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Fair Finance Week Geldanlagen sind wie Kühlschränke

Bei der Fair Finance Week fordern Experten die Verbraucher auf, nachhaltige Finanzprodukte einzufordern.

Fair Finance Week
Das Podium: Sven Giegold, Kristina Jeromin, die Moderatorin Susanne Bergius und Rainer Lenz ( von links). Foto: Evangelische Bank

Nachhaltigkeit ist im Mainstream angekommen. Auch klassische Banken schmücken sich gern mit dem Etikett „Green Finance“. Oft aber ist das nur ein Schlagwort, mit dem auch die konventionelle Finanzwirtschaft inzwischen bei den Kunden zu punkten versucht. Doch bis die ihr Geschäftsmodell tatsächlich auf nachhaltiges Wirtschaften und entsprechende Geldanlageprodukte umgewandelt habe, dürfte noch einige Zeit vergehen. Das ist die Quintessenz der Auftaktveranstaltung der diesjährigen „Fair Finance Week“, die in dieser Woche zum fünften Mal stattfindet und die den Fortschritt auf diesem Gebiet zu messen versucht.

„Die deutsche Finanzbranche befindet sich noch im Tiefschlaf, was die möglichen Risiken ihres Geschäftsmodells angeht“, monierte Kristina Jeromin, die bei der Deutschen Börse für Nachhaltigkeit verantwortlich ist. „Investitionen in Kohlekraftwerke werden sich nicht mehr amortisieren, wenn die Bundesregierung wahrscheinlich in diesem oder im nächsten Jahr den Ausstieg aus der Kohle beschließt“, sagte sie. Solche Risiken müsse man mit einem Preisschild versehen, damit man für etwaige Turbulenzen Rücklagen bilden könne. Eine Wende zu einem nachhaltigen Finanzsystem müsse man gründlich vorbereiten, das sieht auch Sven Giegold so, Finanzexperte von Bündnis 90/ Die Grünen im Europaparlament. Denn ansonsten könne das System kippen, wenn plötzlich viele nicht nachhaltige Anlagen an Wert verlören.

Eine Wende zu einem nachhaltigen Finanzsystem könne aber nicht einfach politisch verordnet werden: „Finanzsysteme können nur das finanzieren, was auch Gewinne abwirft, sie können nicht nachhaltige Politik ersetzen“, mahnte er. Banken könnten nur in Dinge investieren, die sich rechneten „Wenn Verbraucher nicht nachhaltige Produkte kaufen, weil sie billiger sind, dann ist ein Umlenken nicht möglich.“

Immerhin gibt Brüssel inzwischen auf politischer Ebene den Takt vor. Die EU-Kommission in Brüssel hat im Frühsommer die ersten vier Richtlinien veröffentlicht, wie auch die Finanzbranche nachhaltiger und krisenfester gestaltet werden kann. Erst zu Beginn der Woche hat sie dem Europaparlament einen weiteren Vorschlag zugeleitet, nach dem etwa Versicherungsvermittler oder Wertpapierfirmen, die Anlageberatungen anbieten, zu mehr Transparenz verpflichtet werden sollen. Außerdem diskutiert man in Brüssel, ob etwa „braune“, nicht-nachhaltige Geldanlagen mit mehr Eigenkapital unterlegt werden sollen als „grüne“ Anlagen.

„Nachhaltigkeit“ – das solle sich aber nicht nur auf den Klimaschutz beziehen, forderte Giegold. Dazu gehöre auch der Schutz der Menschenrechte und die Bekämpfung von Korruption. „Nachhaltigkeit ist ein Lebenskonzept, dass das gesamte Geschäftsmodell mit allen Aspekten durchzieht“, meinte auch Rainer Lenz, Vorstandsvorsitzender der Nichtregierungsorganisation „Finance Watch“.

Viele deutsche Banken hätten noch einen weiten Weg zu gehen, auch beim Produktangebot, sagte Kristina Jeromin. Sie forderte die Verbraucher auf, entsprechende Angebote einzufordern, denn Bankprodukte seien Produkte. Beim Kauf anderer Produkte, etwa eines Kühlschranks, entscheide man ja auch häufig nach Klimaverträglichkeit. Danach sollte man auch bei der Geldanlage fragen: „Viele Bankberater sagen dann, dass sie keine wirkliche Auswahl an Produkten haben, die sie Ihnen empfehlen können. Und wenn es ganz schlimm läuft, sagt Ihnen irgendjemand: ‚Nachhaltiges Investieren bringt Ihnen weniger Rendite als das konventionelle.‘“ Ihr Rat: „Dann gehen Sie bitte ganz schnell raus und suchen sich einfach eine neue Bank.“ Denn das Gegenteil ist inzwischen längst erwiesen, nachhaltige Geldanlagen werfen meist sogar mehr Rendite ab als konventionelle.

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