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Flixbus „Wir haben einen neuen Markt geschaffen“

Flixbus-Chef André Schwämmlein über sein Zugprojekt, moderne Mobilität und deutsche Kleinstaaterei.

Flixbus
Flixbus transportierte im vergangenen Jahr 40 Millionen Kunden. Foto: rtr

Es sind erst fünf Jahre vergangen seit André Schwämmlein (36) mit zwei Freunden in München Flixbus gegründet hat. Heute ist die Firma quasi Monopolist im Fernbus-Segment: Die grünen Busse transportierten im vergangenen Jahr 40 Millionen Kunden – das macht nach Schätzungen einen Marktanteil von mehr als 90 Prozent. Damit nicht genug: Flixbus hat 140 neue Haltestellen in Deutschland angekündigt, mischt auf dem gerade geöffneten Fernbusmarkt in der Schweiz mit, expandiert in die USA und konkurriert als Flixtrain mit der Deutschen Bahn auf der Schiene. Ein Gespräch über Risiken und die Zukunft der Verkehrsbranche. 
 
Herr Schwämmlein, unter den zahlreichen Projekten, die Flixbus angekündigt hat, sind zwei besonders riskant. Eines davon ist die Expansion in den gesättigten US-Markt, auf dem Greyhound 40 Prozent hält. Wie wollen Sie da bestehen? 
Wir müssen es auch in den USA schaffen, das Produkt Bus neu zu erfinden und ganz neue Kunden zu gewinnen. An der US-Westküste ist das Image des Fernbusses noch extrem schlecht – deswegen sind wir gerade dort gestartet. Wir halten an den Universitäten, wollen die jungen Leute ansprechen, die Lust auf Reisen ohne Auto haben. Das passiert dort zurzeit nicht. 
 
Das zweite Projekt ist Flixtrain, mit dem Sie der Deutschen Bahn auf der Schiene Konkurrenz machen. Andere vor Ihnen sind daran gescheitert. Was lässt Sie glauben, dass es Ihnen anders ergehen wird? 
Hier ist die Lage ähnlich: Wir wollen der Deutschen Bahn gar keine Marktanteile abnehmen. Heute fährt die DB mehr Menschen als je zuvor und macht so viel Umsatz wie noch nie. Wir haben also auch bisher keine Kunden abgeworben, sondern einen neuen Markt geschaffen: Wir haben Menschen aus ihren Autos rausgeholt und Menschen zum Reisen gebracht, die das vorher nicht konnten. 
 

Natürlich sprechen Sie mit Ihrem Angebot aber auch den Kundenstamm der DB an. 
Klar ist Flixtrain ein Wettbewerbsprodukt zum ICE. Aber nur zu sagen: Ich nehme ein paar Leute aus dem ICE raus – das wäre zu uninspiriert. Das Ziel muss sein, dass wir in Deutschland am Ende nicht 150 Millionen Menschen auf der Schiene haben, sondern 200 Millionen Bahnfahrer und mehr. Das ist zurzeit ja auch politischer Wille. Wir wollen da unseren Beitrag leisten – und den Rückenwind nutzen. 
 
Auch als Reaktion auf die Konkurrenz durch Flixtrain hat die DB kürzlich Supersparpreise von 19,99 Euro angekündigt und eine stärkere Kooperation mit dem ÖPNV. Sehen Sie die Gefahr, dass Sie die Bahn besser machen und selbst untergehen?
Das ist der Kollateralgewinn für den Kunden. Natürlich ist es einfacher, wenn sich der Wettbewerber gar nicht bewegt. Aber die Zeiten sind vorbei. Wir haben auch die letzten fünf Jahre gut überstanden. Ich behaupte: Flixtrain wird nicht verschwinden.

Ihre Tickets sind extrem günstig, die Fahrten selten, die Züge etwas älter. Wollen Sie irgendwann auch für Kunden der ersten Klasse interessant werden?
Wir wollen Mobilität für alle bieten. Für jene, die ihre Familie oder Freunde besuchen und flexibel reisen. Es wird auch demnächst nicht Erste-Klasse- oder 300-Kmh-Hochgeschwindigkeitszüge geben. Flixtrain soll ein Produkt sein, das zwischen ICE und Flixbus steht.

Sie haben aber angekündigt, ab Dezember auf der Schnellstrecke zwischen Berlin und München fahren zu wollen, wenn Sie den Trassenzuschlag erhalten. Das ist eine reine ICE-Strecke mit in Deutschland einzigartiger Ausrüstung. Wie soll das technisch funktionieren? 
Falls wir den Trassenzugang erhalten sollten, ist noch unklar, wann wir überhaupt starten. Wir sind ja nicht verpflichtet, gleich im Dezember loszulegen. Es braucht auf dieser Strecke ein spezielles Leitsystem für die Lok. Das ist grundsätzlich aber nicht unmöglich, auch wenn wir keinen neuen ICE bekommen. Den wird uns die Bahn wohl keinesfalls verkaufen.
 
Sie haben mehrere neue Strecken beantragt. Die Trassenvergabe ist Aufgabe der Bahntochter DB Netz. Befürchten Sie, benachteiligt zu werden? 
Die Botschaft von Politik, Bahn und DB Netz lautet bisher eindeutig: Wir begrüßen den Wettbewerb. Deswegen bin ich grundoptimistisch. Genau wissen wird man es erst, wenn wir die Trassen bekommen. Spannend wird es natürlich auch, wenn wir mehr wollen als das – mehr Trassen, eine höhere Taktung, mehr Wachstum. 
 

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