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Fintech Kredit nach anderen Kriterien

Das Düsseldorfer Unternehmen Auxmoney gibt auch jenen Geld, die bei herkömmlichen Banken durch das Raster fallen.

Jeder Kreditsuchende hinterlässt Spuren im Netz. Auxmoney nutzt sie zur Beurteilung seiner Bonität. Foto: dpa

Sind Sie mit dem Internet Explorer von vor zwei Jahren unterwegs, oder nutzen Sie die neueste Version von Chrome oder Safari? Bei Auxmoney kann der Browsereinsatz darüber entscheiden, ob ein Kunde Geld bekommt. Die Online-Kreditplattform verfolgt alle verfügbaren Daten-Spuren im Netz, um zu entscheiden, wem sie Kredit gewährt. „Grundsätzlich werten wir möglichst viele Daten aus der Interaktion mit dem Kreditsuchenden aus, um uns ein umfassendes Bild zu machen“, sagt Auxmoney-Manager Andreas Barthelmess.

Das Düsseldorfer Unternehmen, das hierzulande gegen Konkurrenten wie Lendico und Smava antritt, ist eines der größten Fintechs in Deutschland. 2007 gegründet, hat die Plattform inzwischen über 250 Millionen Euro an Krediten ausgezahlt, mehr als 80 Millionen Euro alleine im ersten Halbjahr dieses Jahres. Die Grundüberlegung ist simpel: „Indem wir mehr Daten auswerten, können wir auch Menschen Kredite vermitteln, die von herkömmlichen Banken als Risikogruppe ausgeschlossen werden“, sagt Barthelmess.

Viele Kreditinstitute stufen Studenten, Arbeitnehmer in der Probezeit oder Selbstständige grundsätzlich als Risikogruppe ein. „Sie bekommen selten von Banken einen Kredit.“ Auxmoney geht anders vor: „Wir machen das Tor erstmal viel weiter auf und prüfen dann differenzierter“, so  Barthelmess.

Ähnlich wie klassische Banken nutzt auch Auxmoney im ersten Schritt Daten von Schufa und anderen Auskunftsdateien. „Stellt sich heraus, dass jemand einen Kredit nicht zurückgezahlt hat, endet die Kreditabfrage“, sagt Barthelmess. Für die weitere Prüfung seien die Daten der Schufa allein aber zu pauschal: Wenig hilfreich, um jene zu beurteilen, die keine perfekte oder keine ausreichende Kredithistorie haben. Genau diese Zielgruppe nimmt Auxmoney ins Visier. „Es gibt Millionen Menschen, die keinen Kredit bekommen und von Banken zu Unrecht ausgeschlossen werden“, sagt Barthelmess.

Auxmoney setzt darauf, dass es möglich ist, durch die Auswertung möglichst vieler Daten, auch bei dieser Gruppe die Ausfallwahrscheinlichkeit korrekt zu bestimmen. Dazu fragt die Plattform einerseits  Daten der Kunden ab, etwa zur Höhe des Einkommens und seiner Ausgaben. Andererseits wertet sie alle Daten aus, die über den Antragsteller verfügbar sind: Verhaltensdaten oder die Daten, die er bei der Nutzung der Website selbst hinterlässt: Hunderte von Merkmalen sind das, so wie der benutzte Browser. Das Problem: „Ein Datenpunkt allein sagt meist noch gar nichts aus“, sagt Barthelmess.

Das Datenpuzzle verstehen

Beispiel Internet-Browser: „Ein Rentner, der mit einem älteren Browsertyp im Internet unterwegs ist, kann genauso bonitätsstark sein, wie ein junger IT-Experte, der auf dem neuesten Stand der Technik ist und einen aktuellen Browser nutzt“, erklärt Barthelmess. „Erst in Kombination mit anderen Datenpunkten wird daraus ein trennscharfes Merkmal.“

Ebenso doppeldeutig ist die Geschwindigkeit, mit der ein Kunde auf die Bestätigungsmail reagiert – ein weiteres Merkmal, das Auxmoney auswertet. „Wer übereilt Geld braucht, würde schnell die Bestätigungsmail beantworten, aber: Wer redlich und gewissenhaft den Kredit beantragt, wird auch sofort antworten. Beide Intuitionen können richtig sein.“

Auxmoney lernt mit jedem Kredit dazu. So vermuteten die Datenspezialisten anfangs, dass Antragsteller, die eine E-Mail-Adresse mit vollständigem Namen benutzen, seriöser einzustufen sind als solche mit wilden Fantasienamen und Pseudonymen. Doch Barthelmess sagt: „Inzwischen wissen wir: Ein Nutzer mit einer Adresse wie max.musterman@web.de zahlt den Kredit nicht zuverlässiger zurück als einer, der die Adresse heißerfeger35@web.de benutzt.“

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Fintech

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