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„Fat Cat Day“ Fette Katzen in Großbritannien

Vorstände britischer Top-Konzerne haben am 4. Januar schon so viel verdient wie Normalarbeitnehmer in einem ganzen Jahr. Und in Deutschland? Die Analyse.

Britische Pfund
In Großbritannien haben die Top-Manager bereits jetzt gut gefüllte Geldbeutel. Foto: Imago

Jedes Jahr errechnet der Bund der Steuerzahler (BdSt) den so genannten Steuerzahlergedenktag – den Tag, bis zu dem der durchschnittliche Steuerzahler nur für Steuern und Abgaben gearbeitet hat. Er liegt üblicherweise Mitte Juli. Mit dem Gedenktag nährt der BdSt zwei Irrtümer. Erstens: Das Geld, das die Bürger an den Staat zahlen, ist irgendwie weg, verschwunden, es fließt nicht an die Bürger zurück. Zweiter Irrtum: Die öffentliche Hand bedient sich am Einkommen, dass jeder Bürger in Eigenleistung verdient hat und dass eigentlich nur ihm zusteht. Wer dem zustimmt, der sollte sich überlegen, wie hoch sein Einkommen wäre, wenn der Staat seine Leistungen mal für ein paar Monate einstellen würde.

Eine andere Form von Gedenktag gibt es in Großbritannien. Er macht nicht den Gegensatz Bürger-Staat zum Thema, sondern den von Arm und Reich. Es ist der „Fat Cat Day“, der Tag der „fetten Katze“ – so werden im Angelsächsischen schwerreiche Menschen bezeichnet. Am 4. Januar war es wieder so weit: Am „Fat Cat Thursday“ hatten die Vorstände der großen britischen Aktiengesellschaften bereits so viel verdient wie der britische Normalarbeitnehmer im ganzen Jahr.

Nach Berechnungen der Organisation High Pay Centre erhielten 2016 die Vorstandsvorsitzenden der Unternehmen aus dem britischen Aktienindex FTSE 100 im Mittel 4,5 Millionen Pfund (rund 5,1 Millionen Euro). Der Median-Wert – also der Wert, der genau in der Mitte einer Datenverteilung liegt – betrug 3,45 Millionen Pfund. Dies entsprach dem 120fachen dessen, was ein britischer Vollzeitarbeitnehmer im Jahr erhält: 28.758 Pfund. Für diesen Betrag muss der Top-Manager nur 3,04 Tage arbeiten. Das bedeutet: „In nur drei Tagen haben Großbritanniens Top-Manager mehr verdient als der typische Vollzeitarbeitnehmer im ganzen Jahr“, so das High Pay Centre.

Näherungsweise und unwissenschaftlich lässt sich der „Fat Cat Day“ auch für Deutschland berechnen, wenn man die Durchschnittswerte zugrunde legt. Nach Berechnungen des Aktionärsschützervereins DSW verdiente ein Vorstand eines der 30 Dax-Konzerne pro Jahr 3,4 Millionen Euro, die Vorstandschefs kommen gar auf 5,5 Millionen. Dabei dürften Nebenleistungen, Pensionsansprüche und anderes jedoch nicht mitgezählt sein. Die Personalberatung HKP errechnet für einen Dax-Vorstandsboss daher Gesamtbezüge von 7,1 Millionen Euro im Jahr 2016. Das sind 19.450 Euro pro Kalendertag.

Das durchschnittliche Bruttoeinkommen in Deutschland dagegen liegt bei 42.500 Euro pro Jahr für eine Vollzeitstelle. Wann „Fat Cat Day“ in Deutschland ist, hängt also davon ab, wen man zu den fetten Katzen zählt. Nimmt man die DSW-Zahlen, so hätte ein Durchschnittsvorstand nach 4,56 Tagen das Jahresgehalt eines Normal-Vollzeitarbeitnehmers verdient, also bis zur Mittagspause an diesem Freitag. Nimmt man die HKP-Zahlen, wäre es bei einem Vorstandsvorsitzenden schon am Mittwochmorgen so weit gewesen.

Das alles ist jedoch nichts gegen Amazon-Chef Jeff Bezos. Sein Vermögen hat sich laut Finanzagentur Bloomberg im laufenden Jahr bereits um 2,74 Milliarden Dollar erhöht. Für diesen Betrag müsste ein Vorstandschef eines deutschen Top-Konzerns fast 390 Jahre arbeiten. Oder anders gesagt: Wofür der deutsche Vorstand ein Jahr arbeiten muss, das hat Bezos’ Aktiendepot in einer Viertelstunde geschafft. 

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Großbritannien

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