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Facharzttermine Erst in drei Wochen

Patienten müssen einer Umfrage zufolge vor allem bei Fachärzten länger auf einen Behandlungstermin warten. Der Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung sieht darin dennoch kein Riesenthema.

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Die Wartezeiten beim Hausarzt gehen bei allen Versicherten tendenziell zurück. Foto: dpa

Lange hatte Andreas Gassen, der oberste Kassenarzt der Nation, beim Thema Wartezeiten stets von einem lediglich „gefühlten Problem“ gesprochen. Als Bundesgesundheitsminister Jens Spahn auf dem Ärztetag im Frühjahr die Wortwahl monierte und von einem Freund berichtete, der lange auf einen Termin warten musste, gab es zwar Kopfschütteln. Doch der Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) hat gleichwohl reagiert. Von einem gefühlten Problem spricht Gassen nicht mehr. Das wurde auch höchste Zeit: Die jährlich durchgeführte Versichertenbefragung der KBV hat ergeben, dass gesetzlich Versicherte immer länger auf einen Facharzttermin warten müssen.

Bei der am Dienstag in Berlin veröffentlichten Umfrage gab ein Drittel (32 Prozent) der Kassenpatienten an, dass sie länger als drei Wochen auf einen Termin beim Facharzt warten mussten. Das ist gegenüber der Befragung vor einem Jahr ein Plus von immerhin vier Prozentpunkten. Bei den Privatversicherten stieg der Anteil mit dieser langen Wartezeit lediglich von 17 auf 18 Prozent.

Besserung bei Hausärzten

Ganz ohne Wartezeit klappte es nur bei 18 Prozent der Kassenpatienten. Das sind zwei Prozentpunkte mehr als 2017. Bei den Privatversicherten bekamen dagegen 25 Prozent sofort einen Termin – gegenüber 2017 ein Plus von sechs Prozentpunkten. Erfreulich: Die Wartezeiten beim Hausarzt gehen bei allen Versicherten tendenziell zurück.

Auch bei der Betrachtung einer längeren Zeitperiode ist erkennbar, wie stark die Wartezeiten zugenommen haben. 2008 sagten noch 54 Prozent der gesetzlich Versicherten, sie hätten mehr als drei Tage auf einen Facharzttermin warten müssen. Dieser Anteil stieg mittlerweile auf 63 Prozent. Eine Differenzierung nach den verschiedenen Facharztgruppen zeigt, wo die Probleme am größten sind: Auf einen Termin beim Chirurgen und einem HNO-Arzt warteten 53 Prozent der Befragten mehr als drei Tage. Beim Internisten betrug der Anteil 55 Prozent. Es folgen Augenarzt (62 Prozent), Hautarzt (64 Prozent), Kardiologe (65 Prozent), Orthopäde (66 Prozent), Urologe (69 Prozent), Psychiater (70 Prozent) und Frauenarzt (71 Prozent). Zum Vergleich: Auf einen Termin beim Hausarzt mussten lediglich 22 Prozent der Versicherten länger als drei Tage warten. Problematisch sind also die Facharzttermine.

Häufig wird von der Ärzteschaft eingewendet, derartige Statistiken verfälschten die tatsächliche Lage, weil in dringenden Fällen jeder Patient selbstverständlich schnell behandelt werde. Doch das stimmt laut Umfrage offensichtlich nicht. Hatten Patienten ein dringendes Anliegen oder aktuelle Beschwerden, bekamen mit 53 Prozent zwar gut die Hälfte der Versicherten sofort einen Termin. 30 Prozent dieser aktuellen Fälle – lediglich elf beim Hausarzt, aber mit steigender Tendenz 61 Prozent beim Facharzt – mussten jedoch länger als drei Tage warten.

„Kein Riesenthema“

Um seine These von einem nicht vorhandenen Problem zu stützen, verwies KBV-Chef Gassen auf ein weiteres Umfrageergebnis. Danach gaben lediglich 20 Prozent der Befragten an, dass ihnen die Wartezeit auf einen Arzttermin zu lang war. Selbst bei dieser Frage ist allerdings eine Verschlechterung der Lage zu erkennen: 2013 betrug der Anteil der Unzufriedenen erst 17 Prozent.

Gassen sagte gleichwohl, die Wartezeiten seien „nach wie vor kein Riesenthema“. Das Problem sei nicht so dringend, wie es der Politik erscheine. Es sei schon bemerkenswert, dass die große Koalition ein eigenes Gesetz für die Thematik plane. Er räumte allerdings ein, dass die Wartezeiten bei den Fachärzten steigen. Um deren Verfügbarkeit müsse man sich mittelfristig kümmern.

Minister Spahn hat bereits seinen Entwurf für eine Gesetz zur Verkürzung der Wartezeiten vorgelegt. Es sieht unter anderem vor, die Mindestzahl der wöchentlichen Sprechstunden der Ärzte von 20 auf 25 anzuheben. Zudem sollen die Ärzte finanzielle Anreize bekommen, um mehr neue Patienten anzunehmen. Geplant ist außerdem, die Vermittlungsangebote der Terminservicestellen auszuweiten. Experten sind allerdings skeptisch, ob sich mit den geplanten Regelungen die Wartezeiten verkürzen lassen.

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