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Fipronil Eier-Skandal noch übler

Belgischer Minister: Mit Fipronil verseuchte Ware ist seit vergangenem Jahr im Umlauf.

09.08.2017 18:39
Fipronil-Krise
Untersuchung läuft: Ein Prüfer analysiert in einem Labor in Münster Eier. Foto: dpa

Die Ausmaße des Skandals um mit dem Insektizid Fipronil verseuchte Eier sind möglicherweise weitaus größer als bisher angenommen. Der belgische Landwirtschaftsminister Denis Ducarme erhob am Mittwoch in Brüssel schwere Vorwürfe gegen die Niederlande: Die dortigen Behörden hätten bereits Ende November 2016 von belasteten Eiern gewusst, allerdings nicht darüber informiert, sagte er. Demnach wäre anzunehmen, dass die verseuchten Eier schon seit Monaten im Umlauf waren und damit auch von Verbrauchern verzehrt worden sind.

Seinem niederländischen Kollegen liege ein Bericht vor, wonach schon im November 2016 bei Eiern Fipronil gemessen wurde, sagte Ducarme bei einer Sondersitzung der Ausschüsse für Landwirtschaft und Gesundheit im belgischen Parlament. Die belgische Lebensmittelsicherheitsbehörde habe von dem Bericht nur über gute Kontakte erfahren. „Es gab über diesen Bericht keinerlei offizielle Kommunikation der Niederlande.“

Außerdem hätten die belgischen Behörden mehr als einen Monat auf Informationen der niederländischen Kollegen warten müssen, die erlaubt hätten, die Verbreitung Fipronil-belasteter Eier nachzuvollziehen und Gegenmaßnahmen einzuleiten. „Ein Monat. Ein Monat ohne die geringste Information der niederländischen Agentur. Was heißt das? Das heißt, dass wir keinen Zugang zu einer Kundenliste der niederländischen Firma hatten“, sagte Ducarme.

Derzeit wird angenommen, dass ein belgischer Hersteller einem gängigen Reinigungsmittel Fipronil beimengte und die Mischung an Betriebe in Belgien, den Niederlanden und Deutschland verkaufte. „Wir haben einen Monat verloren, um Tests zu machen“, so Ducarme.

Die deutsche Geflügelwirtschaft reagierte empört auf die neuen Informationen. „Jetzt ist die EU-Kommission gefragt, für Aufklärung zu sorgen“, sagte Verbandspräsident Friedrich-Otto Ripke der „Neuen Osnabrücker Zeitung“. Es könne nicht sein, dass einzelne Staaten wichtige Informationen zu Lebensmitteln nicht sofort an die anderen EU-Mitgliedsstaaten weitergeben. Ein solches Verhalten sei nicht europarechtskonform.

Auch Bundesagrarminister Christian Schmidt (CSU) fordert infolge des Eier-Skandals eine bessere Weitergabe von Informationen auf europäischer Ebene. Er erwarte „lückenlose Aufklärung“. Seine beiden belgischen und niederländischen Kollegen hätten ihm „volle Transparenz und schnelle Informationen zugesichert“. Man habe sich verständigt, deutsche Verbindungsbeamte in die Behörden der Niederlande und Belgiens zu schicken. So solle der Informationsfluss gewährleistet werden.

Schmidts niedersächsischer Amtskollege Christian Meyer (Grüne) hält den Fipronil-Skandal in seinem Bundesland derweil für überwunden. Untersuchungen von Eiproben und Produkten hätten ergeben, dass über vier ermittelte Betriebe hinaus keine weiteren Eierproduzenten in Niedersachsen von dem Skandal betroffen seien, sagte Meyer am Dienstag in Hannover. „Das ist, glaube ich, ein gutes Zeichen.“ Alle Proben von außerhalb der betroffenen Betriebe seien negativ gewesen. 

Bundesweit untersuchen Labore Eier auf Fipronil. So tauchten in Baden-Württemberg nach Regierungsangaben bislang keine heimischen Eier mit einer Fipronil-Belastung auf. Auch in Schleswig-Holstein stellte das Landeslabor kein Fipronil in Eiern aus Hühnerbetrieben der Region fest. In Rheinland-Pfalz hieß es, Hinweise, dass fipronilhaltige Mittel in rheinland-pfälzischen Geflügelhaltungen zum Einsatz gekommen seien, gebe es bisher keine.
Aldi Süd erklärte, dass es nach und nach wieder Eier in den Filialen zu kaufen gebe. „Wir rechnen damit, bis Donnerstag wieder sukzessive Eier aller Haltungsformen anbieten zu können“, teilte der Konzern mit. Aldi Nord erklärte, dass die Lieferanten bestätigen müssen, dass die Eier kein Fipronil enthalten. Aldi Nord und Süd hatten am Freitag angekündigt, alle Eier aus dem Sortiment zu nehmen.  (dpa/afp)

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