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Fessenheim Pannen-Akw bleibt am Netz

Das Elsässer Atomkraftwerk kann nicht wie vorgesehen im nächsten Jahr abgeschaltet werden.

Die Fessenheim-Saga entwickelt sich zu einer endlosen Geschichte. Nach jahrelangem Hin und Her sollte Frankreichs ältestes, in einer Erdbebenzone liegendes Atomkraftwerk nächstes Jahr stillgelegt werden. Der frühere Staatspräsident François Hollande hatte es in seiner Amtszeit von 2012 bis 2017 trotz schriftlicher Wahlversprechen nicht geschafft, den Doppelreaktor abzuschalten. Sein Nachfolger Emmanuel Macron legte sodann fest, dass Fessenheim „spätestens 2019“ vom Netz gehen solle.

Daraus wird wohl – wieder – nichts. Grund sind technische Schwierigkeiten des im Bau befindlichen Druckwasserreaktors (EPR) in Flamanville (Normandie). Dessen Inbetriebnahme ist die Voraussetzung für die Stilllegung von Fessenheim. Diesen Handel hatte die Betreiberin Electricité de France (EDF) durchgesetzt, um die nationale Stromversorgung insgesamt auf dem Niveau von 63 Gigawatt zu halten. 

Laut Pariser Pressemeldungen haben die Reaktorprüfer Mängel an den Schweißsnähten im Sekundärkreislauf des EPR festgestellt. Fast alle der 150 Bruchstellen müssen, da potenziell undicht, neu geschweißt werden. „EDF hoffte auf kleinere Ausbesserungen“, meinte der unabhängige Nuklearexperte Yves Marignac am Donnerstag. „Jetzt müssen sie jede Leitungsnaht aber mit der Lupe überprüfen und nach den Regeln der Kunst neu verschweißen.“ Jede Naht der 360 Meter langen Leitung erfordere rund sechs Wochen Arbeit.

Am Donnerstag war eine interne Kommission einberufen worden, um den „Einfluss auf den Zeitplan der Inbetriebnahme“ des EPR Flamanville zu beratschlagen. Thierry Charles, Chef des Institutes für nukleare Sicherheit (IRSN), hatte zuvor dem Fachblatt Montel erklärt, dass sich die geplante Inbetriebnahme des EPR „um mehrere Monate“ verzögern könnte. Das neue Stichtag dürfte im Jahre 2020 liegen, wenn nicht gar später.

EDF verweigerte dazu vorerst jede Stellungnahme. Charles erklärte hingegen, dass nicht nur die Schweißnähte des Sekundärkreislaufs, sondern noch „andere Kategorien der mechanischen Infrastruktur“ des EPR Reparaturen erfordern könnten. 2015 hatten die Atomsicherheitswächter bereits „Anomalien“ in der Stahldecke des neuartigen Reaktors entdeckt.

In Paris liegt das Augenmerk vor allem auf den negativen Folgen für die französische EPR-Industrie. Länder wie Großbritannien oder Indien haben bei EDF Anlagen dieser dritten AKW-Generation bestellt.

Die Auswirkungen auf die Zukunft von Fessenheim werden in Paris dagegen kaum diskutiert, obwohl die Probleme in Flamanville automatisch auf das Elsässer Werk durchschlagen. Umso mehr Aufmerksamkeit findet die Zukunft Fessenheims in Deutschland und der Schweiz. Die Behörden in Stuttgart und Basel, aber auch die Regierungen in Berlin und Bern, weisen seit langem darauf hin, dass das 1977 in Betrieb genommene AKW nicht nur in einer Erdbebenzone liege, sondern auch acht Meter unter der Wasseroberfläche des benachbarten Rheinkanals. Paris hatte die Schließung erstmals für 2016 versprochen.

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