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Facebook Zuckerberg arbeitet am Image

Der Facebook-Gründer Mark Zuckerberg wird in Berlin wie ein Staatsgast behandelt. Er spricht vor mehr als tausend ausgewählten Gästen über Innovation und Hetze und trifft Kritiker.

Mark Zuckerberg auf der Bühne in Berlin. Foto: dpa/Facebook

Im Eingangsbereich der Arena-Halle am Spreeufer in Berlin-Treptow sieht es aus wie in einem Flughafen: Durch ein Dutzend Sicherheitsschleusen müssen die ausgewählten Gäste, um vor die Bühne zu gelangen. Mehr als Tausend sind gekommen, um ihn endlich live zu sehen: Mark Zuckerberg.

Der Facebook-Gründer lächelt, als er die Bühne betritt. Hinter dem 31-Jährigen hat Facebook eine Wand mit Holzvertäfelung aufgebaut, in die kleine Spiegel eingelassen sind, die das blaue Scheinwerferlicht reflektieren – die Facebook-Farbe. Mark Zuckerberg trägt natürlich das Mark-Zuckerberg-Outfit: graues T-Shirt, Jeans. Das trägt er immer. Es sei einfach eine Sache weniger, über die er sich morgens Gedanken machen müsste, erklärte er einmal einem Praktikanten, der sich erkundigte, ob sein Chef mehr als ein T-Shirt habe.

Townhall-Meeting nennt Facebook die Veranstaltung in der Arena. Es ist ein Treffen mit den Nutzern, das zurückgeht auf ähnliche Foren, die Facebook seit langem mit den eigenen Mitarbeitern veranstaltet. Einmal in der Woche haben sie die Möglichkeit, Mark Zuckerberg Fragen zu stellen – etwa, ob der Chef nur ein T-Shirt habe. Vor einiger Zeit hat Facebook damit begonnen, auch für die Nutzer des Netzwerks solche Treffen mit Mark Zuckerberg zu organisieren – erst in der Facebook-Zentrale im kalifornischen Menlo Park, dann an den unterschiedlichsten Orten weltweit, von Bogota in Kolumbien bis nach Neu-Delhi in Indien. „ Es geht mir darum zu hören, was wir bei Facebook noch besser machen können“, erklärt Zuckerberg am Anfang.

Das ist natürlich nur die eine Seite. Mit den Townhall-Veranstaltungen hat sich Facebook auch ein Format geschaffen, das Nähe des Gründers zu seinen Nutzern suggeriert und den Anschein eines Austausches gibt – aber die Kontrolle zugleich komplett bei Facebook lässt. Rein kommt nur, wer vorher seine Fragen an den Gründer einreicht. Nachfragen gibt es nicht. Es ist eine Inszenierung, die ganz darauf ausgerichtet ist, dass Zuckerberg auf keinen Fall irgendwie in Bedrängnis kommen kann.

„Ich fühle mich wirklich zu Hause in Berlin“, sagt der erstmal zur Begrüßung. Berlin ist für Zuckerberg wie Facebook. „Keine Stadt auf der Welt symbolisiert das Einreißen von Mauern so sehr“, sagt er – und das sei schließlich die Facebook-Mission. Und ihm ist noch eine Parallele aufgefallen: Ähnlich wie Facebook befinde sich die Stadt in einem stetigen Entwicklungsprozess. „Berlin ist auch nur zu einem Prozent fertig, mich inspiriert das.“

Aber das ist natürlich nicht der eigentliche Grund, wieso Zuckerberg nach Berlin gekommen ist. Der Zuckerberg-Auftritt ist der vorläufige Höhepunkt einer PR-Offensive, mit der Facebook sein Image hierzulande aufpolieren will. Es geht darum, Boden gut zu machen. Zuletzt hatte der Konzern in Deutschland nicht besonders geschickt agiert.

Der Umgang mit der Hetze gegen Flüchtlinge erboste viele Nutzer. Facebook war in Verruf geraten, zur Hass-Plattform mutiert zu sein, zum „asozialen Netzwerk“, wie eine Boulevardzeitung titelte. Der Konzern griff lange auch dann nicht ein, wenn Nutzer übelste rassistische Hetze meldeten, die in Deutschland eindeutig rechtswidrig ist. Ganz so, als würden deutsche Gesetze im Facebook-Land nicht gelten.

Irgendwann schaltete sich im Herbst selbst Bundeskanzlerin Angela Merkel ein. Am Rande einer UN-Veranstaltung in New York sprach sie Mark Zuckerberg auf den Umgang des Netzwerks mit den Hasskommentaren an. Danach war auch Zuckerberg klar, dass es ein Problem gibt.

Seitdem läuft die PR-Offensive. Facebook-Managerin Sheryl Sandberg, die Nummer zwei hinter Mark Zuckerberg, kam im Januar nach Berlin, um die Wogen wieder zu glätten. In Berlin wurde nicht nur im Sony Center ein neues Büro eröffnet, sondern auch noch ein externer Dienstleister beauftragt, die Meldungen zu Hasskommentare zu sichten. Und nun ist Zuckerberg persönlich gekommen, um den Umgang mit den Hasskommentaren zu erklären.

Jonas Umland, ein Informatik-Student vom Hasso-Plattner-Institut aus Potsdam, darf die Frage vortragen, wie Facebook gedenkt, mit den Hasskommentaren umzugehen. Der 19-Jährige ist einer von 60 Studierenden und Mitarbeitern des Instituts, die Facebook eingeladen hat. Die Hasskommentare begegneten ihm ständig auf Facebook, hat er vorher erzählt.

Zuckerberg überlegt nicht lange – natürlich nicht, er kennt die Frage ja bereits. Facebook habe Fehler gemacht, bekennt er. Der Konzern hätte nicht erkannt, dass Flüchtlinge zu den Gruppen gehören, die besonderen Schutz gelte – also so wie Angehörige einer bestimmten Religion oder Volksgruppe.

Das soll sich nun ändern. 200 Personen sollen sich nun in Berlin bei einem externen Dienstleister darum kümmern, dass Hasskommentare auch entfernt werden. „Wir hören die Botschaft klar und deutlich, und wir haben uns verpflichtet, es besser zu machen.“ sagt Zuckerberg. „Hasskommentare haben keinen Platz auf Facebook.“

„Mehr konnte man nicht erwarten“, sagt der Rechtsanwalt Chan-jo Jun, der extra aus Würzburg in die Arena gekommen ist. „In früheren Statements hat Zuckerberg in diesem Zusammenhang oft noch auf Meinungsfreiheit abgehoben.“ In den USA steht schließlich diese und nicht wie in Deutschland die Menschenwürde an erster Stelle. „Heute hat er schon einen anderen Ton angeschlagen“, sagt Jun. „Nun kommt es darauf an, ob Facebook das auch umsetzt.“

Vor Zuckerbergs Besuch hat Jun für Aufregung gesorgt, da er zusammen mit einem Kollegen Strafanzeige gegen den Facebook-Chef gestellt hat – wegen Beihilfe zur Verbreitung von Volksverhetzung, da der Konzern auch strafbewehrte Drohungen nach Meldung nicht entfernt. Er hat eigens einen Mitarbeiter abgestellt, der nichts anderes macht, als zu dokumentieren, wie Facebook Hetze nicht löscht, die seiner Ansicht nach eindeutig rechtswidrig ist. Screenshots von 300 Fällen hat er erstellt – darunter Aufrufe, sich zu bewaffnen und Flüchtlinge zu erschießen. Den dicken Ordner mit den Screenshots hat er mit in die Arena gebracht.

Eine Frage darf er nicht stellen. Als Facebook-Mitarbeiter entdecken, wen sie in die Arena gelassen haben, machen sie ihm schnell klar, keine Szene zu machen. Er bekommt extra zwei Aufpasser, damit nichts schiefgeht.

So offen wie ein Waffenhändler verhalte sich Facebook bei aller simulierten Transparenz in der Regel bei kritischen Nachfragen, bemerkte einmal Netzaktivist Markus Beckedahl, der Gründer des Blogs Netzpolitk.org, das Facebook seit langem kritisch beobachtet. Ausgerechnet der Konzern, der mit der Offenheit der Nutzer sein Geld verdient, setzt konsequent auf Mauern und Abwiegeln, wenn es um irgendetwas in eigener Sache geht, das nicht zu den strahlenden PR-Botschaften passt.

Auch Mark Zuckerberg nimmt für sich Privatheit in Anspruch. Die vier Grundstücke um sein Haus in Kalifornien soll er zusammengekauft haben, um seine Privatsphäre zu schützen. Von seiner Geheimhochzeit mit seiner langjährigen Freundin Priscilla Chan im Mai 2012, mit der er schon zusammen kam, bevor er Facebook während seines Studiums 2004 an der Universität Harvard startete, existiert genau ein Motiv.

Es sind immer überlegte, gezielte Einblicke, die Zuckerberg seinen Fans gewährt – auch in der Arena. Ein Thema, das Facebook an diesem Donnerstag viel mehr Platz einnimmt als die Hasskommentare: Zuckerbergs drei Monate alte Tochter Max. Er habe ihretwegen seine Arbeitsabläufe geändert, erklärte Zuckerberg in der Arena. Um sie jeden zweiten Tag baden zu können. Als ein Facebook-Manager dann auch noch eine Frage danach vorliest, wie Zuckerbergs Hund Beast mit dem neuen Familienmitglied umgehe, scheint es selbst Zuckerberg einen Moment peinlich. Dann erklärt er aber doch ausführlich, dass auch Beast sich bereits väterlich um Max sorge.

Am Ende wird es dann noch einmal Ernst. Zuckerberg kommt auf die Flüchtlingskrise zu sprechen – und lobt die Kanzlerin. „Ich hoffe, dass mehr Länder dem Vorbild Deutschlands folgen. Ich hoffe, dass die USA dem Vorbild Deutschlands folgen“, sagt er. Die Rolle der deutschen Staatsführung in der Flüchtlingskrise sei eine Inspiration. „Ein Modell für die Welt.“

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