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Fipronil-Skandal EU beruft im Eier-Skandal Krisensitzung ein

1. Update Das Ausmaß des Fipronil-Skandals wird immer größer. Dennoch nimmt der Discounter Aldi Eier wieder ins Angebot - sie seien alle auf das Insektizid getestet. Die EU beruft nun eine Krisensitzung ein.

11.08.2017 07:22
Eier
Mehr als zehn Millionen vergiftete Eier könnten aus den Niederlanden nach Deutschland geliefert worden sein, berichtet das Landwirtschaftministerium. Foto: Rolf Oeser

Nach Deutschland wurden laut Bundeslandwirtschaftsministerium „rund 10,7 Millionen möglicherweise mit Fipronil belastete Eier aus den Niederlanden (...) geliefert“. Das berichtet „Rheinische Post“ unter Berufung auf eine Antwort des Ministeriums auf eine kleine Anfrage der Grünen-Fraktion. Zuvor hatte Niedersachsens Agrarminister Christian Meyer (Grüne) bereits von mutmaßlich zehn Millionen betroffenen Eiern gesprochen.

Der Skandal um mit Fipronil belastete Eier zieht in Europa immer weitere Kreise. Nun beruft die EU eine Krisensitzung ein. Gesundheitskommissar Vytenis Andriukaitis erklärte am Freitag gegenüber der Nachrichtenagentur AFP, er habe ein Treffen der zuständigen Minister sowie Behördenvertreter der betroffenen Länder vorgeschlagen. Es solle stattfinden, sobald alle Fakten auf dem Tisch liegen.

Deutsche Verbraucher sollen hingegen mit mehr geprüften Eiern in den Regalen von Supermärkten rechnen können. So haben die Discounter Aldi Nord und Süd Eier wieder ins Angebot aufgenommen, nachdem sie Ende vergangener Woche sämtliche Eier vorsorglich verbannt hatten. Nur in Einzelfällen könne es noch zu Engpässen kommen, teilten die Supermarktketten mit. Die Eier, die jetzt in den Verkauf gehen, sollen auf das Insektizid getestet sein. In anderen Ländern kommt das Ausmaß betroffener Lieferungen aber gerade erst ans Licht - und die Ermittlungen werden konkreter.

Tonnenweise vergiftete Eier in Dänemark

20 Tonnen mit Fipronil belastete Eier wurden zudem nach Dänemark geliefert. Das teilte die Behörde für Lebensmittelsicherheit am Donnerstagabend mit. Eine dänische Firma habe die gepellten und gekochten Eier von einem belgischen Händler bezogen - produziert wurden die Eier demnach aber in den Niederlanden. Die Belastung mit den Insektengift sei zwar nicht gesundheitsschädlich, aber zu hoch für den Verkauf.

Großbritannien geht mittlerweile von 700.000 belasteten Eiern aus, die importiert wurden. Das ist etwa 33 Mal so viel wie zunächst angenommen. Rumänien teilte am Donnerstagabend mit, die Behörden hätten eine Tonne flüssiges Eigelb mit Fipronil-Belastung sichergestellt - geliefert wurde die Ware demnach aus Deutschland. Das Eigelb soll nun verbrannt werden.

In Österreich verkauften zwei Großhändler Hunderte Kilo gekochter und geschälter Eier aus den Niederlanden, die mutmaßlich belastet sind, wie die Lebensmittelaufsicht mitteilte. Eine Rückrufaktion laufe. Für die Chargen hatte es demnach in Deutschland eine Warnung gegeben.

In Frankreich sind laut Landwirtschaftsministerium bislang nur Eier betroffen, die zur Weiterverarbeitung bestimmt waren. Fünf Betriebe haben demzufolge insgesamt 1,7 Millionen kontaminierte Eier aus den Niederlanden und aus Belgien bekommen. Auch Luxemburg, Schweden und die Schweiz sind vom Skandal betroffen - Spanien, Portugal und Italien nach ersten Erkenntnissen hingegen nicht.

Zwei Manager verhaftet

Am Donnerstag nahm die niederländische Polizei in dem Skandal zwei Manager des Unternehmens ChickFriend fest, das im Zentrum der Ermittlungen steht. Die Männer stehen unter Verdacht, bei der Säuberung von Hühnerställen bewusst Fipronil eingesetzt zu haben. Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen eine Gefährdung der öffentlichen Gesundheit sowie den Besitz verbotener Substanzen vor. ChickFriend schweigt seit Tagen zu den Vorwürfen.

Die Festnahmen erfolgten nach Angaben der Ermittler im Zuge einer koordinierten Razzia in den Niederlanden und Belgien. Alle rund 180 niederländischen Eierproduzenten, bei denen mit Fipronil belastete Eier gefunden wurden, waren den bisherigen Erkenntnissen zufolge Kunden von ChickFriend.

Fipronil wird etwa bei Hunden gegen Hautparasiten wie Läuse, Milben und Flöhe eingesetzt. Die Anwendung bei Tieren, die Lebensmittel liefern, ist in der EU aber verboten. In hohen Dosen kann die Substanz für Menschen gefährlich sein. Wie sie genau wirkt, ist nicht bekannt. Nach ersten Erkenntnissen gab es laut Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) keine Befunde mit einem möglicherweise gesundheitsschädlichen Gehalt an Fipronil pro Kilogramm Ei. (dpa)

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