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Fed Deutsche Bank fällt bei US-Stresstest durch

Die US-Notenbank Fed lässt die Deutsche Bank beim Stresstest durchfallen. Das ist nicht die einzige Hiobsbotschaft für John Cryan.

John Cryan hat die Deutsche Bank noch nicht auf Kurs. Foto: REUTERS

Das kann man PR-technisch durchaus als einen GAU bezeichnen. John Cryan ist an diesem Freitag ein Jahr im Amt als Chef der Deutschen Bank, und ausgerechnet einen Tag vorher steht das von Skandalen erschütterte größte deutsche Kreditinstitut wieder einmal negativ im Rampenlicht: Die amerikanische Notenbank Federal Reserve lässt eine US-Tochter der Bank beim alljährlichen Stresstest wegen massiver qualitativer Mängel beim Risikomanagement und den internen Kontrollen durchfallen- – zum zweiten Mal in Folge.

Und der Internationale Währungsfonds (IWF) kommt in einer Studie zur Stabilität des Deutschen Finanzsystems zur Einschätzung, die Deutsche Bank sei im Hinblick auf die Verbreitung von Finanzschocks auf andere Banken das riskanteste Geldhaus der Welt.

Als der 55-jährige Brite zum 1.Juli 2015 den Investmentbanker Anshu Jain beerbte und die Führung der Deutschen Bank zusammen mit Jürgen Fitschen übernahm, machte er sich über den Zustand des Hauses keine Illusionen. Damals schien Deutschlands größtes Bankhaus in so ziemlich alle Skandale verwickelt zu sein, die weltweit die Branche erschütterten. Die IT-Systeme nannte Cryan „lausig“, die Kosten teilweise „inakzeptabel“, auch die Bonuszahlungen einzelner Top-Investmentbanker seien überzogen.

Cryan versprach damals wenig, was das Herz von Anlegern beglückt hätte, aber immerhin eine „bessere Deutsche Bank“, die ihren „Platz in der Mitte der Gesellschaft“ wiederfinden würde. Doch davon ist die Deutsche Bank noch weit entfernt, auch wenn Cryan fast das gesamte führende Management ausgetauscht und die Bilanz ausgemistet hat.

Aktie fällt weiter

Die Aktie der Deutschen Bank spiegelt diesen Zustand ziemlich gut wider. Am Donnerstag fiel sie wegen des verpatzten Stresstests um bis zu 4,8 Prozent und markierte mit 12,05 Euro ein neues Rekordtief. Seit Jahresbeginn hat sich ihr Wert damit bald schon halbiert. „Ein neuer Tag mit einer neuen negativen Geschichte für die Deutsche Bank“, kommentierte am Donnerstag ein Aktienhändler resigniert. Dabei ist die US-Notenbank mit den Kapitalpuffern der Deutschen Bank Trust Corporation – einer von sechs US-Töchtern, die für Zahlungsverkehr und Vermögensverwaltung zuständig ist – durchaus zufrieden.

Kritisiert wird, und das ist vor allem peinlich, dass die Deutsche Bank „weiterhin große ungelöste Probleme mit seinen Kontrollsystemen“ hat. Peinlich ist ferner, dass 31 meist amerikanische Banken den Stresstest bestanden haben, so dass sie in der Konsequenz Gewinne ausschütten dürfen. Darauf muss die Deutsche Bank in Frankfurt nun verzichten. Die Aktionäre kennen das bereits. Auch sie bekamen zuletzt keine Dividende.

Und der IWF? Er schreibt in seinem aktuellen Fünfjahresbericht: „Unter den global tätigen Banken mit systemischer Bedeutung scheint die Deutsche Bank der wichtigste Nettolieferant von Systemrisiken zu sein.“ Grundlage für diese Einschätzung sind die Beziehungen des Instituts zu anderen Banken: Man könnte auch sagen, die Deutsche Bank ist im Falle einer Krise besonders ansteckend. Und deshalb rät der IWF, den Großbanken auf die Finger zu schauen. John Cryan hat noch viel vor sich, bis seine Bank „wieder in der Mitte der Gesellschaft“ steht.

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