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Fast-Casual-Gastronomie Essen für die iPhone-Gesellschaft

In Frankfurt startet eine neue Restaurant-Kette: "Holyfields" will Systemgastronomie der nächsten Generation anbieten. Das Prinzip verspricht Erfolg: Fast-Casual-Ketten liegen mit gesundem, schnell zubereitetes Essen voll im Trend.

28.01.2011 18:07
Grete Götze
Maximal eine halbe Stunde Zubereitungszeit und nicht teurer als zehn Euro. Foto: Alex Kraus

Gerhard Schöps ist ein Profi. Und er behält gerne die Kontrolle. Auf der Internetseite seiner geplanten neuen Restaurantkette „Holyfields“ kann man elf Fotos von ihm und der Eröffnungsfeier des ersten Restaurants in Frankfurt im November herunterladen, einzeln oder gebündelt, inklusive Bildunterschrift. Man merkt, dass der sehr höfliche, 1,93 Meter große Mann keinen Fehler machen will.

„Ich wollte meinen eigenen Klassiker entwickeln“, sagt der ehemalige Markenvorstand von McDonald’s, der auch schon für das Marketing von Langnese, BMW und Lufthansa gearbeitet hat. Damit das auch gut geht, hat der 53-Jährige sein erstes Restaurant in einer Testküche bei Düsseldorf eins zu eins vorgebaut. „Hier steckt viel Geld von mir drin“, sagt der gebürtige Hannoveraner. 2,5 Millionen Euro hat das Ganze bisher gekostet. Schöps hält 30 Prozent der Firmenanteile, der Rest entfällt auf Privatinvestoren und eine Stiftung.

Das Konzept: Schnell und preiswert

Das Konzept für die Kette, deren erstes Restaurant in der Kaiserstraße liegt: Das Essen soll inklusive Bestellung nicht länger als eine halbe Stunde dauern und nicht teurer als zehn Euro sein. Klingt nach Systemgastronomie, wo der Gast in jeder Filiale die gleichen Produkte derselben Qualität isst. Aber anders als Ketten wie Burger King setzt Schöps auf „Fast Casual“, auf gesundes, schnell zubereitetes Essen.

Bei "Holyfields" muss man aber nicht wie beim Fast-Casual-Profi Vapiano am Kochtresen warten, sondern wählt sein Essen am Bildschirm aus, wo zum Beispiel animierte Kartoffelecken auf und ab hüpfen. Die Daten werden auf einem Chip gespeichert, der piept, wenn man sich sein Essen an den Ausgabetresen mit den Namen Peter, Paul und Mary abholen kann. Das computerbasierte Bestellsystem hält Schöps "für die perfekte Weiterentwicklung in unserer iPhone-Gesellschaft".

Dem ersten Holyfields-Restaurant sollen in den nächsten drei Jahren 25 weitere folgen, im April ist Eröffnung in Berlin an der Straße Unter den Linden. Schöps glaubt an die Systemgastronomie – die Zahlen geben ihm Recht. Die Umsätze in der Restaurantbranche sind 2010 gegenüber dem Vorjahr zwar real um 1,4 Prozent zurückgegangen, 2008 hat ein Haushalt im Schnitt 97 Euro für Außer-Haus-Essen ausgegeben. „Die Systemgastronomie hat aber besser abgeschlossen als die Individualgastronomie“, sagt Stefanie Heckel vom Deutschen Hotel- und Gaststättenverband. Ein Grund für den Aufwärtstrend der Systemgastronomie sei, dass Gäste immer mehr auf ihr Geld achteten, aber auch eine gute Marke ziehe Kunden an.

Besonders gut ist das Vapiano gelungen, deren Restaurants auf italienisches Essen spezialisiert sind. 180 Millionen Euro Umsatz hat die europäische Aktiengesellschaft 2010 inklusive der Franchisepartner in Europa gemacht, davon 123 Millionen in Deutschland. 2009 waren es europaweit 137 Millionen Euro und 95 Millionen in Deutschland. Angefangen hat Vapiano 2002, mit einem Jahresumsatz von 178.500 Euro.

Im selben Jahr ist in Frankfurt Mosch Mosch entstanden, eine japanische Nudelbar, die sich erfolgreich in der Region breitmacht. Mit 50.000 Euro Startkapital haben Matthias Schönberger und Tobias Jäkel angefangen, geliehen bei Freunden, Familie und Begeisterten – 2010 lag der Umsatz bei neun Millionen Euro. Zehn Filialen gibt es heute, Mosch-Mosch-Nudeln kann man in Köln, Wiesbaden, Mainz, Düsseldorf und Heidelberg essen.

Cha Cha und Mosch Mosch

Auch die Restaurantkette Cha Cha, die sich auf thailändisches Essen spezialisiert hat, setzt auf Fast Casual. 2010 hat sie 5,5 Millionen Euro in den Restaurants in Hamburg, Berlin, Essen und Düsseldorf umgesetzt, für weitere Filialen erwägt das Unternehmen das Franchise-Prinzip.

Das will Schöps nicht. Er möchte seine Marke aufbauen. Mit europäischem, asiatischem und amerikanischem Essen besetzt er mittags bis zu dreimal die Tische, abends bleiben die Leute länger, aber dafür geben sie auch mehr aus. Am liebsten essen die Gäste den Burger und den gratinierten Ziegenkäse.

Eine Sache mögen sie Schöps zufolge aber noch lieber, und zwar "die gastronomische Übersetzung des deutschen Handtuch-Phänomens": Durch die kleinen Holzchips mit der Aufschrift "Oh, hier sitzt schon jemand" wissen Raucher und Toilettengänger ihren Platz bewacht.

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