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Facebook Skandal! Welcher Skandal?

Fake News, Hatespeech, Cambridge Analytica? Macht nichts. Facebook geht es blendend, Nutzerzahlen und Einnahmen steigen. Nur die Politik kann noch bremsen.

Facebook
Mark Zuckerberg als Pappkopf. Gegen Facebook werden immer wieder Proteste laut. Foto: afp

Datenskandale, Boykottaufrufe und drohende Regulierung können Facebook nichts anhaben. Im ersten Quartal des laufenden Jahres zählte das soziale Netzwerk Millionen neue Mitglieder. Und aus den Daten dieser Nutzer holt der Konzern immer mehr Werbeeinnahmen heraus. Die neue EU-Datenschutzverordnung allerdings könnte dem Wachstum des Internet-Riesen einen kleinen Dämpfer verpassen.

Seit langem steht Facebook in der Kritik. Über die Plattform würden Hassbotschaften und Fake-News verbreitet, sie nähre Gewalt in Entwicklungsländern und missbrauche die Daten der Nutzer. Vor gut einem Monat wurde bekannt, dass persönliche Daten von 87 Millionen Menschen in die Hände des Datenanalyse-Unternehmens Cambridge Analytica gelangt waren. Facebook-Chef Mark Zuckerberg wurde daher vor den US-Kongress zitiert. Die Kampagne #deletefacebook forderte Nutzer auf, das Netzwerk zu verlassen.

Facebook-Werbegeschäft läuft blendend

Der Cambridge-Analytica-Skandal wurde zwar erst kurz vor Ende des ersten Quartals öffentlich und konnte daher die Geschäftszahlen kaum beeinflussen. Dennoch deutet nichts darauf hin, dass die Menschen Facebook den Rücken kehren, ganz im Gegenteil: Im März lag die Zahl der täglich aktiven Nutzer durchschnittlich bei 1,45 Milliarden, im Dezember waren es nur 1,4 Milliarden, berichtet das Unternehmen. Die Zahl der monatlich aktiven Nutzer kletterte um 70 Millionen auf 2,2 Milliarden. Entweder vertrauen die Menschen Facebook, oder ihnen ist der Umgang mit ihren Daten schlicht gleichgültig.

Mit den Daten seiner Mitglieder ist Facebook in der Lage, Firmen personalisierte Werbeplätze zu verkaufen, und dieses Geschäft läuft blendend. Pro Nutzer machte der US-Konzern im vergangenen Quartal einen Werbeumsatz von 5,45 Dollar, ein europäischer Nutzer brachte Facebook über acht Dollar und ein Nordamerikaner sogar 23 Dollar. Fast ein Fünftel des weltweiten Online-Werbemarktes zieht Facebook auf sich. Das ist allerdings noch deutlich weniger als Google, das auf knapp ein Drittel kommt.

Insgesamt lag der Umsatz, den Facebook fast ausschließlich mit Werbung gemacht wird, zwischen Januar und März bei 11,97 Milliarden Dollar und damit um fast 50 Prozent höher als ein Jahr zuvor. Noch stärker als die Einnahmen legte der Gewinn zu: Er sprang um 63 Prozent auf 4,99 Milliarden Dollar. Das zeigt, wie extrem profitabel das Geschäft von Facebook ist: Von jedem eingenommenen Dollar bleibt fast die Hälfte als Gewinn hängen. Kein Wunder, dass Facebook an der Börse vier Mal mehr wert ist als zum Beispiel Volkswagen, obwohl der Autobauer das Sechsfache an Umsatz macht.

Als Wachstumsbremse könnte sich allerdings die neue EU-Datenschutzverordnung erweisen, die am 25. Mai in Kraft tritt. Die Zahl der aktiven Nutzer werde im laufenden Quartal nur stagnieren oder leicht zurückgehen, teilte Facebook mit. Sollten viele Mitglieder die strengsten Einstellungen für mehr Privatsphäre wählen, könne dies negative Auswirkungen auf das Werbegeschäft von Facebook haben. In den USA denkt die Politik ebenfalls über eine striktere Regulierung nach.

Facebook-Chef Zuckerberg gab sich am Mittwoch zwar unbeeindruckt und verteidigte das werbebasierte Geschäftsmodell. Finanzanalystin Shira Ovide sieht hier allerdings erste Zeichen von Schwäche: „Noch vor einigen Monaten wäre es undenkbar gewesen, dass die Topmanager von Facebook sich genötigt sehen, ihre Art des Geldverdienens zu rechtfertigen“, schreibt sie auf Bloomberg.

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