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Falsche Geschäfte Warum aus der HRE die Pleitebank wurde

Die Münchner Hypo Real Estate ist zum Sinnbild der deutschen Finanzkrise geworden. Aber wie konnte es so weit kommen? Die FR gibt Antworten. Von Antje Schüddemage

19.08.2009 00:08
Antje Schüddemage

Als der Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate (HRE) noch ein florierendes Dax-Unternehmen ohne akute Geldsorgen war, kannte es außerhalb der Finanzwelt kaum jemand. Heute ist das Münchner Institut zum Sinnbild der deutschen Finanzkrise geworden. Aber wie konnte es so weit kommen? Die FR gibt Antworten.

Warum hat die HRE so lange ein Schattendasein geführt?

Das liegt am Geschäftsmodell der Bank. Sie arbeitet in einer Nische des Finanzsektors, mit der der normale Verbraucher nicht in Berührung kommt. Denn die HRE verfügt im Unterschied zu anderen Privatbanken über keine Kundeneinlagen. Sie finanziert auch nicht den privaten Hauskauf, sondern ist auf gewerbliche Immobilienfinanzierungen spezialisiert. Hinzu kommt das Geschäft mit den als extrem sicher geltenden Pfandbriefen - eine finanzstrategisch wichtige Domäne, in der Deutschland international ganz oben mitspielt. So hatte der deutsche Pfandbriefmarkt 2008, als die Krise über den großen Teich schwappte, ein Nominalvolumen von knapp 900 Milliarden Euro und war damit nach den USA der größte der Welt. Die HRE wiederum war zweitgrößter Emittent deutscher Pfandbriefe.

Warum ging es so plötzlich bergab mit der HRE?

Als die Krise bei der HRE hochkocht, gehört die Bank mit einer Bilanzsumme von fast 400 Milliarden Euro zu den führenden deutschen Finanzkonzernen. Sie hat in den Jahren zuvor massiv vom globalen Immobilienboom profitiert und auch keine Probleme wegen fauler Hypotheken. Der Klotz am Bein, der sie dennoch in den Abgrund zieht, war die erst 2007 für 5,2 Milliarden Euro erworbene Tochter, die Deutsche Pfandbriefbank AG, kurz Depfa.

Wer ist die Depfa und wie verdient sie ihr Geld?

Eigentlich war die Depfa ein anerkanntes Institut: 1922 als Preußische Landespfandbriefanstalt gegründet, wurde sie 1991 privatisiert. Unter Bankenchef Gerhard Bruckermann siedelt das Institut - darauf spezialisiert Staaten Geld zu leihen und große Infrastrukturprojekte zu finanzieren - nach Irland um. Der Grund: Auf der Insel sind die Steuern niedrig und die Bankenaufsicht ist locker. Die Depfa macht Geschäfte, die zum einen weit über ihre Verhältnisse gehen und zum anderen hochriskant sind. Mit kurzfristigen Anleihen am Kapitalmarkt finanziert die Bank langfristige Darlehen mit einer Laufzeit von 20 Jahren oder mehr. Dank niedriger Leitzinsen ist kurzfristiges Geld billig - damit ist die Differenz zum Darlehenszins und der Gewinn erheblich. Doch dann hebt die US-Notenbank die Zinsen an, und auch mit der Refinanzierung klappt es nicht mehr so gut, seit Mitte 2007 die Märkte unruhig werden und in Deutschland die Mittelstandsbank IKB kippt. In dieser Situation übernimmt die HRE die Depfa.

Wodurch geriet die HRE an den Rand einer Pleite, die das größte deutsche Bankendesaster aller Zeiten bedeutet hätte?

Durch den Lehman-Konkurs realisierte sich das enorme Risiko, dass die Depfa in den vergangenen Jahren eingegangen war. Der Interbankenmarkt, der Markt, an dem sich Banken untereinander Geld leihen, brach wegen des zunehmenden Misstrauens zusammen, was die kurzfristige Refinanzierung der Staatskredite unmöglich machte. Auch langfristige Kredite wurden teurer, und da die HRE nicht über Kundeneinlagen verfügt, entstand das massive Liquiditätsproblem, dessen Resultat jetzt der Steuerzahler ausbadet.

Gibt es eine Chance, dass die HRE noch einmal auf die Beine kommt?

Wie sagt man so schön: Die Hoffnung stirbt zuletzt. HRE-Chef Axel Wieandt geht jedenfalls davon aus, dass die Bank nicht vor 2012 wieder in die Gewinnzone zurückkehrt. Bis dahin wird die Zahl der Mitarbeiter von 1800 auf 800 reduziert und die Depfa abgewickelt. Was bleibt, ist vor allem das Geschäft mit Gewerbeimmobilien, stabil refinanziert über Pfandbriefe.

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