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Flugtaxis Abflug mit dem Taxi

Die Gründer des bayerischen Start-ups Lilium wollen mit Flugtaxis bald durchstarten und träumen von Landerechten am Münchner Odeonsplatz.

Flugtaxi
So könnten Start- und Landeplätze für die senkrecht abhebenden Flugtaxis einmal aussehen. Foto: Lilium

Ihn treibt spürbarer Enthusiasmus an. Seine Ideen schweben. Patrick Nathen überlegt einen Moment. „Es wird spannend, jeder ist ernst zu nehmen“, sagt der Firmengründer dann selbstbewusst zu schier übermächtigen Konkurrenten wie den europäischen Luft- und Raumfahrtriesen Airbus oder den mit Daimler verbündeten Konkurrenten Volocopter. Was er zusammen mit Daniel Wiegand, Matthias Meiner und Sebastian Born gegründet hat, ist der angehende Lufttaxi-Hersteller Lilium aus Oberpfaffenhofen. In einer breiten Öffentlichkeit bekannt gemacht hat die Idee CSU-Digitalstaatssekretärin Dorothee Bär. Das Gründerquartett will die Idee zum Abheben bringen. „In fünf Jahren können Sie per Handyapp ein Flugtaxi bestellen“, ist sich Nathen sicher.

Genau genommen ist Lilium schon abgehoben. Zum Schweben gebracht wurde 2017 Jahr eine zweisitzige Version des nach Lilium-Angaben ersten vollelektrischen Senkrechtstarters der Welt. Nun denkt man größer. „Wir planen jetzt ein fünfsitziges Lufttaxi“, erklärt Nathen. Ein Prototyp soll noch 2018 starten. Wenn alles klappt, geht es dann in die Zulassung, für die das Start-up drei weitere Jahre einplant.

„Wir machen uns auch Gedanken über einen Produktionsstandort“, verrät Nathen. Der könne in Deutschland oder anderswo sein. Die Gründer haben sich jüngst mit Bayerns Ministerpräsidenten Markus Söder getroffen, von dem sich Lilium unterstützt fühlt. Auch Behörden seien hierzulande entgegen gängiger Meinung sehr aufgeschlossen, auch wenn sie in asiatischen Ländern oft rascher entscheiden.

Technisch ist Lilium ohnehin in einem fortgeschrittenen Stadium. Andererseits müssen die Gründer mehr auf die Beine stellen als ein Produkt. „Ein Flugobjekt zu entwickeln ist das eine, eine Firma zu bauen, was anders“, räumt Nathen ein. Dazu kommt, dass Rivalen wie Airbus mit Luftfahrtbehörden jahrzehntelange Erfahrung haben.

„Es geht nicht einfach nur darum ein, elektrisches Vehikel zu bauen, das vom Boden abheben kann“, betont ein Airbus-Experte. Man müsse es auch zulassen können. Für Flugtaxis wie den im eigenen Haus entwickelten City Airbus oder den mit Audi geplanten Pop Up Next seien zudem völlig neue Regularien nötig. Im Zusammenspiel mit Behörden habe Airbus gegenüber Start-up-Firmen einen Wissensvorsprung.

Erfahrung kann man sich auch ins Haus holen. So hat Lilium vor kurzem den Autodesigner Frank Stephenson zum Designchef gemacht. Der 58-Jährige hatte zuvor unter anderem für Ferrari gearbeitet und für BMW den X5 designt. Als Personalchefin wurde zuvor von Tesla Meggy Sailer abgeworben, von Airbus Produktionsexperte Dirk Gebser. Erst im Juni hat Arnd Müller, der zuvor bei Esprit und Disney gemanagt hat, als Marketingchef angeheuert. Insgesamt 150 Spezialisten arbeiten mittlerweile für Lilium.

Auch bei der Finanzierung geht es bei dem 2015 gegründeten Jungunternehmen nach und nach in größere Dimensionen. Nachdem sich in einer ersten Runde Geldgeber wie Skype-Mitgründer Niklas Zennström und der deutsche Investor Frank Thelen mit zehn Millionen Dollar an Lilium beteiligt haben, wurde die Summe vorigen Herbst auf 100 Millionen Dollar verzehnfacht. Mit von der Partie sind auch der chinesische Internetkonzern Tencent, Twitter-Mitgründer Ev Williams und eine Liechtensteiner Privatbank. Spätestens wenn Entscheidungen zur Serienproduktion anstehen, muss aufgestockt werden. „Wir brauchen noch weitere Finanzierungsrunden“, stellt Nathen klar. Über die Dimensionen schweigt er.

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