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Finanzminister Le Maire „Ich glaube nicht an Wirtschaftswunder“

Frankreichs Finanzminister Le Maire spricht im Interview über die Reformen im Lande und was noch zu tun bleibt.

Bruno Le Maire
Bruno Le Maire leistet in der französischen Nationalversammlung Überzeugungsarbeit. Foto: afp

Seit der Wahl von Präsident Macron ist Frankreich, sind die Franzosen in Aufbruchstimmung. Erlebt das Land ein neues Wirtschaftswunder?
Solange die Franzosen nicht das Gefühl haben, dass die Dinge sich wirklich geändert haben, kann man nicht von einem Wunder sprechen. Immerhin ist es ein Fortschritt, dass ein Präsident gewählt wurde, der für Hoffnung und Vernunft steht, während in England der Brexit, in Deutschland die AfD und in Frankreich der Front National aufkamen. An Wirtschaftswunder glaube ich nicht. Hingegen an die Umsetzung von Wahlversprechen.

Wie würden Sie die Entwicklung in Frankreich dann beschreiben?
In Frankreich ist ein tiefgreifender Wandel der Wirtschaft im Gange. Unsere Arbeitsmarktreform von 2017 erlaubt Unternehmen mehr Flexibilität, unsere Steuerreform ist die wichtigste der letzten dreißig Jahre. Die Kapitalbesteuerung abzubauen, um die Wirtschaft besser zu finanzieren, bedeutet eine totale Umstellung für Frankreich.
 
Setzen Sie die Reformen 2018 fort?
Wir werden sie noch beschleunigen, und zwar im Bereich der Berufsbildung und –lehre. Mitte April werde ich zudem ein Gesetz für mehr Wachstum vorlegen, denn anders als in Deutschland sind viele der hiesigen Betriebe zu klein, um im Ausland zu reüssieren. All das beruht nicht auf einem Wunder. Es ist eine Frage des Willens. Und den haben wir.

Fürs Erste schlägt sich die Reform des Arbeitsrechts aber vor allem in der Zunahme von Entlassungen nieder.
Es ist meine Aufgabe, das solide Wachstum Frankreichs auszunützen, um den Unternehmen die Schaffung neuer Jobs zu ermöglichen. Auch deshalb müssen wir das Sparkapital in Richtung der Klein- und Mittelunternehmen umleiten. All das setzt viel Zeit voraus. Wir brauchen Geduld. Die Franzosen müssen uns mindestens zwei Jahre geben. Außerdem wurden 2017 in der Privatwirtschaft 264 000 Stellen geschaffen. Und: Google hat angekündigt, ein Forschungszentrum in der Bretagne zu bauen, die chinesische Online-Handelsplattform JJ will ihr wichtigstes Logistikzentrum in Frankreich ansiedeln und Toyota steckt 300 Millionen Euro in die Erweiterung ihres Werkes in Valencienne in Nordfrankreich.
 
Macron will auch die Finanzbranche von der Londoner City nach Paris locken.
Es ist eines unserer Ziele, dass Paris der größte Finanzplatz Europas wird. JP Morgan, Bank of America oder Goldman Sachs wollen ihre französischen Niederlassungen ausbauen. Und dann will Frankreich auch in der so wichtigen „grünen Finanz“ eine Schlüsselrolle spielen.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Frankreich

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