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Fotografie-Messe Photokina – digital und multifunktional

Mit großem Programm wirbt die Photokina weniger um Fachbesucher als um das normale Publikum. Die wichtigste Neuerung ist die Kombination von Stand- und Bewegbild. Die FR stellt die Trends der Messe vor.

21.09.2010 09:30
Dirk Böttger
Die Photokina startet mit zahlreichen technischen Highlights. Foto: dpa

Die auf der Photokina erwarteten mehr als 150.000 Besucher haben die Qual der Wahl. Die Leitmesse der Foto- und Imagingbranche in Köln bietet ein Rekord-Angebot an Workshops, Seminaren, Vorträgen, Show-Shootings, Ausstellungen und Fotowettbewerben. Außerdem werden natürlich mehr als 1300 Aussteller ihre Produkte dem Publikum vorstellen. Die Photokina ist im Wandel von einer reinen Fachmesse hin zu einer Publikumsmesse mit Mitmach-Charakter.

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Dabei lassen sich mehrere Trends ausmachen. Der wichtigste liegt in der Verknüpfung von Film und Foto. Keiner der großen Kamerahersteller kommt mittlerweile mehr ohne hochauflösende Videofunktion in seinen Spiegelreflexkameras aus. Das hat auch zur Folge, dass ein völlig neues Zubehörsegment in der Entstehung ist.

Hand in Hand mit dem Videoboom geht der Trend zur kompakten spiegellosen Systemkamera. Dabei geben in dem jungen Kamerasegment nicht Platzhirsche wie Canon oder Nikon den Ton an, sondern eher Unterhaltungselektronikkonzerne wie Sony oder Panasonic, die mit diesen Kameramodellen vor allem die Verknüpfung verschiedener Medien wie Fernsehen, Video und Internet vorantreiben wollen.

Kamera im Handy

Ein Trend, bei dem zumindest der Konsument noch nicht so recht mitmachen will, ist 3D. Nur 25.000 3D-Fernseher wechselten in den ersten fünf Monaten 2010 in Europa den Besitzer. Vielleicht steigt die Nachfrage, wenn das Equipment für die Aufzeichnung auf den Markt kommt. Entwickelt werden Produkte vom 3D-Objektiv für die Spiegelreflexkamera bis zum 3D-fähigen Fotopapier.

Verknüpfung im virtuellen Sinne ist auch ein Stichwort für das „Mobile Imaging“. Dreiviertel aller verkauften Kameras befinden sich in Fotohandys. Diesem Trend zur Immer-dabei-Kamera – selbstverständlich mit Videofunktion – folgen viele Hersteller nicht zuletzt, um den Ansprüchen der bloggenden Internetgeneration gerecht zu werden.

Die Fotobranche freut sich derzeit über gute Verkaufszahlen: Die Marktforscher der GfK haben festgestellt, dass weltweit rund 403 Millionen Digitalkameras, 52 Millionen Camcorder und zwei Milliarden Kamerahandys in Gebrauch sind. Davon werden in Europa etwa 140 Millionen Digitalkameras, 17 Millionen Camcorder und 550 Millionen Kamerahandys genutzt.

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Lesen Sie auf der nächsten Seite über den Trend zu HD-Videos bei Spiegelreflexkameras

Trend 1

HD-Video bei Spiegelreflexkameras

Alle namhaften Hersteller setzen auch bei ihren Einsteiger-Modellen auf die Bewegtbildaufzeichnung in HD oder Full-HD. Während Canon bereits früh mit der EOS 550D auf diese Technologie setzte, zieht nun Nikon mit der D3100 und Sony mit den Alpha Modellen A560 und A580 im Einsteigersegment nach. Neben der Videoaufzeichnung in Full-HD zeigen die Einsteigermodelle einen weiteren Trend: in ihnen werden immer mehr Funktionen aus Kameramodellen der höheren Klassen verbaut werden.

Die Nikon D3100 (650 Euro) bietet mit ihrem 14-Megapixel- CMOS-Sensor im DX-Format nicht nur eine höhere Auflösung, sie ist auch rund 1,5-fach schneller als das Mittelklassemodell D90. Im Live-View-Modus steht erstmals ein kontinuierlicher Autofokus zur Verfügung. Bei den beiden Sony-Einsteigermodellen A560 (ca. 650 Euro) und A580 (ca. 800 Euro) kommt neben den CMOS-Sensoren in APS-C-Größe mit 14,2 Megapixeln (A 560) und 16,2 Megapixeln (A 580) ebenfalls ein neuer Bionz-Bildprozessor zum Einsatz. Dieser ermöglicht Serienbildgeschwindigkeiten von bis zu sieben Bildern in der Sekunde und bietet einige erweiterte Aufnahmefunktionen wie Auto-HDR-Fotos (Fotografien mit einem hohen Kontrastumfang) oder 3D-Schwenkpanoramen.

Wenn nun die neuen Einsteigermodelle Funktionen aus der Mittelklasse übernehmen, erhalten dann Mittelklasse-Kameras Funktionen aus der Oberliga? Im Falle der neuen Canon EOS 60D, der Nikon D7000 und der Pentax K-r stimmt diese Aussage. Semiprofessionelles Niveau erreicht die Pentax K-r dank des 12,4-Megapixel-CMOS-Sensors im APS-Format, Empfindlichkeitseinstellungen bis ISO 25 600 und einer Serienbildgeschwindigkeit von sechs Bildern je Sekunde.

Ein drei Zoll großer LCD-Monitor einschließlich Live-View-Funktion, eine HDR-Automatik, bei der drei aufeinanderfolgende Aufnahmen eines Motivs mit unterschiedlicher Belichtung zu einem optimalen Bild verrechnet werden, und HD- Videoaufzeichnungen runden die Ausstattung der rund 770 Euro teuren Kamera ab. Tiefer muss der Nikon-Fan für die 1189 Euro teure D7000 in die Tasche greifen. Dafür bekommt er aber ein Plus an Ausstattung. Das gilt auch für die EOS D60, die rund 1150 Euro kostet.

Lesen Sie auf der nächsten Seite über den Trend zur spiegellosen Systemkamera

Trend 2

Spiegellose Systemkameras

Ein Trend, der auf der Photokina 2008 aufkam, setzt sich durch. Die Rede ist von kompakten spiegellosen Systemkameras, deren erstes Modell, die Lumix G von Panasonic, damals in Köln präsentiert wurde. Diesem Credo folgend, wird Panasonic – wie übrigens Leica und Hasselblad auch – erst am heutigen ersten Messetag verraten, welche Neuheiten gezeigt werden.

Panasonic ist aber schon lange nicht mehr der einzige Anbieter in der CSC-Klasse (Compact System Camera). Olympus, Ricoh, Samsung und Sony zeigen sich sehr engagiert. Während Ricoh ein neues Aufnahmemodul für sein GXR-System präsentiert, das aus dem GXR-Gehäuse und dem Aufnahmemodul Ricoh Lens S10 24–72 mm besteht, setzt Olympus auf schwarze Sondereditionen der PEN E-P2 und die neuen Objektive M.Zuiko Digital ED 75–300 mm und M.Zuiko Digital ED 40–150 mm. Die wirklichen Innovationen kommen aber von Samsung und Sony.

Samsung führt mit der NX 100 in Kombination mit der neuen Objektivpalette ein völlig neues Bedienkonzept ein. Mit Hilfe der i-Function-Taste können eine Vielzahl von Aufnahmeparametern über den Einstellring direkt am Objektiv verändert werden. Zunächst unterstützen zwei neue Objektive das neue Konzept: das Pancake 20 mm und das Standardzoom 20–50 mm. Diese Objektive können auch an andere kompatible Kameras angesetzt werden, dann bleibt die i-Function-Taste allerdings ohne Funktion.

Sony bietet mit den NEX-Modellen schon zwei CSC-Apparate an und begnügt sich nicht mit einem neuen Bedienkonzept – es darf direkt eine neue Klasse zwischen den CSC- und den SLR-Modellen sein. Die Sony-SLT-Modelle greifen auf das Konzept des teildurchlässigen Spiegels auf – wobei das „T“ für „Translucent Mirror“ steht. Im Falle der Sony-Konstruktion bieten die SLT-Modelle A 55 V und A 33 ein schnelleres Autofokussystem, das sich an 15 Fokuspunkten orientiert. Sie ermöglichen sogar eine kontinuierliche Scharfstellung während der Serienaufnahme mit bis zu sieben Bildern (A 33) respektive zehn (A 55 V) Bildern pro Sekunde. Die Kameras kosten 649 und 749 Euro.

Lesen Sie auf der nächsten Seite über den Trend zur 3D-Fotografie

Trend 3

3D-Fotografie

Der Trend zum 3D-Bild wurde schon auf der Funkausstellung deutlich. Die Photokina widmet dem Thema eine Sonderausstellungsfläche in Halle 4.1. In einem 3D-Cafe bekommt der Besucher zum Beispiel die Möglichkeit, sich in 3D-animierte und zugleich realitätsnahe Alltagsszenen hineinversetzen zu lassen.

Der 3D-Pionier Fujifilm, der schon im vorigen Herbst eine 3D-Kamera für den Massenmarkt im Angebot hatte, bringt mit der 449 Euro teuren Fine Pix Real 3-D W 3 den Nachfolger an den Start. Die Digitalkamera ist kompatibel mit allen aktuellen 3D-Fernsehern und somit geeignet für Anwender, die 3D-Fotos und -HD-Videos erstellen wollen. Das geht im 3D-Auto-Modus quasi von selbst. Diese Fotos und Videos lassen sich auf dem 8,9 cm (3,5 Zoll) großen Widescreen-LCD der Kamera sofort begutachten, und zwar in 3D und ohne spezielle Brille. Diese ist nur nötig, wenn die Aufnahmen mit Hilfe eines handelsüblichen HDMI-Mini-Kabels auf einem 3D-Fernseher abgespielt werden. Fujifilm bietet zudem die Möglichkeit, durch ein spezielles Druckverfahren und Lentikular-Material auch dreidimensional wirkende Fotoausdrucke zu erstellen.

Nach Fernsehern und Blu-ray-Spielern entwickelt auch Panasonic Aufnahmeequipment für 3D. Geplant sind ein 3D-Objektiv für das Lumix-System im Micro-Four-Thirds-Standard sowie zwei Camcorder mit 3-D-Vorsatz. Mit den Objektiven von Loreo lässt sich eine Spiegelreflexkamera im Handumdrehen in eine 3D-Kamera verwandeln. Die 3D-Linse 3D Lens in a Cap 9004/9004-T kostet rund 130 Euro, die 3D Macro Lens 9006 rund 140 Euro.

Auch der taiwanesische Hersteller Aiptek will auf den Zug aufspringen und präsentiert sowohl den 3D-Camcorder i 2 für unter 200 Euro als auch einen 3D-fähigen digitalen Bilderrahmen mit der Bezeichnung P8.

Lesen Sie auf der nächsten Seite über den Trend zum Mobile Imaging

Trend 4

Mobile Imaging

Duale Systeme mit Foto- und Videoaufzeichnung sind bei der Generation Internet voll im Trend. Zu den einfach zu bedienenden Pocket-Cams zählen Sanyos Xcacti PD 1, Sonys Bloggie, die Picsio-Reihe von JVC, Kodaks PlayTouch, TA 1 von Panasonic oder Aiptek i 2. Die kompakte duale Kamera PD 1 filmt in Full-HD und hat einen dreifach optischen Zoom. Die knapp 150 Euro teure PD 1 ist kaum größer als ein Handy. Videos lassen sich leicht online stellen.

Auch bei der Picsio-Reihe landen sie per Knopfdruck im Netz. Das Modell GC-WP 10 ist sogar wasserdicht, kostet aber fast 250 Euro. Etwas günstiger ist die Playtouch Zi 10 von Kodak. Bedient wird die Kompaktkamera mit nur 100 Gramm Gewicht über einen Touchscreen. Videos werden in HD, Fotos mit fünf Megapixel aufgezeichnet. Auch die Sony Bloggie Touch wird per Touchscreen bedient. Ihr Gewicht von 125 Gramm und die kompakten Abmessungen prädestinieren sie als ständigen Begleiter.

Während des Filmens können Fotos mit einer Auflösung von 12,8 Megapixel aufgenommen werden. Ein Aufsatz für das Objektiv ermöglicht 360-Grad-Aufnahmen. Die 229 Euro teure Kamera kommt mit kostenlosem Online-Speicherplatz, der für Fotos sowie Videos genutzt werden kann und als Austauschplattform dienen soll. Die Panasonic TA 1 gibt es in vier Farbvarianten. Zu können Besitzer aus 45 Designfolien wählen oder Eigenkreationen drucken lassen.

Die rund 170 Euro teure TA 1 bietet Full-HD-Videos, Acht-Megapixel-Fotos und ist eine Webcam. Software zum Bearbeiten und Hochladen ist direkt installiert. Wie Fotos und Videos von den Kameras ins Netz kommen, erfahren Messebesucher im Bereich „Mobile Imaging“. Dem Trend, Bilddaten mit Freunden zu teilen, wird die Sonderfläche „Meet the Communities“ gerecht.

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