wenn du alles so machst, wie es vorgesehen ist, kommst du nicht effektiv voran. Wenn mir heute jemand das Konto leerräumt, um mit dem Geld das Meer von Plastik zu befreien, würde ich sagen: „Cool, wie hast Du das geschafft und was genau ist Dein Plan für das Projekt?“

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