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Fossile Rohstoffe Katholisches Divestment

Kirchliche Organisationen steigen zunehmend aus fossilen Investments aus. Damit sind sie voll auf der Öko-Linie von Papst Franziskus. Unsere Analyse.

Papst Franziskus
Papst Franziskus‘ Öko-Linie ist nicht unumstritten. Foto: dpa

Raus aus Kohle, Öl und Gas“: Die „Divestment“-Bewegung wächst weiter. Institutionen mit einem Gesamtvermögen von rund sechs Billionen US-Dollar (4,9 Billionen Euro) haben inzwischen ihre Anlagen in Unternehmen der fossilen Industrien – also Aktien, Anleihen oder Investmentfonds – abgestoßen.

Neuen Schub erhielt die Bewegung jetzt durch die Ankündigung eines Bündnisses von 35 katholischen Organisationen, nicht länger in die fossilen Branchen zu investieren. Koordiniert wurde diese Aktion von der Weltweiten Katholischen Klimabewegung. Sie arbeitet daran, die Ziele der Umweltenzyklika „Laudato Si“ von Papst Franziskus umzusetzen.

Initiator der Divestment-Bewegung war 2010 der bekannte US-Umweltschützer Bill McKibben. Er hatte erkannt: Rund 80 Prozent der noch vorhandenen fossilen Rohstoffe müssen in der Erde bleiben, wenn die Klimaerwärmung bei maximal zwei Grad gestoppt werden soll. Dieses Ziel ist inzwischen auch im Weltklimavertrag von Paris von 2015 beschlossen worden. Um es zu erreichen, müsse es neben politischen Beschlüssen auch eine Abkehr der Investoren von den CO2-intensiven Energieträgern geben, so McKibben. Inzwischen haben sich über 850 Institutionen angeschlossen, darunter Versicherungen, Pensionsfonds, Großstädte, Universitäten und kirchliche Einrichtungen.

Religiöse Institutionen gehörten schon bisher zu den Antreibern des Divestment. Sie machen etwa 28 Prozent der Investitions-Umsteiger aus, gefolgt von Wohltätigkeitsorganisationen, Kommunen und Bildungseinrichtungen, darunter große US-Universitäten. Unter den 35 neuen Institutionen sind die Dachorganisation der nationalen Caritasverbände („Caritas Internationalis“) sowie verschiedene Diözesen. Auch mehrere katholische Banken, die laut der Klimabewegung zusammen ein Vermögen von rund 7,5 Milliarden Euro verwalten, kündigten an, ihre fossilen Investitionen binnen fünf Jahren abzuziehen. Ihr Ziel sei es, kirchlichen Anlegern künftig klimafreundliche und sozial gerechte Anlageoptionen zu bieten. Aus Deutschland beteiligen sich unter anderem die Pax Bank, die Bank im Bistum Essen und die Steyler Ethik Bank.

Caritas und Co. sind damit voll auf der Linie des Papstes, der den Klimawandel in Laudato Si als „eine der wichtigsten aktuellen Herausforderungen“ mit dramatischen Auswirkungen vor allem in den Entwicklungsländern bezeichnet hat. Der Präsident von Caritas Internationalis, Kardinal Luis Tagle, sagte, Hauptleidtragende der Klimakrise seien die Armen. „Wir ermutigen unsere Mitgliedsorganisationen und andere Gruppen und Organisationen, die mit der Kirche verbunden sind, das Gleiche zu tun.“ Jean-Claude Hollerich, Erzbischof von Luxemburg, ergänzt: „Divestment ist eine wichtige Möglichkeit für die Kirche, eine Vorreiterrolle im Kontext eines sich verändernden Klimas einzunehmen.“ Solche Äußerungen hoher Kirchenfunktionäre gelten auch innerkirchlich als wichtiges Signal. Denn Franziskus‘ Öko-Linie ist in der Kurie nicht unumstritten.

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